Zurück einzig und allein in die „regionale Ökonomie" wollen wir aber auch nicht

Geschrieben von paideia am 09.07.2012 15:04:17:

Zurück einzig und allein in die „regionale Versorgungsökonomie" / „Solidarökonomie" wollen wir aber auch nicht, wie A. Popp es vorschlägt. Bei ihm kommt wieder nur das „Entweder-Oder" durch. Deshalb sind mir alle ideologischen Ansichten zuwider, die eine differenzierte Betrachtung völlig außer den Augen lassen.
Hier geht es dann wieder nur darum, „Massen zu gewinnen". ( Gustave le Bon) :-)
Regionalwirtschaft und freie komplementäre Währungen kann durchaus sinnvoll sein, und jeder kann sich dann entscheiden, auf welche Produkte er zurückgreift. (Nur regionale oder europäische, bzw. globale Produkte, oder beides.)
Und der Staat könnte durchaus zinslos eine gewisse Grundmenge an Geld drucken und Subventionsanreize geben für „vernünftige umweltschonende Produkte"
Das Problem wäre dann nur, ob dann nicht dieses Staatsgeld die Regionalgelder verdrängen würde im freien Wettbewerb.

Es muss beides nebeneinander existieren können. Sowohl solidarische Wirtschaftseinheiten und kapitalistische.
Es geht auch nicht darum, nun völlig „leistungsloses Einkommen" abzuschaffen, sondern darum, Gläubiger die Verluste selbst tragen zu lassen (wie in Island).
Denn Eigentum setzt auch Eigenverantwortung vorraus, und deshalb ist ein Zins gerechtfertigt, wenn der Markt bereit ist, den Zins zu bezahlen. Denn der Kreditnehmer benutzt ja fremdes Eigentum, um es zu vermehren.
Wenn ein Gläubiger bereit ist, sein Geld zu riskieren/herzugeben für eine reale Investition, (was in einer Produktionswirtschaft ebenfalls Leistung darstellen muss), dann kann er also durchaus dafür belohnt werden, falls die Investiton letztlich erfolgreich war.
Genauso wie ein Unternehmer belohnt wird, wenn er sein Eigenkapital investiert/riskiert.

Es sollte nur jeder die Chance haben für eine Vorfinnazierung, um auf dem Markt zu kommen mit einem guten Konzept. Und diese Chancen haben sich erhöht durch den Kapitalmarkt.Doch der Kapitalmarkt muss wieder seine ursprüngliche Funktion erhalten. Also kein Casino sondern ebenfalls als Intermediär zwischen Geldangebot und -nachfrage in der Realwirtschaft.

Schon folgendes Zitat zeigt, dass wir es mit keinen Ökonomen zu tun haben sondern einen Populisten:
Denken wir an die Bankensysteme, die ohne jegliche Leistung Geld aus dem Nichts herstellen dürfen und dieses gegen Zinsen verleihen, mit Pfand versteht sich.


Erst mal können Banken kein Geld aus dem Nichts zaubern und damit auf Einkaufstour gehen. Dann bräuchten sie ja kein ZB-Geld mehr.
Das kann nur die ZB durch Offenmarktgeschäfte (z. B. Ankauf von Wertpapieren).
Nur Nichtbanken (solvente Schuldner) können Giralgeld schaffen durch Kreditverträge und Verpfändung von Eigentum.
Die Nichtbanken (Kreditnehmer) verschaffen sich mit diesem Kredit Vorteile/ Vorsprünge auf dem Markt ggü den Konkurenten. Dafür sind sie bereit, einen Teil ihrer Rendite als Zins abzuführen.
Die GB wiederum muss sich bei der ZB verschulden gegen Wertpapiere.
Gibt es keine solventen Schuldner, sitzt die Bank auf einen Teil ihrer ZBGeld-Überschüsse fest (wie wir in Deutschland z. Zt. beobachten an den Termingelder/ Einlagefazilitäten bei der Buba).
Nun können die GBs Staatsanleihen kaufen, wobei der Staat dann als Ersatzschuldner auftritt, wenn die Privaten sich nicht ausreichend verschulden.

Die Bank hat ursprünglich die Aufgabe (neben anderen Aufgaben) als Intermediär zwischen Geldangebot und Nachfrage auf einem anonymen Markt, also sie ist rein reines Dienstleistungsunternehmen. Sie prüft die Solvenz des Kreditnehmers und übernimmt Haftung.
Kommen wir zur ursprünglichen Aufgabe einer Bank wieder zurück, ist an Zinsen/Bankmarge gar nichts auszusetzen und auch nicht schädlich für eine VoWi.

Des weiteren redet er in dem Beitrag indirekt von wachstumsloser Versorgunsgökonomie. Keine Ahnung, wie das in der Realität aussehen soll.
Fakt ist aber, dass selbst bei Nullwachstum eine VoWi sehr bald schrunpfen wird aufgrund der Abschreibungen des Kapitalstocks. Wachstum kommt aber auch dadurch zustande, dass Wettbewerb herrscht, und jeder versucht, Vorteile ggü den anderen zu erlangen, bzw. Marktanteil nicht zu verlieren.
Also selbst, wenn er sein vorgeschlagenes BGE finanzieren will, würde es ohne Wachstum gar nicht zu realisieren sein.

Auch in einer „Umlaufsicherung" oder „Negativzins" sehe ich keinen tiefen Sinn, weil das nur Symptome bekämpft einer vorherigeren Ausuferung, also einer Fehlallokation/„Fehlakkumulation" von Kapital verbunden mit einer zu hohen Kreditschöpfung jenseits der Realwirtschaft (also am Casino).
Ist die Kapitalakkumulation aber nicht zu hoch und besser verteilt in der Vowi, und der Zins stabil und niedrig,
braucht es mMn keine Umlaufsicherung. Wozu auch, denn Kreditnachfrage ist immer da, weil es stets Finanzierungslücken irgendwo geben MUSS in der VoWi. Dafür steht dann ein gewisses Sparvolumen
bereit.
Es wude hier im Forum auch schon des öfteren plausibel erklärt, dass es DIE Zinsakkumulation nicht gibt.
Auch hier muss differenziert werden.
Akkumulationen kommen überwiegend zustande durch Leistungsdefizite in der Realwirtschaft Also Sparen ist nicht der Anfang eines Prozesses sondern das Ende. Am Anfang stehen Investitionen, unabhängig von der Sparquote ( Heiner Flassbeck).


Gruß


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