Re: Apropos CHF

Geschrieben von Gastronom am 28.01.2007 20:34:00:

Hallo Seriola,
>Nun Frage ich mich dennoch, warum hohe deutsche Staats-Beamte ihr Geld in die Schweiz schaffen und auch einige äußerst vermögende Amerikaner darauf schwören. Von letzeren bekam ich sogar zu hören, dies sei die einzig wahre Fluchtburg (v.a. auch im Kriegsfall...)?
Die Frage kann man sich sparen; das ökonomische Verständnis von deutschen Staatsbeamten der Gegenwart wird durch die Ziffern Staatsverschuldung, Arbeitslosigkeit, etc. eindeutig belegt und kann kein Gradmesser für gute oder schlechte Anlagen sein.
Die vermögenden Amerikaner machen das einzig richtige: sie diversifizieren, nehmen geringe Renditen und geringe Währungsverluste in Kauf (wobei ein Franken von 2,- einem Dollar von 1,60 entsprechen würde, und somit für die Amis alles weitgehend neutral verliefe), um dafür ein weiteres Standbein zu schaffen. Es handelt sich wie gesagt nicht um Joe Average-Sixpack, sondern um intelligente Leute, und für die ist eine Vermögensmehrung gegenüber der Liquiditätssicherung bereits in den Hintergrund getreten.
Was im Kriegsfall ist, kann heute keiner sagen. Da ist der Franken wahrscheinlich genauso wenig wie der Dollar oder gar der Euro; Bargeld in kleinen Noten, und Barren bzw. Münzen ist ein kleiner Ausweg. Da dieser Fall jedoch für alle Beteiligten, ob Täter oder Opfer noch viel mehr, sehr unangenehm wäre, müssen alle Überlegungen zur Vermögenssicherung zuerst abseits dieser Möglichkeit beurteilt werden.
Ich denke, die Schweiz sitzt in einer ähnlichen Falle wie die Japaner, es bahnt sich für mich dort eine Deflation an (die großen Konzerne wie Novartis, Roche wird dies nicht so stark treffen, da sie hauptsächlich im Ausland wirtschaften, schweizer Toyota, sozusagen), und das ist für mich auch logisch, denn es gibt keine Gründe, weshalb das z. T. um 50 - 100% überhöhte Preisniveau der Schweiz ggü. Deutschland oder anderen Ländern quer durch die Bank sich über längeren Zeitraum halten sollte. Glättungseffekte sind hier unabdingbar, und ein Sinken der Währung ist hier einer der wesentlichsten, übrigens auch wie am Beispiel GB naheliegend (hier ist derzeit der Trend allerdings noch in die andere Richtung, getrieben vom Dollar). Der Preis vergleichbarer Dienstleistungen und Produkte (z. B. Haarschnitt, Big Mac, 1 Tafel Milka-Schokolade, 1/2 l Bier im Lokal, qm-Miete) in den Städten Freiburg, Stuttgart, Basel, Luzern sowie Mailand und Turin sollte der Gradmesser sein,
a) wohin geht der Franken zum Euro
b) wie stabil und kohärent ist die Euro-Zone an sich
Hohe Preise in der Schweiz i. Ggs. zu BW ist ein Hinweis, dass der Franken weiter sinkt; hohe Preise in ITA zu BW ist ein Zeichen, dass der Euro auseinanderbricht, da die Leute in Italien diese schlicht nicht mehr bezahlen können bzw. dort die Produktivwirtschaft starkt in die Schräglage geraten ist.
Aus diesen beiden Eckwerten kann für mich eine Anlagestrategie Franken - Euro abgeleitet werden. Bei a) sinkt der Franken weiter, bei b) wird er kurzfristig zur Fluchtwährung.
Ich denke, wir sind näher an a) als an b).
Gastronom



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