Re: Was ist Geld? Versuch einer Definition.

Geschrieben von M.Raptis am 18.02.2007 12:24:00:

>Moin M.Raptis!
Moin Hardy!
>>M.Raptis: weil es hier anscheinend verschiedene Ansichten darüber gibt, was unter dem Begriff "Geld" zu verstehen ist, möchte ich einmal meine Meinung dazu darstellen. Sie stimmt genau mit dem überein, was hier im Forum auch schon DaWool geäußert hat. Er schrieb in diesem Beitrag: "Geld ist nur Zentralbankgeld und das sind Bargeld und Zentralbankguthaben. Weiter nichts." Dies entspricht genau meiner Meinung.
>Hardy: Siehst Du wirklich nicht den logischen Widerspruch?
>Zentralbankguthaben! Es ist ein Guthaben, das der Guthabenhalter fällig stellen kann. Das Guthaben lautet auf Geld! Bargeld. GZ. (Ok, hier lauert noch die kleine Klippe Münzen und Noten.)
Ich habe diesen "Widerspruch" schon gesehen, er ist für mich aber keiner. Ich frage mich wie du auf die Schlußfolgerung gekommen bist, dass nur Bargeld Geld ist. Du scheinst es einfach vorauszusetzen. Ich glaube aber ich weiß, was du meinst. Du bist der Ansicht, dass Geldforderungen immer immateriell sind und auf materielles Geld lauten. Ich habe es schon geschrieben und begründet warum auch ZB-Guthaben Geld ist (ja, Geld gibt es auch immateriell). Ich habe schon geschrieben, dass das einmalige Charakteristikum des Geldes seine Funktion als Schuldentilgungsmittel ist (daher auch die Wortherkunft ahd. "Gelt"). Es kommt nicht darauf an, dass man Geld in Form einer Münze oder eines Scheins in den Händen halten muss, entscheidend ist seine Schuldentilgungsmittelfunktion. Mit Zentralbankguthaben kann man Schulden tilgen. ZB-Guthaben fließt von Bank A zu Bank B, von dort zu Bank C usw. als Zahlungsmittel. Ich habe dazu schon im vorherigen Beitrag ein einfaches Beispiel angeführt (200,- Bsp.). Es ist den Geschäftsbanken beinahe völlig schnuppe, ob sie Geld nun in Bargeldform per Geldtransporter untereinander transferieren oder in Guthabenform, es fließt von A nach B als Entgelt. Damit sind sie untereinander quit. So schreibt zum Beispiel die Bundesbank zum bargeldlosen Zahlungsverkehr (TARGET): "TARGET gewährleistet taggleiche Finalität. Eine TARGET-Zahlung ist endgültig, sobald der Betrag gutgeschrieben wurde. Bei dem Geldeingang handelt es sich um Zentralbankgeld." (Quelle)
Deswegen habe ich auch geschrieben, dass ZB-Guthaben das "wahre Giralgeld" sind. Es ist "giral" (=umlaufend) und zur Schuldentilgung "geltend". Sichtguthaben dagegen laufen nicht um (sie werden aufgerechnet) und sind auch kein Schuldentilgungsmittel, sondern eine Forderung darauf.
>Hardy: Wenn Du mir Geld schuldig bist, dann kannst Du mir kein Zentralbankguthaben andrehen. Wie denn? :)
Das ist klar. Überhaupt gar keine Nichtbank kann sich gegenseitig ZB-Guthaben andrehen, das können nur die Banken (allerdings meistens im Auftrag der Nichtbanken). Die Frage ist, wie denn die meisten Zahlungen heutzutage getätigt werden. Zahlst du deine Steuern etwa mit Bargeld? Zahlt die Gesamtheit der Steuerschuldenden ihre Steuern in Bar? I think not. Die Zahlungen sind entweder "finalisiert" wenn die eine Bank von einer anderen ZB-Guthaben bekommen hat, oder wenn sie Bargeld bekommen hat.
Die Geschäftsbanken können es sich aussuchen, ob sie ihr Geld "elektronisch" oder "physisch" halten möchten, es ist ihr Entscheidungsrecht. Die ZB kann den Geschäftsbanken nicht die Auszahlung von ZB-Guthaben verweigern. Auch kann die ZB in der Hinsicht nicht zahlungsunfähig werden, sie muss nur die Druckerpressen anwerfen. Es ist also praktisch unmöglich, dass ZB-Guthaben irgendein "Ausfallrisiko" besitzt. ZB-Guthaben dient der Zahlung, es ist Zahlungsmittel. Punkt. Darauf kommt es an.
>Hardy: Kann man alles machen. Aber Geld bleibt Geld, genauso, wie Gold Gold bleibt.
>Und Forderungen, lautend auf Geld, die sind nun mal nicht das Geld selbst.
>Auch dann nicht, wenn die Forderung gegen eine ZB gerichtet ist. Auch dann bleibt es nur eine Forderung, lautend auf Geld.
Es ist keine Forderung auf das Zahlungsmittel Geld, ZB-Guthaben ist selbst Zahlungsmittel, welches zwischen den Banken transferiert wird. Wenn Bank A der Bank B eine Million Euro Schulden hat, dann tilgt sie die Schulden mit ZB-Guthaben. Das ist dann endgültig. Bank B kann dann die 1 Million weiter "umlaufen" lassen, um ihre Schulden zu tilgen, oder es sich "physisch" machen zu lassen, wie sie möchte, ihr gehört jetzt ZB-Geld.
>Hardy: Geld ist das, was der Herr, der Staat, die Macht als Zwangsabgabe verlangt.
Jupp, und wie zahlen die meisten Leute ihre Steuern? Per Überweisung (ZB-Guthaben) oder mit Bargeld?
>>M.Raptis: Damit steht fest: Zentralbankgeld ist das einzige wirkliche Geld, alles andere ist kein Geld, es ist höchstens eine Forderung die auf Geld lautet.
>Hardy: >Ja, Herrschaftszeiten noch einmal, Zentralbankguthaben (die doch zum Zentralbankgeld gehören) sind doch genau Forderungen, die auf Geld lauten.
Nö, ZB-Guthaben "können" in Barform eingefordert werden. Sie brauchen es aber nicht, um dadurch Zahlungsmittelfunktion zu erlangen. Richtig ist:
ZB-Guthaben ist eine Forderung auf "physisches" Geld, ZB-Guthaben selbst ist dagegen "elektronisches Geld". Man könnte auch umgekehrt sagen, Bargeld ist eine Forderung auf "elektronisches" Geld, Bargeld selbst ist dagegen "physisches" Geld.
Die Geschäftsbanken können doch der Zentralbank sagen: "Schaut mal, ich habe hier eine Million Euro Bargeld, macht mal bitte ZB-Guthaben daraus, ich kann dann leichter zahlen. Geldtransporter sind mir zu umständlich." Fazit: Beides ist Geld.
>>M.Raptis: Das ist also meine Meinung zum Thema "Definition des Begriffs Geld". Ich hoffe, ich habe das einleuchtend näher bringen können.
>Hardy: Licht aus, Spot an: Evtl. siehst Du es jetzt doch etwas anders. ;)
>Lieben Gruß
>Hardy
MfG - M.Raptis



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