Re: Was ist Geld? Versuch einer Definition.

Geschrieben von Hardy, der Student am 18.02.2007 09:12:00:

Moin M.Raptis!
>weil es hier anscheinend verschiedene Ansichten darüber gibt, was unter dem Begriff "Geld" zu verstehen ist, möchte ich einmal meine Meinung dazu darstellen. Sie stimmt genau mit dem überein, was hier im Forum auch schon DaWool geäußert hat. Er schrieb in diesem Beitrag: "Geld ist nur Zentralbankgeld und das sind Bargeld und Zentralbankguthaben. Weiter nichts." Dies entspricht genau meiner Meinung.
Siehst Du wirklich nicht den logischen Widerspruch?
Zentralbankguthaben! Es ist ein Guthaben, das der Guthabenhalter fällig stellen kann. Das Guthaben lautet auf Geld! Bargeld. GZ. (Ok, hier lauert noch die kleine Klippe Münzen und Noten.)
Wenn Du mir Geld schuldig bist, dann kannst Du mir kein Zentralbankguthaben andrehen. Wie denn? :)
Bei den Begriffen ist etwas ähnliches passiert, wie beim Gold. Gold ist Gold, oder? Wer wissen möchte, was Gold ist, der schaue ins Periodensystem der Elemente, dort kann er nachlesen, was Gold ist. Von Naturwissenschaftlern definiert. GZ = Geld ist von der Herrschaft definiert, wie es definiert ist, kann man ebenfalls nachlesen (incl. der Besonderheiten der Münzen).
Wem es Spaß macht, der kann natürlich auch alles Umdefinieren. ;)
Zurück zum Gold. 333er-Gold ist natürlich kein Gold. Es handelt sich um eine Legierung, die Gold enthält.
Mit der Sprache ist das nun so eine Sache, wenn man immer völlig exact sprechen wollte, dann ist das furchtbar umständlich. Sprachlich mutieren nun auch Goldlegierungen zu Gold (teilweise je nach Goldanteil, es ist eben verflixt schwierig mit der Sprache).
Was passiert nun mit dem "wahren" Gold, dem Gold "schlechthin"? Man fügt plötzlich einen Zusatz hinzu und spricht vom "reinen" oder "echten" Gold. Kann man alles machen.
Kaum hat man festgestellt, daß da ja noch allerhand "existiert", was so ähnlich ist wie Geld, fügt man einfach dem "eigentlichen" Geld einen Zusatz hinzu, ein "Bar", so wird aus Geld plötzlich das Bargeld.
Richtiger wäre es hingegen, allem, was ähnlich wie Geld ist, einen Zusatz zu spendieren. Macht man ja auch:
- Giralgeld
- Buchgeld
- Zentralbankgeld (hier werden ja zwei verschiedene "Dinge" zusammengefaßt)
usw.
Kann man alles machen. Aber Geld bleibt Geld, genauso, wie Gold Gold bleibt.
Und Forderungen, lautend auf Geld, die sind nun mal nicht das Geld selbst.
Auch dann nicht, wenn die Forderung gegen eine ZB gerichtet ist. Auch dann bleibt es nur eine Forderung, lautend auf Geld.

>Damit sind wir schon beim zentralen Begriff angekommen, was das Geld so einmalig macht, es ist Zahlungsmittel.
Eine Forderung definiert das entsprechende Zahlungsmittel, die Forderung lautet nämlich genau darauf. Sonst könnte man die Forderung ja nicht erfüllen, man muß schließlich wissen, um was es geht. Das besondere am Geld ist nicht, daß es Zahlungsmittel ist; Zahlungsmittel kann alles mögliche sein, ja, selbstverständlich könne auch Gogos Zahlungsmittel sein, nämlich dann, wenn es Forderungen, lautend auf Gogos gibt.
Geld ist das, was der Herr, der Staat, die Macht als Zwangsabgabe verlangt.
Das ist das besondere am Geld, deshalb ist es ein besonderes Zahlungsmittel. Was glaubst Du wohl, warum in der Schweiz die Franken Geld sind, und gleich hinter der Grenze zu Deutschland die Euro Geld sind und in England dann plötzlich das Pfund Geld ist? Welche Forderungen könnten das wohl sein, die so etwas merkwürdiges bewirken? Macht man das, weil das so praktisch ist?
Wieso benutzen die Bayern Euro, wo doch die Schweitzer wohl der Meinung sind, daß die Franken so praktisch sind? Oder umgekehrt?
(Damit der Beitrag nicht zu lang wird, gehe ich auf einiges nicht ein, wenn gewünscht, gerne in weiteren Beiträgen.)

>Damit steht fest: Zentralbankgeld ist das einzige wirkliche Geld, alles andere ist kein Geld, es ist höchstens eine Forderung die auf Geld lautet.
Ja, Herrschaftszeiten noch einmal, Zentralbankguthaben (die doch zum Zentralbankgeld gehören) sind doch genau Forderungen, die auf Geld lauten.
Angestellte bei der Schweizer Nationalbank (SNB) können ein Konto bei der SNB eröffnen. Ham se nu watt druff uff'm Konto, dann haben sie ein Zentralbankguthaben. Angenommen, Du hast eine Franken-Forderung an solch eine Person, wie soll diese Person sich denn nun mit ihrer schönen Forderung, die sie an die SNB hat, bei Dir entschulden? Wie soll denn das gehen?
Nee, der Angestellte der SNB muß schön seine Forderung bei der SNB fälllig stellen, dann erhält er Geld (zahlungsfähig wird die SNB ja wohl sein *smile*), und dann kann der Angestellte sich mit dem Geld bei Dir entschulden, er kann seine Schulden zahlen.

>Das ist also meine Meinung zum Thema "Definition des Begriffs Geld". Ich hoffe, ich habe das einleuchtend näher bringen können.
Licht aus, Spot an: Evtl. siehst Du es jetzt doch etwas anders. ;)

Lieben Gruß
Hardy



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