Das Spiel mit der Angst

Geschrieben von blue_bear am 24.01.2007 00:14:00:

Die Börse ist ein Zockerparadies, das klang ja bereits häufiger hier an. Jeder,
der schon mal riskante Aktien oder gar mit Optionsscheinen oder Futures agiert
hat, kann das sicher bestätigen.
Was tut jemand, der auf der Verliererstraße ist?
Nun, wenn er ein Stück weit über den Dingen steht, wird er sein Engagement
zunächst beenden, seine Strategie überdenken, möglichst erst einmal neu
simulativ "spielen" und testen, wie sich die neue Strategie auswirkt und
erst bei dauerhaft erfolgreichem Ergebnis wieder einsteigen.
Ein Spieler (hier: ein vom Spiel besessener) hat Scheuklappen auf den Augen,
reflektiert sein handeln nicht und seine Tendenz geht hin zu riskanterem
Spiel, genau dann, wenn eigentlich die Risikoabwägung ein behutsameres Handeln
vorschreiben würde.

Warum schreibe ich das? Nun, ich hatte heute endlich wieder einmal Zeit,
im Wald spazieren zu gehen, ganz ohne Internet, ohne Staßenlärm und ohne
Arbeitshektik.
Ganz ohne Lärm allerdings auch nicht, denn ein paar Waldarbeiter waren
damit beschäftigt, die gröbsten Sturmschäden, im Wesentlichen morsche
Bäume abzutransportieren.
Tja, und zurück am PC gucke ich hier rein und sehe, dass virtuell schon
wieder Krieg (durch)gespielt wird.
Jeder Krimi wird langsam gähnend langweilig gegenüber dem, was hier im Forum
alles erdacht wird.
Nachdem das eigentlich schon zu höchster Angst Anlass gebende Wort
Crash mittlerweile in jedem "zweiten" Posting Einzug erhalten hat, dient es
offenbar nicht mehr dazu, die nötige Aufmerksamkeit hervorzurufen.
Nun ist man auf den Trichter gekommen, es muss ein noch schlimmeres Wort her.
Atomkrieg, das ist wohl nun das Schlagwort, dass die nächsten Wochen (mindestens
offenbar bis zum März) beherrschen wird. Die seltsamen Propheten gucken nach
Voraussagen, die bereits zu tausenden gescheitert sind, Sterndeuter und
Gurus haben offenbar auch wieder eine Absatzmöglichkeit gewittert.
Leider schmückt (oder spielt) auch der selbsternannte Weltverbesserer nun
diese Karte, mit der für mich die Freigeldidee immer mehr zu einer
Hokuspokusveranstaltung wird. Schade.
Möglicherweise in der ersten ernsthaften Krise der Freigeldprojekte verlässt
man also die seriöse, fundierte Betrachtung der Finanzwelt und hat es nötig,
mit der Angst der Leute zu spielen, die man mit Freigeld zu retten gedachte?
Um den Bogen zum ersten Textabschnitt zu schlagen:
Derzeit macht mir Oldy den Eindruck, als würde er immer riskanter werden mit
seinen Einsätzen für das Freigeld (z.B. Inflation des Krisenszenarios und damit
der Angstmacherei, bei stetig schwächerer Belastbarkeit von Fakten)
Für meine Begriffe nähern wir uns eher dem Ende der Freigeldidee, als einer
Krise, geschweige denn eines Crashes oder gar Weltkrieges. Denn auch bzgl. der
Angstmacherei ist irgendwann ein Ende erreicht, die Welt kann halt nur einmal
zerstört werden, höhere Angstszenarien wird man schwerlich entwickeln können.
Ich kann nur allen empfehlen, mal wieder so einen Nachmittag im Wald zu
verbringen, auch die Homepage von Grand Forks läßt recht viele Grünzonen
und Wälder erahnen ....
Viele Grüße,
blue-bear



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