Re: Wo sind die Beweise?

Geschrieben von Gastronom am 11.02.2007 21:17:00:

Hallo Hr. Francisco,
vielen Dank erstmal für Ihre ausführliche Erläuterung der Geldschöpfung im Bankenwesen. Ich selber bin im Bankenwesen nicht geschult, weshalb mir die Detailbeispiele allein aufgrund der Begrifflichkeiten schon eine gedankliche Spitzenleistung abverlangen, damit ich Ihren Gedankengängen überhaupt folgen kann. Mir persönlich ist in der realen Wirtschaft die simple Deckungsbeitragsrechnung lieber, mit Preis mal Umsatz als Einnahme, und den wesentlichen Ausgabenposten Rohmaterial, Lohnkosten, Energie, Kapital sowie natürlich Staatsausgaben (auch wenn politisch korrekt Steuern vom Gewinn bezahlt werden und nicht als Ausgaben anzusetzen sind).
Ich möchte trotzdem versuchen, aus Ihrer Zusammenfassung Schlüsse zu ziehen:
>Zusammenfassung:
>1. Eine aktive Geldschöpfung findet statt, wenn Banken (Geschäftsbanken oder Zentral-
>bank) von Nichtbanken Aktiva erwerben, die keine inländischen Zahlungsmittel darstellen, und dafür Zahlungsmittel hergeben. Eine aktive Geldvernichtung findet statt, wenn Banken an Nichtbanken Aktiva abstoßen, die keine inländischen Zahlungsmittel darstellen, und dafür von den Nichtbanken Zahlungsmittel erhalten.
Gastronom:
Das Beispiel ist für mich vereinfacht so: eine Bank erwirbt eine neue Geschäftsstelle und gibt dafür Zahlungsmittel her. Dies wäre aktive Geldschöpfung, aber an sich jedoch aus Wertschöpfungssicht eher negativ; wesentlich besser wäre es doch, wenn die Bank ihre Geschäftsprozesse so optimieren würde, dass sie die Immobilie nicht erwerben müsste, oder? Dieses Beispiel der Eigennutzung stell eine Verkürzung dar; in der Praxis ist die Bank in der Regel nicht gleich Eigennutzer, sondern Mittelsmann. Allerdings stellt sich die Frage, ob dieses Beispiel 1 in der realen Welt in Reinform überhaupt vorkommt, oder ob die Banken vielmehr über z. B. Immobilienfonds nur in der Rolle des Kreditgebers auftreten. Die Rolle der Bank als Makler (Kauf und dann wieder Verkauf) würde mit dem Verkauf gegen Zahlungsmittel die im Erstgeschäft erfolgt Geldschöpfung wieder neutralisieren. Es bliebe am Ende des Tages ausser der Provision nur die Nettodifferenz zwischen Kaufs- und Verkaufspreis als Gewinn für die Bank.

>2. Eine passive Geldschöpfung findet statt, wenn Nichtbanken Forderungen an Banken,
>die keine inländischen Zahlungsmittel darstellen, liquidieren und dafür Zahlungsmittel erhalten. Eine passive Geldvernichtung findet statt, wenn Nichtbanken Forderungen an Banken, die keine inländischen Zahlungsmittel darstellen, von Banken erwerben und dafür Zahlungsmittel hergeben.
Gastronom:
Dies würde bedeuten, dass im Falle eines Vertrauensverlustes in das Bankwesen, wenn die Kunden massiv Bargeld von der Bank abheben, d. h. Forderungen liquidieren, eine passive Geldschöpfung betrieben würde, da sie im Gegenzug von der Bank Zahlungsmittel erhalten? Oder sehe ich hier was falsch? Wie lange hält die Bank diese passive Geldschöpfung durch? Vor allem am Beispiel 7 würde dies klar, wenn auf die Einzahlung auf das Girokonto verzichtet und alles in Noten abgehoben würde.
>3. In einem Mischgeldsystem resultiert die Geldschöpfung bzw. Geldvernichtung in einer
>Änderung des Bestandes an Giralgeld der Geschäftsbanken im Bereich der Nichtbanken.
Gastronom:
Dies ist mir zu hoch, da müsste ich mich von der Theorie deutlich tiefer einarbeiten, um diesen Satz richtig auslegen zu können. Dafür fehlt mir jedoch die Zeit, da ich meinen Beruf ausübe. Ich kann es nur so lesen: wenn z. B. Unternehmen (oder auch Konsumenten) zu Nettosparern werden, d. h. ihren Eigenkapitalanteil steigern, dann stellt dies eine Geldvernichtung dar. Umgekehrt führt eine steigende Summe an Verbindlichkeiten zu einer Geldschöpfung: Im Falle maximaler Geldschöpfung sind zum Schluss 98 % aller Teilnehmer vollkommen pleite. Im banalen Sprachgebrauch drängt sich hier die Verwandschaft zum Begriff "Blase" auf.
Dies stellt wie gesagt die Sichtweise des Laien und Nicht-Bankfachmannes dar.
Gastronom



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