Re: vielleicht können wir ja einige Begriffe umgehen ?

Geschrieben von M.Raptis am 11.02.2007 12:48:00:

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Vielleicht sollten einfach die Dinge in deutscher Sprache benannt werden. So ersparen wir uns die kleine Mühe, endlich eine bergriffliche Klarheit im Forum zu schaffen.

Beginnen wir mal mit dem wohl schwierigsten Begriff: Kapital.
>Brauchen wir ja nicht! Ersetzen wir ihn durch das, was wir je nach Bedarf meinen, z.B. Werte, Wertstoffe, Grundstücke, Produktionsanlagen, Vermögen, Geld, Rechte, sonstige Ansprüche usw. oder eben die gesamte Summe dessen. Man könnte also auch sagen 'gesamtgesellschaftlicher Reichtum'.

Also brauchen wir solch schlimmes wort, wie 'Geldkapital' nicht. Sagen wir einfach, was wir meinen. Bargeld, Einlagen oder Buchgeld wären verständlicher. Was ist also, wenn die Menschen Glauben, erkannt zu haben, daß die Kaufkraft ihres Bar- oder Buchgeldes sinkt? Haben wir es dann mit einer Erweiterung oder einer Verringerung der Geldmengen gegenüber den vorhandenen Warenwerten zu tun?


Hallo Faultier,
normalerweise benutze ich das Wort "Geldkapital" nicht, ich habe es nur aufgrund der Äußerung "hier sucht Kapital eindeutig Schutz vor Abwertung" benutzt, um direkt auf diesen Irrtum eingzugehen. Prinzipiell benutzte ich den Begriff "Geldguthaben", dieser bringt das, was damit gemeint ist, ganz gut zum Ausdruck. Ich könnte auch "Geldforderungen an Geschäftsbanken" oder "Zahlungsansprüche der Nichtbanken gegenüber Geschäftsbanken" oder "Sicht-, Termin-, und Spareinlagen" oder so sagen. "Geldkapital" ist aber meiner Meinung nach zur Not auch noch in Ordnung. Falsch finde ich es, wenn man von Geldguthaben spricht und einfach nur "Kapital" schreibt, denn mit dem Begriff "Kapital" kann genausogut Sachkapital etc. gemeint sein. Ich bin daher auch dafür den Begriff Kapital nicht zu verwenden. Im übrigen benutze ich den Begriff "Buchgeld" auch nicht, da kaum jemand Zentralbankguthaben von den Sicht-, Termin- und Sparguthaben unterscheidet. Das führt dann unter Umständen zu Diskussionen über "Buchgeldschöpfung der Geschäftsbanken" und ähnlichem Unsinn.
Wenn die Menschen glauben erkannt zu haben, dass die Kaufkraft ihres Bargeldes sinkt, dann passiert eigentlich garnichts. Entweder die Kaufkraft des Bargeldes sinkt tatsächlich durch die falsche Geldpolitik der Zentralbanken oder sie sinkt nicht. Die "Nichtbanken" können daran, indem sie ihr "Kaufverhalten" ändern, eigentlich kaum Einfluss nehmen (Der Geldwert ist nicht reine Vertrauenssache, sondern wird primär aufgezwungen).
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Wenn Ansprüche auf Geld abgewertet werden, so könnte dies folgendes bedeuten:
>Ausgeliehene Darlehen sind nicht mehr bedienbar und es muß nachverhandelt werden. Im günstigsten Fall wird nur die Tilgung für eine bestimmte Zeit ausgesetzt oder verringert. Ist dies schon nicht mehr möglich, so könnte zusätzlich die Zinszahlung geändert werden. Wenn dies auch nichts mehr hilft, dann muß eben die Forderung abgeschrieben werden, insbesondere dann, wenn sich im Nachhinein herausstellt, daß die eingestellten Sicherheiten wertlos sind. Nennen wir es also Abschreibung von Forderungen. Werden sehr viele Forderungen abgeschrieben, d.h. ihr ehemals hoher Preis in der entsprechenden Währung wird auf Null gesetzt, dann verringert sich tatsächlich die Geldmenge.
>Ganz schlimm wird es, wenn sehr viele Banken so viele Forderungen abschreiben müssen, daß sie nicht mehr in der Lage sind, die Guthaben ihrer Kunden auszuzahlen. Dann ist die Geldmenge gegenüber der Warenmenge ( die durchaus konstant geblieben sein könnte ) stark geschrumpft. Ich persönlich nenne das dann Deflation. Das Gegenteil, die Inflation bedeutet, daß die Geldmenge gegenüber der Warenmenge stark vergrößert wird. Dies kann spekulative Blasen, aber auch Kaufkraftverlust des Geldes zur folge haben.


Das ist an sich alles richtig, Faultier, und auch gut beschrieben. Genau so sehe ich es auch. Trotzdem würde ich auch hier den Begriff "Geldmenge" nicht verwenden, da das was "Geldmenge" (M3) genannt wird, nicht nur Geld sondern vor allem Geldguthaben umfasst und viele Leute das nicht auseinanderhalten können. Auch die Journalisten der NZZ können das nicht, wie dieses Beispiel zeigt.
Da wir das ganze Programm mit Nachverhandlung, Tilgung aussetzen und verringern usw. schon hatten und bald nichts mehr hilft, wird es "ganz schlimm" werden. Es kommt zur einer starken Verringerung der Geldguthaben (Insolvenz der Geschäftsbanken), wodurch der Wert des Geldes (Zentralbankgeld) zwangläufig steigt => Deflation.

Zusammenfassung:
>Kaufkraftverlust des Geldes und Abschreibung von Forderungen sind sehr verschiedene Dinge, auch wenn ihre Auswirkung für den Gläubiger durchaus gleichartig katastrophal ist.

Gibt es nun aber einen Zusammenhang zum Goldpreis?
>Ich vermute einen solchen. Gold ist in die Kategorie Ware einzuordnen. Wenn jetzt die Besitzer von Geld und Geldforderungen der Meinung sind, daß erst die Geldforderungen aus Darlehen nicht mehr bedienbar seien und dann die Geldguthaben ( Einlagen ) nicht mehr auszahlbar seien, dann versuchen sie die durchaus als Wertmaßstab taugliche Ware gold zu erwerben. Ist schon sehr viel Geld im Vergleich zur gesamten Warenmenge vorhanden, so sind einzelne Leute durchaus bereit, für die knappe Ware Gold etwas mehr zu zahlen. Der Goldpreis steigt. Andere kaufen zur selben Zeit Aktien, die Kurse steigen. Auch die Preise von Immobilien könnten mit etwas Verzögerung nun aus selbigen Grund steigen. Die Preise für minderwertige Güter könnten zur selben Zeit fallen, weil nämlich diejenigen, die ihre Darlehen nicht bedienen konnten, auch keine nweiteren Darlehen mehr bekommen, um minderwertiges zu kaufen.

Können wir auf diese Weise einen Konsens finden?

Ach ja, da wären noch die steigenden Preise für den Staat, für Energie und Kraftstoffe, für Stahl und Kupfer, für Ölprodukte (Kunststoffe) usw. einzuordnen. Hat jemand eine Idee? Hat das etwas mit Machtausübung und Voraussicht zu tun?

Das Faultier


Ja, auf diese Weise können wir einen Konsens finden. Prinzipiell sehe ich das genauso wie Du. Mein Vorschlag: Den Begriff "Geldmenge" und den Begriff "Kapital" vermeiden und stattdessen von Geld als Zahlungsmittel reden, Geldguthaben sind lediglich ein Anspruch auf Zahlungsmittel. Wenn Geldguthaben nicht mehr von den Banken auszahlbar sind, dann bedeutet die Entwertung der Geldguthaben nicht die Entwertung des Geldes, sondern das Gegenteil, die Aufwertung des Geldes.
MfG - M.Raptis



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