Re: Es läuft mehr und mehr auf die Begriffe Staat und Zentralbank hinaus .

Geschrieben von M.Raptis am 19.02.2007 02:53:00:

> Grek1: Hallo,
>Die Diskussion, die sich auch an frühere Beiräge anlehnt, habe ich mit großem Interesse verfolgt.
>FRB mittels KREDITAUSWEITUNG, das wohl durchaus zu Zahlungszwecken herangezogen werden kann und somit wie Geld zu wirken scheint, hat meines Erachtens ausgerechnet Francisco mit einem Satz statt der sonst üblichen Bleiwüsten hinreichend genug erklärt:
>"Ja natürlich bei z. B. 2 % Mindestreserve das 50-fache, bei 4 % Mindestreserve das 25-fache !"
Ja, ein ganz toller Satz, den Francisco da schreibt. Er zeigt ganz gut, dass er keinen Schimmer einer Ahnung davon hat, was FRB wirklich ist und wie es funktioniert. Er kann gut abschreiben ohne den Inhalt zu verstehen.
Er vergisst erstens, dass diese Vervielfachung der Kreditmenge eine mehrfache Kreditvergabe voraussetzt, die es in der Wirklichkeit nicht gibt. Bei mehrfacher Kreditvergabe addiert sich die Bankmarge und dementsprechend steigt der Kreditzins. Solche Kreditverträge würde keine Bank der Welt jemals abschließen.
Er vergisst zweitens, dass zum Beispiel die Schweiz keine Mindestreserve mehr besitzt und Geschäftsbanken nach seiner Rechnung nicht nur die 50fache Summe des Zentralbankgeldes, sondern alles Geld schöpfen könnten.
Er vergisst noch ein paar andere Sachen dabei, aber es ist mir egal. Ich lass mich nur von Leuten ärgern, die auch Ahnung davon haben, was sie über das Thema schreiben. Ich lästere ja ungern, aber diese primitive Obrigkeitshörigkeit geht mir auf den Zeiger. Das erinnert mich an Diskussionen mit den Zeugen Jehovas, die bei einem an der Tür klingeln und einen mit auswendig gelerntem Unsinn volllabern.
Im übrigen muss ich auch dir sagen: FRB (so langsam nervt mich der Begriff schon. Das erinnert mich an "Fiat-Money", "Goldstandard" und andere Idiotien) wirkt nicht wie Geld. Es ist ganz normale Kreditvergabe. Wenn wir insgesamt vier Leute sind, die mitmachen, kann ich dir Fractional Reserve Banking zeigen. Du bist der Anleger, ich bin die Geschäftsbank, Krümel ist die Zentralbank und Sammelleidenschaft ist Kreditnehmer. Dann machen wir Fractional Reserve Banking. Ist ganz leicht, aber reicher wird dadurch keiner.
> Grek1: Die von M. Raptis gelieferte Geldefinition klammert sich strikt an den Gesetzestext und hebt damit letztlich auf Staat und Zentralbankgesetz als Grundlage ab. Dies bedeutet, daß konsequent weitergedacht Forderungen nach einem idealen Staat z. B. mit Gewaltenteilung, Mitbestimmung seiner Bürger und Schutz gegen innere wie äußere Bedrohungen zu erheben sind - ein Thema über das die besten Philosophen und Staatsrechtler sich seit Menschengedenken schon den Kopf zerbrochen haben.
Einen idealen Staat zu fordern ist sicherlich richtig, aber ob das zwangläufig Gewaltenteilung und Mitbestimmung der Bürger einschließen muss? Ich weiß nicht. Ich gehe da von einem ganz anderen Ausgangspunkt aus. Versteh mich nicht falsch, ich will nicht sagen, dass Gewaltenteilung etc. prinzipiell schlecht sind. Ich will sagen, dass das nicht entscheidend ist. Entscheidend ist der allgemeine Nutzen, den die Gesellschaft aus einer Staatsform zieht.
> Grek1: Meine Position hierzu ist, daß ich gegen eine Zentralbank prinzipiell nichts einzuwenden habe, wenn sichergestellt wäre, daß ein für alle Bürger ideales Staatswesen dahintersteht. Leider war dies bis dato in der Geschichte wohl noch nie der Fall. Man erinnere sich nur an die handstreichartigen Änderungen der Finanzgesetzgebung vor bzw. während der letzten Weltkriege. Selbst in der von vielen Freiwirten so hochgelobten Brakteatenzeit kollabierte das Geldwesen letztlich an den Machtgelüsten einzelner Fürsten und Bischöfe.
Also ich habe gegen eine Zentralbank prinzipiell auch gar nichts einzuwenden. Ich bin der Meinung, dass die Zentralbanken ihre Arbeit ziemlich gut machen. Das einzige, was ich einzuwenden habe ist, dass sie sachlich unzutreffende Definitionen von Geld "übernommen" haben. Die sind zum Teil geradezu steinzeitlich. Na gut, ich habe auch schon ein zwei Mal andere Fehler entdeckt, die sind aber unwichtig. Einmal hat die Bundesbank sich sogar den Patzer geleistet und US-Trillions (deutsche Billionen) zu deutschen "Trillionen" gemacht. Kein Witz, der Fehler war in einer Bundesbankstatistik!
Zum Staatswesen, das hinter der Zentralbank steht: Ich finde, das eine hat mit dem anderen wenig zu tun. Eine ZB kann ihre Arbeit gut machen, während eine Staatsregierung ihre Arbeit schlecht macht. Fast alle heutigen Staaten sind auch mir unsympathisch. Das heißt allerdings nicht, dass alle Staaten, die je existiert haben, immer "schlecht" waren. Das können wir gar nicht wissen. Dass die Finanzgesetzgebung der Regierungen während der letzten beiden Weltkriege sich "handstreichartig" geändert hat, hatte auch seinen Grund. Es ging darum den Krieg zu gewinnen und die Finanzgesetzgebung wurde dementsprechend von Experten optimiert. Warum soll man da das unwissende Volk mitreden lassen? Das würde dem Volk nur schaden. Die Bevölkerung will bei solchen Fragen gar nicht mitentscheiden. Mit der Demokratie ist es ähnlich wie bei der Frauenemanzipation. Hier wird der Bevölkerung medial eingebläut, dass sie irgendwelche Rechte geltend machen soll, die ihnen selbst als Individuen und der Gesellschaft als ganzes im Endeffekt mehr Schaden als Vorteile bescheren.
Zur Brakteatenzeit: Es kann schon gut sein, dass das Geldsystem an den Machtgelüsten einzelner Fürsten zugrunde gegangen ist. Aber man muss auch eines beachten. Die damaligen Fürsten haben den Schlagsatz nicht deshalb eingeführt, weil sie die Idee der Umlaufsicherung kannten. Dass die Wirtschaft florierte, war ein unbeabsichtigter Nebeneffekt. Ich bin mir sicher, dass die Fürsten das gar nicht so ganz begriffen haben, wie das manche Freiwirte heute tun. Die meisten heutigen Politiker haben ja auch nicht viel Ahnung vom Geldsystem.
> Grek1: Übersetzt in die heutige Zeit und aus den Fehlern der Vergangenheit lernend bedeutet das für mich, daß kein Staat mehr alleiniger Herausgeber einer Währung sein darf, sondern daß die Bürger und vor allem diejenigen, die an der aktiven Wertschöpfung sprich Bruttosozialprodukt, mit dem die jeweilige Währung gedeckt sein sollte, viel stärker an diesem Vorgang kontrollierend mitzugestalten haben.
Also ich bin dafür, dass Geld einzig und allein vom Staat herausgegeben werden sollte. Ich halte nicht viel von Komplementärwährungen, aber das habe ich auch schon des öfteren geschrieben. Ich will euch nicht ständig damit ärgern. Regios haben auch ihre positiven Seiten. Sie machen die Menschen bspw. auf das Geldsystem aufmerksam, sodass sie sich damit auseinandersetzen. Ich glaube allerdings, dass ein Währungsgebiet, in dem unzählige Währungen umlaufen, zu chaotischen Zuständen führt.
> Grek1: In diese Thematik gehört dann selbstverständlich auch ein adäquates Wahlrecht (z. B. Familienwahlrecht) und Volksabstimmungen mit mehr Mitspracherecht der Bürger statt der augenblicklichen medialen Parteiendiktatur.
Dass wir eine mediale Parteiendiktatur haben, sehe ich ganz genauso. Eine "Volksherrschaft" haben wir auf jeden Fall nicht. Die öffentliche Meinung wird einem von den Massenmedien vorgesetzt und die "Parteien" (inhaltlich gibt es nicht wirklich "Parteien") handeln gegen den Willen des Volkes. Ob wir noch mehr Wahlrecht brauchen? Meiner Meinung nach nicht. Ich halte nicht viel von sogenannten "Wahlen", denn im Grunde wählt man nur zwischen den Optionen, die die Mächtigen einem einräumen. Eine Wahl, in der man für oder gegen die Interessen der Mächtigen entscheiden kann, steht nicht zur Debatte. Man kann nur zwischen zwei Möglichkeiten wählen, die beide den Interessen der Mächtigen entsprechen. Wahlen sind heute ein subtiles Unterdrückungsmittel geworden.
MfG - M.Raptis



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