Was ist Geld? Versuch einer Definition.

Geschrieben von M.Raptis am 18.02.2007 02:26:00:

Hallo Leute,
weil es hier anscheinend verschiedene Ansichten darüber gibt, was unter dem Begriff "Geld" zu verstehen ist, möchte ich einmal meine Meinung dazu darstellen. Sie stimmt genau mit dem überein, was hier im Forum auch schon DaWool geäußert hat. Er schrieb in diesem Beitrag: "Geld ist nur Zentralbankgeld und das sind Bargeld und Zentralbankguthaben. Weiter nichts." Dies entspricht genau meiner Meinung.
Wollen wir uns also dem Geldbegriff einmal annähern. Zunächst einmal kommt das Wort "Geld" aus dem Althochdeutschen. Damals hieß "Geld" noch "Gelt" und bedeutete "Zahlung" oder "Vergütung". Damit sind wir schon beim zentralen Begriff angekommen, was das Geld so einmalig macht, es ist Zahlungsmittel. Man könnte auch sagen, Geld ist das, was als Zahlungsmittel "gilt" bzw. "gültig" ist.
Aber was bedeutet es zu "bezahlen"? Zu bezahlen bedeutet nichts anderes als seine Schulden zu tilgen. Wir können das ganz gut im Schuldrecht sehen. Bei allen möglichen Verträgen verpflichtet sich eine Vertragspartei dazu eine geschuldete Leistung zu "zahlen" und zwar in der Regel mit dem Zahlungsmittel, welches gesetzlich gilt. So heißt es beispielsweise bei Kaufverträgen (§ 433 II BGB):
"Der Käufer ist verpflichtet, dem Verkäufer den vereinbarten Kaufpreis zu zahlen und die gekaufte Sache abzunehmen."
Bei schuldrechtlichen Verträgen wird Geld als Zahlungsmittel, das heißt als Schuldentilgungsmittel eingesetzt. Wenn man sich unser System so anschaut, wird Geld meiner Einschätzung nach zu ca. 99,999999 % als Schuldentilgungsmittel eingesetzt, das heißt um vertragliche Schuldverpflichtungen zu erfüllen. Deswegen ist Geld weniger als sog. "Tauschmittel" zu verstehen, wie es manche Regiogeld-Freiwirte gerne tun, sondern als Zahlungsmittel.
Genauso deutlich wird dies im Verhältnis des Bürgers zum Staat. Zwischen dem Bürger und dem Staat besteht ein gesetzliches Schuldverhältnis, nämlich das der Steuerzahlung. Der Bürger schuldet dem Staat permanent Steuern und diese Schuld muss er mit Schuldentilgungsmittel Geld (in Euro) zahlen.
Ob Geld auch Wertaufbewahrungsmittel ist, ist für die Erörterung dessen, was Geld ist unerheblich, denn das macht Geld noch nicht einmalig und damit von allen anderen Gütern eindeutig unterscheidbar. Das einmalige an Geld ist weder die Tausch- noch die Wertaufbewahrungsfunktion. Das einmalige an Geld ist, dass es gesetzlich als Schuldentilgungsmittel gilt. Geld steht einerseits unter Annahmezwang (ein Verkäufer muss das gesetzliche Zahlungsmittel akzeptieren) und unter Abgabezwang (der Steuerzahler muss seine Steuern in Euro zahlen).
Jetzt haben wir das einmalige Charakteristikum des Geldes festgestellt. Nun kommen wir dazu, das Geld von dem abzugrenzen, was manchmal auch als Geld bezeichnet wird, aber keines ist, nämlich den Geldforderungen. Es soll also im Folgenden Bargeld zuerst einmal von dem unterschieden werden, was die "Nichtbanken" bei den Banken auf dem Konto als Guthaben ihr Eigen nennen. Anschließend versuche ich noch klarzulegen, warum nicht nur Bargeld, sondern auch Zentralbankguthaben Geld ist.
Die Tatsache, dass Bargeld wirkliches Geld ist, braucht nicht näher erläutert zu werden, darüber sind sich alle den Begriff "Geld" definierenden Menschen einig. Wie sieht es nun mit den Sicht-, Termin- und Spareinlagen bei der Bank aus? Wie wir oben bereits festgestellt haben, ist Geld in erster Hinsicht Schuldentilgungsmittel (gesetzliches Zahlungsmittel). Die Frage lautet nun: Kann man mit Sicht-, Termin- und Spareinlagen bezahlen? Dazu gilt es zunächst einmal festzustellen, was diese Einlagen eigentlich sind. Aus Sicht der Geschäftsbanken sind sie eine Verbindlichkeit auf Bargeld gegenüber den Nichtbanken, aus Sicht der Nichtbanken sind sie eine Forderung auf Bargeld gegenüber der Geschäftsbank1. Die Banken wären aber nicht sonderlich schlau, wenn sie sich einfach so zum Schuldner der Geldanleger machen würden und an diesen Zinsen zahlen müssten. Sie geben die Schulden daher an einen Kreditnehmer weiter und verdienen an den Kreditzinsen. Folgende einfache Veranschaulichung dazu:
Es wohnen auf einer Insel 3 Menschen, der Herr A(nleger), die Frau B(ank) und der Herr C(reditnehmer). In der Ausgangssituation hat der
A 5,- Euro, die B 0,- Euro und der C 0,- Euro.
Geld insgesamt: 5,-
Geldforderungen/schulden: 0,-
Anders wäre es wenn:
A die 5,- Euro an die B gibt und B sie an den C verleiht.
Geld insgesamt: 5,-
Geldforderungen: 10,- (A an B 5,- Euro und B an C 5,- Euro)
Geldschulden: 10,- (C an B 5,- Euro und B an A 5,- Euro)
Theoretisch könnte der C die geliehenen 5,- Euro wieder A weiterverleihen, der A anschließend an den B usw. Das entscheidende ist folgendes: Durch jeden Leihvertrag erhöht sich der Betrag an Geldforderungen/Geldschulden, nicht aber Geldbetrag selbst. Um die Geldschulden zu tilgen, stehen immer nur 5,- Euro zur Verfügung. Damit also wieder alles in die Ausgangssituation kommt, muss C die 5,- Euro an B zurückgeben, damit B sie an den A zurückgibt. Die Kreditrückzahlung konnte nur mit dem Schuldentilgungsmittel Geld erfolgen und nicht mit einer Geldforderung.
Mit Sicht-, Termin- und Spareinlagen kann man keine Schulden tilgen, denn sie sind Geldforderungen. Das einzige was man damit machen kann ist die Schulden gegeneinander aufzurechnen. Das heißt an einem Beispiel verdeutlicht:
Bank A soll an Bank B 200,- Euro überweisen (zahlen), Bank B hat aber noch 200,- Euro Schulden bei Bank A. Deshalb einigen sie sich darauf, dass kein Zahlungsmittel von Bank A zu Bank B fließen soll. Bank A erlässt der Bank B die 200,- Euro Schulden und Bank B tut dasselbe gegenüber Bank A. Folge: Die Zahlung entfällt!
Banken zahlen untereinander nicht mit Geldforderungen, sie rechnen wenn möglich die Geldforderungen gegeneinander auf, weshalb es zu keiner Schuldentilgung mithilfe des Geldes kommt.
Was aber ist, wenn Bank A 200,- Euro an Bank B überweisen soll, Bank B aber keine 200,- Euro Schulden bei Bank A hat? Dann muss Bank A bezahlen und zwar mit Zentralbankgeld! Es gibt heute einfachere Wege der Bezahlung zwischen den Banken, als Geldtransporter hin und her fahren zu lassen. Heutzutage macht man das mit Zentralbankguthaben. Zentralbankguthaben sind im Gegensatz zu Sichteinlagen das "wahre Giralgeld", weil man mit Zentralbankguthaben überall bezahlen kann. Jede Geschäftsbank nimmt das Zentralbankguthaben, das eine andere Bank ihr überweisen will an. So schreibt beispielsweise die Bundesbank in ihr Glossar zum Begriff "Bankenliquidität":
"Das Bankensystem als Ganzes kann aber nicht mit Forderungen der Banken untereinander bezahlen, sondern nur mit Zentralbankgeld. Zur gesamtwirtschaftlichen Liquiditätsausstattung der Kreditinstitute gehören daher lediglich ihre aktuellen Bestände an Zentralbankguthaben und Kassenmitteln (Bargeld)." (Quelle)
Wir sehen also, dass man mit Bargeld bezahlen kann und Zentralbankguthaben auch, mit Geldforderungen (Geldeinlagen) bei den Geschäftsbanken kann man hingegen nicht bezahlen, man kann lediglich eine Zahlung mittels Aufrechnung vermeiden.
Damit steht fest: Zentralbankgeld ist das einzige wirkliche Geld, alles andere ist kein Geld, es ist höchstens eine Forderung die auf Geld lautet.
Das ist also meine Meinung zum Thema "Definition des Begriffs Geld". Ich hoffe, ich habe das einleuchtend näher bringen können.
MfG - M.Raptis
1 Dass auch Bank A ein Konto bei Bank B haben kann und umgekehrt, lassen wir mal der Einfachheit halber weg)



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