Ist hier plötzlich kollektives Zertifikate Fieber ausgebrochen?

Geschrieben von Seriola am 27.01.2007 21:06:00:

Das gibt mir sehr zu denken. Schien dies doch eine der wenigen zockerfreien Wirtschaftsforen im Netz.
Seit ich hier mitlese werden Investments an den Kapitalmärkten verpöhnt und ausgerechnt zu diesem Zeitpunkt, wo viele Märkte heißgelaufen sind, zieht ihr in Erwägung auf die abgefahren Züge aufzuspringen?
Ich habe meine Investments mit Erreichen der genannten Kursziele zumindest vorrübergehend stark zurückgefahren und schaue mir das Spiel in Ruhe von der Seitenlinie an bis sich wieder eindeutige Signale und gute Chancen-/Risiken-Verhältnisse erkennen lassen, sofern sich das demnächst ergeben sollte.
Ich vermute eher, daß es in diesem Jahr unverhältnismäßig schwieriger wird an den Kapitalmärkten lohnende Renditen zu erwirtschaften und die Gangart sehr viel härter werden wird. Zumindest die Terminmärkte sprechen diesbezüglich momentan eine klare Sprache (will sagen es knistert mächtig hinter den Kulissen).
Faultiers Aussage sollte stets bedacht werden:
"Zertifikate und Aktien haben beide hohes Gewinnpotenzial unter günstigen Umständen. Sie könnten sich aber beide schnell als absolut wertlos herausstellen. Nur echte Sachwerte behalten dann ihren Wert."
Günstige Umstände sind derzeit nicht erkennbar und äußerste Skepsis ist angebracht.
Vielleicht mag uns Francisco anderes berichten (bitte inklusive Argumentation).

Zu Derivaten:
Soweit ich mich zurückerinnern kann wurden in Dland vor ca. 20 Jahren einige wenige dutzend klassische Optionsscheine gehandelt. Das waren von Unternehmens-Anleihen gelöste verbriefte Optionen. Die Auswahl war gering, diese OS jedoch zumeist real und fair bewertet, liquide und entsprechend handelbar.
In den 90'ern begann dann die große Zeit der "Covered Warrants". Die Anzahl derer wuchs und immer mehr quasi sinnloser Schrott (vor allem von den angelsächsischen Häusern) wurde fleißig emmittiert.
1995 gab es ca. 1800 verschiedene Covered Warrants.
Im Jahr 2000 waren es bereits an die 30.000 und vor einigen Jahren wurde die unvorstellbare Anzahl von 100.000 gefeiert.
In ähnlichen Ausmaßen in denen die Quantität während dieser Zeit ständig zugenommen hat, nahm die Qualität proportional ab. Es wurden immer neue Kreationen (viele unsinnig und die meisten völlig irreal) aus dem Boden gestampft.
Die nächste und bis dato letzte Stufe in diesem Taruerspiel der Gewinnoptimierung im Sinne der Banken war im Jahr 2002/2003 (dieser geschickt gewählte Zeitpunkt war kein Zufall!!!) die Kreation der für Hinz & Kunz viel einfacher verständlichen (wer will heutzutage schon noch seine Hirnkapazitäten überfordern?) Hebel-Zertifikate, mit denen es tatsächlich gelingen sollte, die Massen zun begeistern. Schließlich versprachen sie dem unbedarften Fußvolk theoretische Möglichkeiten ihre Einsätze in kürzester Zeit zu vervielfachen. Den Risiken war sich damals kaum jemand bewußt und selbst die Cracks haben sich zum größten Teil die Zähne daran ausgebissen.
Für die Banken war es ein riesiges Geschäft und die Auswirkungen auf diverse Märkte sind mM nach verheerend. Ich beobachte das zum Teil 70 Stunden/Woche und kann kaum fassen was dort abläuft. Gier frißt Hirn!
Vor allem aber Frage ich mich, wo das hinführen soll?
Eine nächst höhere Stufe ist kaum mehr vorstellbar, das Geld der letzten Anleger-Generation dürfe zum großen Teil umverteilt sein und die nächste Generation wird kaum mehr über solche Mittel verfügen.
Fazit
Wir befinden uns irgendwo in der Nähe des Endes exponential verlaufender Fahnenstangen.

Und wo wird es hinführen, wenn Market Maker mit 3-stelligen oder gar noch höheren Summen gegen die Massen der geblendeten agieren?
Beispiel:
Es gibt einen Big Boy, der Tag täglich mit kurzfristigen Geschäften (Manipulationen) Millionen abräumt. Diesem Big Boy gelingt es selbst unter wiedrigsten Umständen immer (in den letzten 300 beobachteten Fällen ohne eine einzige Ausnahme) richtig zu liegen, meistens auf den Punkt genau.
Es gibt z.B. häufige Fälle in denen Futures-Fakes inszeniert werden. D.h. im vorbörslichen US-Handel werden mit geringen Mitteln die US-Futures in die eine oder andere Richtung manipuliert. Dies schlägt sich entsprechend mehr oder weniger auf die europäischen Märkte nieder. Der Big Boy kauft derweil zum niedrigsten Kurs und verkauft nach den inszenierten Future-Fakes zum höchsten Kurs bzw umgekehrt (meist Punkt-genau!!!).
Z.B. am 08.12.06 wurde mit einem solchen Futures-Fake der Dax-Future künstlich um 35 Punkte hochgezogen um ihn anschließend ebenso schnell 85 Punkte fallen zu lassen und wiederum im Anschluß mit Eröffnung der US-Börsen 85 Punkte hochzuziehen. Dem Big Boy gelang es am absoluten Top zu verkaufen (er hatte dazu nur wenige Sekunden Zeit), weil er bestens wußte was/wie/wann geschieht.
Selbstverständlich handelte er auch den folgenden Absturz in die Gegenrichtung und den finalen Anstieg diese Tages erfolgreich punktgenau.
Diese eine Aktion hat ihm an dem Tag eine 2-stellige Millionen Summme in die Kasse gespült.
So läuft das Tag ein Tag aus, mit den 10 fachen Einsätzen, wie sie vor 10 Jahren üblich waren und einer unfaßbaren Präzision.
Nun Frage ich mich, woher kommt all das viele Geld, Tag für Tag, obwohl nichts Produktives dahinter steckt und was wird geschehen, wenn eines Tages nicht mehr ausreichend Geld zum Umverteilen vorhanden ist??? Buchgeldblase???
Kann das jemand beantworten?

Ich werde das Gefühl nicht los, das in Dland gerade geschieht, was mit dem Land der Indianer einst geschah. Das Land wird rücksichtslos von der Hochfinanz ausgeplündert bis zum bitteren Ende. Die Politik-Marionetten ebenen ihnen den Weg dazu (will A. Merkel nicht gerade den dubiosen Private Equity Unternehmungen Tür und Pforte öffnen?).



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