Re: Gut erklärt @Francisco d-Anconia (und Forenmaster)

Geschrieben von M.Raptis - ex Diogenes am 12.02.2007 19:09:00:

>Werter Herr Raptis
>Es kommt bei der Definition zu Fractional Reserve Banking (FRB) nicht auf die unterschiedliche Risikoklasse zwischen Bargeld und Giralgeld an, sondern nur daß im Sinne von FRB beides Geld ist, nämlich M1 und Giralgeld kann nun mal von Geschäftsbanken "geschöpft" werden. Lesen Sie einfach die von mir zitierten Buchungsbeispiele aus der Uni.
>Geldmengendefinitionen
>Geldmengenklassifikationen der Deutschen Bundesbank. Die Deutsche Bundesbank definierte:
>M1: (1998: 910,2 Mrd. DM) Bargeldumlauf und Sichteinlagen (unterliegen keiner Kündigungsfrist und stehen deshalb jederzeit als Zahlungsmittel zur Verfügung);
>M2: (1998: 1302,7 Mrd. DM) M1 plus Termineinlagen bis zu 4 Jahren Fälligkeit;
>M3: (1998: 2239,8 Mrd. DM) M2 plus Spareinlagen mit gesetzlicher dreimonatiger Kündigungsfrist.

Werter Herr d-Anconia,
ich frage mich gerade, warum Sie mir jetzt die Geldmengendefinitionen der Deutschen Bundesbank zeigen. Meinen Sie etwa, dass ich die nicht kennen würde, oder was? Ich habe nicht behauptet, dass die Bundesbank nur Zentralbankgeld in der "Geldmenge" definiert. Ich kritisiere die Definition der Deutschen Bundesbank, weil sie ungenau, missverständlich und sogar sachlich falsch ist. Sie können die Definition der herrschenden Meinung noch zigmal reinkopieren, das ist dasselbe als würde jemand, der ausgerechnet hat, dass 2+2=5 ist, mir immer wieder die Rechnung verlinken. Die wirkliche Geldmenge, die auch nur Geld enthält, wird zum Beispiel von der Schweizer Nationalbank (SNB) auf ihrer Internetseite so beschrieben:
"Die Geldmenge M0 umfasst das von der Zentralbank geschaffene Geld. Sie wird in der Schweiz Notenbankgeldmenge genannt und besteht aus dem Notenumlauf sowie den Giroguthaben der Banken bei der Nationalbank. Die Geldmenge M0 wird manchmal auch als monetäre Basis bezeichnet. Auf die Geldmenge M0 hat die Nationalbank einen direkten Einfluss." (Quelle)
Ich habe bereits aufgezeigt, warum diese Definition meiner Meinung nach die einzig korrekte ist. Man kann nicht einfach Geld (Zahlungsmittel) und Geldforderungen (Anspruch auf Zahlungsmittel) zusammenwerfen, das führt sonst zu fehlerhaften Schlußfolgerungen wie zum Beispiel diese:
1. die Zentralbank wegen "Geldschwemme" verantwortlich zu machen und deshalb Goldgeld wieder einzuführen
2. die Geschäftsbanken wegen "Geldschwemme" verantwortlich zu machen und deshalb alle Banken zu verstaatlichen
3. die Geschäftsbanken wegen "Geldschwemme" verantwortlich zu machen und deshalb die Einführung von "Vollgeld" zu fordern (Mindestreserve auf 100% raufsetzen),
4. usw.
Diese völlig schwachsinnigen Forderungen werden von "studierten Ökonomen" erhoben. Alle diese Fehler wären vermeidbar, wenn man Zentralbankgeld als Geldmenge M0 definiert und Geldforderungen z.B. als "Geldguthabenmenge" oder "Kreditmenge" definiert. Man könnte auch Geld und Sichtguthaben statistisch als "Statistik für Geld für Sichtguthaben" abgekürzt M1 definieren. Das wäre präzise, unmissverständlich und sachlich korrekt. Da das allerdings bisher nicht der Fall ist, muss man den Unsinn der "Wirtschaftsexperten" immer wieder korrigieren.
Das heißt:
1. Mit Goldgeld würde sich an der exponentiellen Anwachsen der "Goldgeldmenge" (Goldgeld und Goldgeldforderungen) gar nichts ändern. Es wäre genauso instabil wie das heutige System. Goldgeld ist absolut ungeeignet eine "Geldschwemme" zu verhindern. Die Zentralbanken sind nicht verantwortlich für irgendeine Geldschwemme, die Zentralbanken haben, wie die Schweizer Notenbank in ihrer Definition von M0 auch völlig richtig sagt, nur direkten Einfluß auf das Zentralbankgeld. Sie können nur M0 schöpfen und vernichten, sonst nichts! Um es auch für die "studierten Ökonomen und Verschwörungstheoretiker" nochmals zu sagen: Zentralbanken schöpfen kein M3, auch die FED nicht. Die Geschäftsbanken gewähren Kredite lautend auf Zentralbankgeld. Die "Kreditmenge" wächst durch den Exponentialeffekt des Zinseszinses. Die ausuferenden Schulden/Guthaben sind also die wahre "Geldschwemme". Geldschwemme heißt in Wirklichkeit Überschuldung!!!
2. Es wurde schon des öfteren gefordert die Geschäftsbanken zu verstaatlichen um die "Geldschöpfung der Geschäftsbanken" zu verhindern. Auch verstaatlichte Geschäftsbanken müssten aber Kredite vergeben. Es hätte keinen Einfluss auf die sog. "Geldmenge". FRB ist einfach nur effizientes ausnutzen von Geldeinlagen für die Kreditgewährung und völlig in Ordnung. Genauso ist ein Mindestreserve von 0 Prozent völlig in Ordnung, wie das in der Schweiz und in Großbritannien ja schon üblich ist.
3. Auch die Vollgeldforderung ist Unfug. Auch wenn die Geschäftsbanken die Sichtguthaben nicht weiterverleihen dürften, wäre das System instabil, da wie gesagt aufgrund des Zinseszinseffektes die Guthaben/Schulden trotzdem ausufern würden. Darüber würden die Ökonomen sich dann wundern. Sie würden sehen, dass sie die von ihr so definierte "Geldmenge" sich alle paar Jahre verdoppelt und das ganze wie von Zauberhand ohne Fractional Reserve Banking. Whow! Fazit: Vollgeld verhindert garnix!
Ich könnte das noch ausführlicher machen, da habe ich aber gerade keine Lust zu.
Ich trenne eben Geld von Geldforderungen genauso wie ich Autos von Autoforderungen trenne. Ich würde zum Beispiel niemals auf die Idee kommen zum Beispiel einer Firma, die Autos vermietet, vorzuwerfen, sie würde durch die Vermietung von Autos neue Autos schaffen, weil sie ja jetzt auch Forderungen auf Rückgabe von Autos hat. Genausowenig würde ich aus Autos und Forderungen auf Rückgabe von Autos eine "Automenge" definieren. :-)



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