Vermögenssicherung nur mit echten Sachwerten möglich

Geschrieben von Faultier am 25.01.2007 10:56:00:

Violett:

Kennt sich hier jemand mit Derivaten aus?
Ich habe mich gerade ein paar Silberzertifikate angesehen. Da gibt es z.B. Open-End-Zertifikate im Verhältnis 1:1 european styled.
Wenn ich das richtig verstehe, sind das Zertifikate, die mich berechtigen pro Zertifikat eine Unze Silber am St. Nimmerleinstag (Open-End-Zertifikat) zu beziehen und zwar genau an diesem St. Nimmerleinstag und keinen Tag früher (european styled).
Eine brutalere Vera. von Anlegern kann ich mir kaum noch vorstellen.
Oder habe ich da etwas falsch verstanden?

Faultier:

So weit hast Du das erst einmal richtig verstanden. Nun kommt es aber für den Anleger darauf an, daß er dieses Zertifikat börsentäglich handeln kann. Genau dabei sehe ich aber die große Schwierigkeit.

Ein anderes Problem sehe ich in der Herausgabe solcher Zertifikate selbst. Da möchte jemand ( Bank z.B. ) mit einem Zertifikat die Preisentwicklung eines Rohstoffes abbilden. Also müßte er/sie folgendes tun: 1.) einen Lagerplatz kaufen, bauen oder Mieten
2.) den Rohstoff selbst kaufen, transportieren lassen und einlagern
3.) Die Zertifikate darauf herausgeben.
Damit entsteht schon eine Kostenstruktur, die es in dieser Weise nicht mehr erlauben würde, den Preis des Rohstoffes genau 1:1 abzubilden. Aber je länger das Zertifikat läuft ( unendlich ), um so näher kommen wir dem Verhältnis 1:1, wenn die Nebenkosten einmalig wären :))

Eine bessere Alternative wäre folgende: Bank kauft Rohstofflagerstätte und läßt sie liegen. Sie spekuliert, daß der Preis der Lagerstätte im Laufe der Jahre relativ stärker ansteigt, als der Preis des Rohstoffes selbst. Die Kosten für die Rücknahme der Zertifikate bringt sie in ihren allgemeinen Kapitalkosten mit unter, während sie von der Differenz Kauf/Verkaufpreis des Zertifikates profitiert. Den großen Wurf macht die Bank dann, wenn sie die Lagerstätte verkauft.

So konservativ handeln Banken aber nicht. Sie kaufen eine ganze Serie von Kaufoptionen auf den Rohstoff und versuchen gleichzeitig noch Verkaufsoptionen zu verkaufen. Bei steigenden Rohstoffpreisen liegen aber die Kosten der Kaufoptionen höher, als die der Verkaufoptionen. Tendenziell sind auch die Kosten neuer Optionen höher, als die der älteren. Die Folge daraus ist, das jemand, der versucht, einen Rohstoffpreis langfristig über Optionen darzustellen, draufzahlt. Das möge pro Jahr etwa der Diskontsatz oder etwas mehr sein. Irgendwie muß aber der Herausgeber der Zertifikate diese Kosten auf die Käufer der Zertifikate abwälzen. Da bleiben nur: große Differenz zwischen Kauf- u. Verkaufpreis und ein schwächerer Kurs des Zertifikates im Vergleich zum Basispreis.

Fazit:
Dem Kleinanleger bleibt folgendes: langfristig solche Zertifikate meiden und im kurzfristigen Bereich stark antizyklisch handeln. Man könnte ( wenn man seinen PC liebt ) da einige nette Handelssysteme entwickeln, vorausgesetzt, man glaubt an die Funktionstüchtigkeit der Derivatemärkte und das Bestehen des Emittenten. Gerade dies aber beißt sich mit einer Strategie, die auf Vermögenssicherung über Crashphasen ausgerichtet ist.
Zertifikate und Aktien haben beide hohes Gewinnpotenzial unter günstigen Umständen. Sie könnten sich aber beide schnell als absolut wertlos herausstellen. Nur echte Sachwerte behalten dann ihren Wert.

Das Faultier



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