Re: Ist hier plötzlich kollektives Zertifikate Fieber ausgebrochen?

Geschrieben von Gastronom am 28.01.2007 18:55:00:

Hallo Seriola,
mich freuts, dass wenigstens einer wenigen Fachleute im Forum hier mal deutlich diesen Widersinn herausschält. Ich hatte bereits vor kurzem ausführlich erläutert, dass Zertifikate, d. h. Papier, und Vermögenssicherung, sich auf mittlere und sicher auf lange Sicht diametral ausschließen. Dies gilt selbstverständlich noch mehr für Optionen und Termingeschäfte.
Grundsätzlicher Rat: diesen Zeug sollte man den Profis überlassen; man kann da mit geringen Summen spielen, im Großen ist jedoch der Individual-"Anleger" definitiv der Verlierer. Die Banken-Hochhäuser sprechen hierüber ausführliche Bände, so dass es eigentlich jedem einleuchten dürfte. Dann hat man auch keinen Grund mehr, sich über dieses Segment zu beschweren, da man selber nicht betroffen ist; die können sich mit ihren Papieren im Kreis drehen bis sie schwindlig werden.
Ich kann stets nur wiederholen, sich auf hervorragend im Markt positionierte, ausreichend Liquide und im Weltmaßstab nennenswert große Aktienunternehmen zu konzentrieren. Davon gibt es im DAX einige, ein paar auch im Euro-Stoxx und FTSE, und noch ein paar schweizer und die ÖMV. Das wars aber dann. Vom Rest, vor allem amerikanischen und auch japanischen Titeln, sollte man aus verschiedenen Gründen die Finger lassen.
Noch kurz zur Funktionsweise von Optionen und Zertifikaten und wie die Emittenten davon profitieren:
1. Optionen
Es wird immer ein ganzer Bogen von Scheinen emittiert, Put und Call gleichermassen. Sagen wir vom Euro bei 1,26 bis 1,34 (Kurs 1,30). Zum inneren Wert kommt hier jeweils der Zeitwert, der bei Scheinen aus dem Geld natürlich schwerer wiegt. Sollte der Kurs in dem genannten Raster bleiben, ist dies der Nettogewinn für den Emittenten. Aufgrund der mittlerweile sehr kurzen Laufzeiten ist es nur in sehr seltenen Fällen, dass der Basiswert massiv aus dem Erwartungsfenster läuft, und der Emittent Miese schreibt. Dies kann er aber dadurch eindämmen, in dem er die Scheine, welche zu hohen inneren Wert aufbauen, vorzeitig vom Markt zurücksammelt und damit seinen Verlust begrenzt.
2. Zertifikate:
Dies kommt mir so vor wie ein Dopingmittel für die jeweiligen Aktienmärkte (ich beschränke mich hier mal drauf). Da nur eine geringe Zahl Aktien wirklich am Handel teilnehmen, kann man mit recht wenig Geld die Märkte nach oben treiben. Es handelt sich im wesentlichen nur um einen Handel hin- un her; was bei wirklichen Aufkaufaktionen passiert, sieht man bei VW, innerhalb kürzester Zeit hat man locker 1/4 und mehr einer Firma eingesammelt.
Da die Aktien zusehends zu wenig Umsatzmöglichkeiten bieten, wird der Markt ausgeweitet, um Papier. Nunmehr hat man wieder Möglichkeiten, von Privatanlegern Summen einzuheben, ohne wirkliche Substanzwerte (Aktien) liefern zu müssen.
Am Ende sind Zertifikate jedoch bei Krisen in keinster Weise gedeckt und gegenüber der Basisaktie für den Investor deutlich risikobehafteter, weshalb ich diese Papiere ablehne.
Das ganze Papierspiel ist, wie wenn in einem Gasthaus 3 Viehhändler zusammensitzen, und auf einen vierten Gast warten, um mit ihm einen scharfen Tarock zu spielen. Der Gast wird dann gleich auf einen Platz gesetzt, wo hinter ihm ein Spiegel an der Wand hängt, damit die anderen die Karten sehen. Und während des Spiels verliert immer derjenige, der mit dem Gast zusammenspielt, bis dieser sein ganzes Geld verspielt hat. Manchmal gewinnt er sogar ein wenig, aber zum Schluss ist das Ergebnis das selbe. Das sollte jeder bedenken, der sich mit diesen Themen einlässt: man hat es als Laie mit Profis zu tun, die erstens die Regeln kennen, zweitens selber bestimmen und ändern und drittens zusammenhalten.
Über die Politiker als Marionetten brauchen wir uns hier keine Gedanken zu machen. Wenn dem so ist, werden sie irgendwann ein Ende nehmen, und zwar eines mit Schrecken, und das wahrscheinlich nicht nur in Berlin, sondern bis zum letzten Parteibüro in der bäuerlichsten Provinz; Sündenböcke sind in solchen Krisensituationen immer gefragt, und diesmal wird es ihnen wahrscheinlich nicht gelingen, irgendwelche differenten ethnischen oder religiösen Gruppen als solche aufzubauen, auch wenn man es momentan mit dem Islam vielleicht massiv versucht. Deshalb würde ich mich mit diesen Kommentaren eher zurückhalten, schließlich kennen wir einfach auch zu wenig Fakten, um abschließend beurteilen zu können.
Gastronom



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