Daumenschrauben

Geschrieben von blue_bear am 16.02.2007 15:44:00:


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ABP schrieb:
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>Wann lässt sich nicht genau voraussagen, das ist klar. Aber geschieht es vor 2015 oder danach?
>>Wann jemand stirbt, weiß derjenige auch nicht, aber er kann davon ausgehen, dass es spätestens 105 Jahre nach seinem Geburtstag sein wird.
>>Ich schätze 2017 kommt der Crash und damit ein erneuter Rübenwinter zum 100 jährigen "Jubiläum"


>
>Was bedeutet für euch "Crash"?
>Wie sieht der Beginn und das Ende eines Ereignisses "Crash" aus?
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blue-bear:

Hallo ABP,
genauso, wie keiner einen genauen Zeitpunkt nennen kann, wird jemand genau den
Ablauf eines Crashes beschreiben können.
Es gibt Leute, die versuchen es trotzdem.
Wahrscheinlich kannst du für 8,00Euro zzgl. Anfahrt und Parkgebühren im tiefen Süden der Republik eine Meinung bei o.g. Vortrag darüber hören, wie schlimm es
werden könnte ....
Nun, wie ich schon vor einigen Tagen geschrieben habe, steckt doch die
Diskussion hier bereits in folgendem Dilemma:
1) Benutzt jemand nicht das Wort Crash für eine Prognose die weiter als
fünf Jahre nach vorne schaut, wird der Beitrag schon fast als uninteressant,
teilweise bereits als "blauäugig", "lebensfern" o.ä. abgetan.
2) Wenn man das Wort Crash jedoch benutzt, versteht jeder etwas anderes
darunter, da auch einfach keine sinnvolle Quantifizierung mehr möglich ist.
Meine Meinung, die ich ja auch schon immer wieder angedeutet habe:
a) Der sog. "Immobiliencrash" (auf den hier viele warten), hat bereits vor
ca. 4 Jahren stattgefunden. Es war halt kein richtiger Crash, sondern
eine Bereinigung.
b) Der Aktiencrash, oder in dem Fall sein enger Verwandter: der Salamicrash
hat auch zwischen 2001 und 2003 für jedermann (nachträglich) sichtbar
stattgefunden.
c) Kritisch ist der hohe Schuldenstand, auf dem hier ja auch stets rumgeritten
wird. Dieser ist aber auch von der Politik schon vor einigen Jahren erkannt
worden und rückt stetig weiter ins Bewußtsein bzw. dient als Argument für
die sog. "Reformen".
Diese "Reformen" werden weitergeführt, wobei die Konsequenz in den kommenden
Jahren sicher wieder stärker nachlassen wird, da
1. Die Wirtschaft wieder einigermaßen läuft und
2. Die Wahlkämpfe näher rücken.
Läßt man diese kurzfristigen Schwankungen jedoch einmal außen vor, so bleibt
festzuhalten, dass auch in Zukunft die Arbeitnehmer sowie die
Arbeitslosen (sicherlich auch viele Selbständige und Unternehmer) in der
weitaus größten Zahl stets weniger an verfügbarem Einkommen haben werden, sei
es direkt durch die Lohnabschlüsse (z.B. unter Inflationsrate), durch Erhöhung
der Abgaben, Steuern oder andere staatlich verordnete Verpflichtungen
(Wärmedäummung an Häusern, späterer Renteneintritt, längere Arbeitszeiten,
geringere Versicherungsleistungen etc.) oder durch Entgelte an private
Oligopolstrukturen (Strom, Wasser, Kraftstoffe, etc.).
Die Freiheit des einzelnen wird durch derartige Beschränkungen immer weiter
eingeschränkt, sodass die frei verfügbare Zeit - und dies ist wahrscheinlich
das einzig echte Vermögen - immer geringer wird.

Eine langsame Verarmung immer breiterer Bevölkerungsanteile ist die für meine
Begriffe bei weitem wahrscheinlichste Variante. Kleinere Erschütterungen
in einzelnen Segmenten (wie unter den Punkten a und b oben beschrieben) können
zwar auch immer wieder vorkommen, jedoch werden sie die Bevölkerung noch einige
lange Jahre nicht dazu veranlassen, sich entscheidend zu organisieren.
Für diese Variante spricht auch die Gemengelage der stärksten Kräfte.
Diese werden dem System so weitgehend ungestört eine Mindestrendite entziehen
können.
Die erfordliche Schwankungsbreite für zeitweise auch größere Gewinne
ergibt sich, wenn mal die eine mal die andere politische Kraft ein paar
Stimmen mehr erhält und meint, den Stein des Weisen gefunden zu haben.
Alles in Allem aber weitgehend stabile, gut geschmierte Verhältnisse,
während die Eingewöhnungszeit nach jeder Umdrehung der Daumenschrauben
für die Bevölkerung lang genug bemessen ist.
Nun, worum man kämpfen kann und vermehrt Gegenstand der Diskussion
sein sollte, ist m.E. nicht, wie man mit Hilfe eines völlig anderen
Systems den geldsaugenden Kräften noch weitere Möglichkeiten eröffnet,
sondern Wege für sich und sein näheres Umfeld zu finden, sich schnell
an Veränderungen anzupassen und diese für sich nutzbar zu machen. Hier
könnten Chancen liegen, um selbst nicht zu den Verlierern zu gehören.
Der positive Nebeneffekt wird dann in einem tatsächlichen Crashfall sein,
dass man durch die vorab erworbenen Erfahrungen und Beziehungen wesentlich
besser gerüstet ist.
Bis 2017 will ich noch nicht gucken, aber in den nächsten 4 Jahren
wird aus meiner heutigen Sicht nichts passieren, das dem Namen "Weltweiter
Crash" gerecht wird, selbst wenn mal die Börsenindizes in Kurzer Zeit 30% verlieren sollten.
Soweit meine bescheidene Sicht der Dinge.
Viele Grüße,
blue-bear



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