Re: Vermögenssicherung nur mit echten Sachwerten möglich

Geschrieben von Francisco d-Anconia am 26.01.2007 20:51:00:

>Guten Abend Hr. Francisco,
>>>
>>>Violett:

Kennt sich hier jemand mit Derivaten aus?
>>>Ich habe mich gerade ein paar Silberzertifikate angesehen. Da gibt es z.B. Open-End-Zertifikate im Verhältnis 1:1 european styled.
>>>Wenn ich das richtig verstehe, sind das Zertifikate, die mich berechtigen pro Zertifikat eine Unze Silber am St. Nimmerleinstag (Open-End-Zertifikat) zu beziehen und zwar genau an diesem St. Nimmerleinstag und keinen Tag früher (european styled).
>>>Eine brutalere Vera. von Anlegern kann ich mir kaum noch vorstellen.
>>>Oder habe ich da etwas falsch verstanden?

Faultier:

So weit hast Du das erst einmal richtig verstanden. Nun kommt es aber für den Anleger darauf an, daß er dieses Zertifikat börsentäglich handeln kann. Genau dabei sehe ich aber die große Schwierigkeit.


>>>

Ein anderes Problem sehe ich in der Herausgabe solcher Zertifikate selbst. Da möchte jemand ( Bank z.B. ) mit einem Zertifikat die Preisentwicklung eines Rohstoffes abbilden. Also müßte er/sie folgendes tun: 1.) einen Lagerplatz kaufen, bauen oder Mieten
>>>2.) den Rohstoff selbst kaufen, transportieren lassen und einlagern
>>>3.) Die Zertifikate darauf herausgeben.
>>>Damit entsteht schon eine Kostenstruktur, die es in dieser Weise nicht mehr erlauben würde, den Preis des Rohstoffes genau 1:1 abzubilden. Aber je länger das Zertifikat läuft ( unendlich ), um so näher kommen wir dem Verhältnis 1:1, wenn die Nebenkosten einmalig wären :))

Eine bessere Alternative wäre folgende: Bank kauft Rohstofflagerstätte und läßt sie liegen. Sie spekuliert, daß der Preis der Lagerstätte im Laufe der Jahre relativ stärker ansteigt, als der Preis des Rohstoffes selbst. Die Kosten für die Rücknahme der Zertifikate bringt sie in ihren allgemeinen Kapitalkosten mit unter, während sie von der Differenz Kauf/Verkaufpreis des Zertifikates profitiert. Den großen Wurf macht die Bank dann, wenn sie die Lagerstätte verkauft.

So konservativ handeln Banken aber nicht. Sie kaufen eine ganze Serie von Kaufoptionen auf den Rohstoff und versuchen gleichzeitig noch Verkaufsoptionen zu verkaufen. Bei steigenden Rohstoffpreisen liegen aber die Kosten der Kaufoptionen höher, als die der Verkaufoptionen. Tendenziell sind auch die Kosten neuer Optionen höher, als die der älteren. Die Folge daraus ist, das jemand, der versucht, einen Rohstoffpreis langfristig über Optionen darzustellen, draufzahlt. Das möge pro Jahr etwa der Diskontsatz oder etwas mehr sein. Irgendwie muß aber der Herausgeber der Zertifikate diese Kosten auf die Käufer der Zertifikate abwälzen. Da bleiben nur: große Differenz zwischen Kauf- u. Verkaufpreis und ein schwächerer Kurs des Zertifikates im Vergleich zum Basispreis.

Fazit:
>>>Dem Kleinanleger bleibt folgendes: langfristig solche Zertifikate meiden und im kurzfristigen Bereich stark antizyklisch handeln. Man könnte ( wenn man seinen PC liebt ) da einige nette Handelssysteme entwickeln, vorausgesetzt, man glaubt an die Funktionstüchtigkeit der Derivatemärkte und das Bestehen des Emittenten. Gerade dies aber beißt sich mit einer Strategie, die auf Vermögenssicherung über Crashphasen ausgerichtet ist.
>>>Zertifikate und Aktien haben beide hohes Gewinnpotenzial unter günstigen Umständen. Sie könnten sich aber beide schnell als absolut wertlos herausstellen. Nur echte Sachwerte behalten dann ihren Wert.

Das Faultier


>>lllllllllllllllllllllllllllllllllllllll
>>
>>Es gibt eine Vielzahl von Zertifikate-Typen.
>>Die klassischen Formen sind:
>>- Discount und Deep-Discount-Zertifikate auf Indizes
>>- Bonuszertifikate auf Aktien
>>- Outperformance-Zertifikate auf Aktien
>>Mit den beiden erstgenannten klassischen Formen läßt sich das Risiko eines Investors minimieren.
>>Sofern gewünscht kann ich eigene Exposés dazu einstellen - sind aber mehrseitige Texte.
>>Zertifikate auf Rohstoffe haben als Underlying natürlich meistens futures.
>>Bei endlos-Zertifikaten muß ein Rollover durchgeführt werden, da die futures natürlich nicht endlos laufen. Beim Rolover kommt es zur Backwardation oder zum Contango.
>>Wer Währungssicherheit will, sollte nur Quanto-Zertifikate kaufen, da die Rohstoffpreise in USD angegeben sind.
>>FdA
>
>Ich möchte Ihren Aussagen doch widersprechen, einfach aus prinzipieller Natur heraus. Wer Silber oder Edelmetalle aus dem Aspekt der Vermögenssicherung heraus betrachtet, der sollte Wert legen auf unmittelbare Verfügbarkeit, d. h. physische Anlagen. Diese sind wie bekannt natürlich mit sehr hohen Nebenkosten beim Erwerb behaftet, so dass erst ab 100% Kurssteigerung die Basisausgaben wieder gedeckt sind. Wer solche Dinge kauft, tut es, weil er ein paar Euro übrig hat (wie ich mir ein paar Münzen und Barren zugelegt habe), für den Fall der Fälle, dass tatsächlich in Form einer Hyperinflation nur mehr Edelmetalle als Werterhalt übrig bleiben sollten. Dies ist jedoch nur zu verstehen als Form einer Versicherung und somit als Vermögenssicherung im klassischen Sinn, jedoch kleinen Rahmen.
>Die Zertifikate sind ein Widerspruch an sich. Erstens wälzen die Emittenten ihre Nebenkosten ab, was die Schere über das Jahr gesehen zwischen Basiswert und Zertifikat immer weiter aufgehen lässt, dass nach ca. 5 Jahren bereits die physische Anlage trotz Nebenkosten (ich rede hier vom Silber, beim Gold verbieten sich Zertifikate aufgrund der relativ geringen Geld-Briefkursdifferenz und der fehlenden MwSt. für mich ohnehin) besser abschneidet. Und Papier in Kombination mit Sicherheit, das ist ohnehin ein Paradoxon.
>Wer hier wirklich mitmischen will, kann entsprechende Optionsscheine kaufen, als Spekulation. Oder als Vermögenssicherung Substanzwerte z. B. Schweizer Unternehmen, aber doch kein Papier. Auch Aktienzertifikate stellen im Prinzip nur einen Hebel zur Gewinnmaximierung seitens des Emittenten dar, dem Endanleger bringen sie weder maximalen Gewinn noch Sicherheit.
>Gastronom

llllllllllllllllllllll

Werter Herr Gastronom
Sie sehen das mit Gold und Silber etwas zu einseitig. Natürlich soll man einen angemessenn Anteil dieser Metalle im Rahmen seiner persönlichen asset allocation halten nach selbst definiertem Risikoprofil halten.
Rohstoffe sind aber nicht nur Gold und Silber. Schauen Sie sich einmal die Komposition des RICI Index an (den können Sie natürlich auch kaufen, auch als Quanto-Zertifikat - z. B. bei ABN AMRO umsehen):

Rogers International Commodity Index Composition
Crude Oil 35.00% PalmOil / Sojabean Oil 2,00%
Wheat 7.00% Live Hogs 1.00%
Corn 4.75% Sugar 2.00%
Aluminum 4.00% Azuki Beans 0.50%
Copper 4.00% Cocoa 1.00%
Heating Oil/Diesel 3.00% Nickel 1.00%
Unleaded Gas 3.00% Tin 1.00%
Natural Gas 3.00% Wool 0.25%
Cotton 4.00% Rubber 1.00%
Soybeans 3.00% Lumber 1.00%
Gold 3.00% Barley 0.27%
Live Cattle 2.00% Canola 0.67%
Coffee 2.00% Orange Juice 0.66%
Zinc 2.00% Oats 0.50%
Silver 2.00% Palladium 0.30%
Lead 2.00% Silk 0.05%
Rice 0.50% Soy Bean Meal 0.75%
Platinum 1.80% TOTAL 100.00%
Es gibt Hebelzertifikate. Ich sprach allerdings nur von den klassischen Formen zur Risikominimierung.
Ein Widerspruch in sich sind Zertifikate nicht. Es sind ganz einfach Inhaberschuldverschreibungen und so trägt ein Investor das Emittentenrisiko, das allerdings bei richtiger Handhabung gegen NULL tendiert. Nehmen Sie in Deutschland unseren Marktführer für Zertifikate, die Deutsche Bank, die geht nicht so schnell pleite. Trotzdem sollten Sie - wie bei jedem anderen Emittenten auch ca. wöchentlich die Bonität prüfen. Achten Sie einfach darauf, ob Standard & Poor's das Rating herabstuft, nicht nur der Bank, sondern auch für die emittierten eigenen festverzinslichen Wertpapiere. Wenn Ihnen das Rating zu schlecht werden sollte, dann können Sie zur Börsenzeit Zertifikate innerhalb von 30 Sekunden verkaufen.
Wenn Sie selst sehr gut mit Wertpapieren umgehen können, dann können Sie sich de facto eine Konstruktion selbst schaffen, die einem Zertifikat wirtschaftlich entspricht und zudem billiger und noch flexibler ist; allerdings brauchen Sie dazu einen funktionsfähigen Markt mit fremden Käufern (im Gegensatz zu Zertifikaten der Deutsche Bank). Alle klassischen Zertifikate stellen eine Kombination zwischen call- oder put-Optionen mit einer Aktie oder einem Index dar. Sie können als den gedeckten Bestand selbst kombinieren, müssen natürlich den Kaufpreis der Optionen aus der zu erwartenden Dividende zum HV-Zeitpunkt vorfinanzieren. Mit guter Planung (Excel-Programm) kriegen Sie das genauso wie ich auch in den Griff. Den Index kombinieren Sie einfach mit passenden ETFs.
FdA



Sorry, in diesem Forum dürfen nur registrierte Benutzer schreiben.

Hier klicken um sich einzuloggen