Spekulation zu Ende: lernen beim Scheitern - der harte Weg

Geschrieben von Faultier am 16.02.2007 13:51:00:

Edi:

Überschätzt wird hingegen oftmals das Internet von Menschen die sich selbst damit auskennen. Ein reiner Internet-Regio wäre aufgrund der nötigen Sicherheitsmaßnahmen für die Mehrheit im Alltag deutlich umständlicher zu nutzen als Bar-Regiogutscheine.

Oldy:

Das ist auch meine Meinung und deshalb stelle ich immer die Bedeutung des Bargeldes in den Vordergrund. Es wird schwer genug sein, das einzuführen bevor das andere Geld verschwunden ist.

Faultier:

Aber andererseits hast Du auch immer gesagt, daß das Freigeld da sein muß, bevor die gesetzlichen Zahlungsmittel crashen.

Oldy:

Das stimmt, aber ich betone auch immer, daß das die Einführung erschwert und man alles mögliche versuchen muß, um es trotzdem zu tun - und in vielen Initiativen wird es auch getan.

Faultier:

Für mein bescheidenes Leben gilt folgende Regel: alles hat mindestens zwei Gründe, jede Entscheidung wird durch mindestens zwei Größen bestimmt, die eine macht es notwendig und die andere macht es möglich. Beim Freigeld könnte ich noch geneigt sein, Dir eine Notwendigkeit glauben zu wollen, dann fehlt aber die Möglichkeit. Bildlich ausgedrückt: Ein Auto ist festgefahren. Einer schiebt hinten mit aller Kraft, aber so lange niemand vorne zieht, wird es nichts.

Oldy:

Wir haben derzeit noch nicht so eine miese wirtschaftliche Situation als Schwanenkirchen und Wörgl hatten.

Faultier:

Also ist die Lage in Grand Forks auch noch ganz erträglich?

Oldy:

Eigentlich nicht mehr. Zmindestens nicht mehr für die Gewerbetreibenden, aber die Pensionisten hier,so wie ich einer bin, leben schon noch recht gut und meistens in schuldenfreien Häusern und das soziale Netz ist auch noch intakt. Nur gibt es eben keine lokalen Wirtschaftskreisläufe mehr, die man mit Gogos wiederbeleben könnte. Die Gelegenheit dazu habe ich verpaßt, aber ich bin froh, daß ich es noch versucht habe, denn dadurch habe ich viel gelernt und kann daher anderen helfen.

Faultier:

Also etwa so, wie in Ostdeutschland: Die Bevölkerung besteht aus Rentnern, Staatsangestellten und Stützeempfängern aller Art. Die leben noch erträglich gut. Alle anderen sollten woanders hin gehen, wenn sie unzufrieden sind :)

Oldy:

Die Banken sind somit nicht die entscheidende Kraft sondern sekundär.

Faultier:

Also spekuliere ich mal wieder was zusammen: Wenn weder die Infrastruktur der Großbanken noch das Internet für die neue Super-Verbreitungsidee maßgeblich sind, dann kann es ja nur noch die Vorbildwirkung erfolgreicher Freigeldinitiativen sein. Die wird in Windeseile durch die Medien ( auch Internet ) um die Welt getragen, taggleich in jeden Winkel.

Somit ist zu folgern: Ihr werdet Super - Erfolge einiger Initiativen organisieren. Der Erfolg wird so überzeugend sein, daß weltweit Gewerbetreibende, Banker und auch Regionalverwaltungen die Freigeldidee schnellstens kopieren wollen. Die technischen Anleitungen dafür haltet ihr in allen Sprachen im Internet bereit.

Nun meine kleinen Bedenkerlä:
1.) Um den Erfolg einiger Beispielregios zu organisieren braucht man ein professionel arbeitendes Team und das gibt es derzeit nicht bei den Freigeldfreunden. Niemand kann das einfach so aus dem Boden stampfen. Man könnte es kaufen. Es kostet aber einiges. Müßt Ihr halt Geld sammeln! Glaube nicht, daß da jemals genug zusammenkommt.
2.) Ist der Erfolg da, so muß er schnell für die Medien aufbereitet werden. Die Medien müssen die Nachricht schnell und vor allem wirksam ( überzeugend ) präsentieren. Auch das bedarf der Arbeit von Profis.
3.) Die Beispielwirkung muß so schnell sein, daß bereits weltweit genügend funktionierende Freigeldinitiativen am Laufen sind, bevor sich bei den Startinitiativen die ersten Probleme einstellen.

Oldy:

Teils, teils, Probleme zeigen sich sehr schnell und es ist besser, wenn sie schon im Vorfeld erkannt und behoben werden, selbst wenn einige Experimente daran scheitern. Mein Scheitern in Grand Forks hat mir geholfen, manche Probleme zu erkennen und Abhilfe dafür zu finden und jede neue Initiative lernt aus den Fehlern der vorhergehenden und kann sie vermeiden. Wenn wir nach deinem Vorschlag handeln würden, machen womöglich alle Initiativen denselben, noch nicht erkannten, Fehler und bleiben erfolglos, wie viele der existierenden Experimente erfolglos und wirtschaftlich bedeutungslos bleiben.
Wir sind noch nicht ganz so weit ein deppensicheres Programm für alle zu haben, aber wir kommen immer näher. Darum habe ich ja schon intern den nächsten Schritt, der deinen Vorstellungen sehr nahe kommt.

Faultier:

Also keine wundersame Erleuchtung, sondern weiter der mühsame und qualvolle Weg der Erkenntnis beim Scheitern. Das ist ja eine nette Aussicht für all die, die sich da in den Freigeldinitiativen engagieren. Scheitern bedeutet nämlich vergeudete Freizeit und zusätzlicher Streß. Streß haben die Leute doch schon genug mit dem Arbeitsplatz, dem Amt, der Bank und den Handys der lieben Kinder.
Es hat aber auch etwas Gutes. Die Opportunisten, Urlauber und Berufssöhne können sich in ruhe anschauen, welche Fehler man vermeiden sollte. Ich weiß das sogar vorher schon.

Das Faultier



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