Widerlegung des Bundesbank-Beispiels zum Thema "Giralgeldschöpfung"

Geschrieben von M.Raptis am 19.02.2007 23:27:00:

Hallo Leute,
an dieser Stelle möchte ich einmal kritisch auf die vermeintliche "Geldschöpfung der Geschäftsbanken" eingehen. Ich will dazu das Beispiel in den von der Bundesbank herausgebrachten Schulbüchern "Unser Geld" und "Geld und Geldpolitik" aufgreifen und analysieren. Die Bundesbank beschreibt in "Unser Geld" auf Seite 12f. bzw in "Geld und Geldpolitik" Seite 60f. folgendes Beispiel (blau):
"Nehmen wir einmal an, das Industrieunternehmen Müller braucht 100.000 , um eine Rohstofflieferung zu bezahlen. Dazu nimmt es bei der Bank A einen Kredit auf. Müller wird also Schuldner bei der Bank A. Er lässt den Betrag auf das Konto des Rohstofflieferanten bei der Bank B überweisen. Das Konto bei der Bank A wird so belastet, während sich bei der Bank B die Einlagen ihres Kunden erhöhen. Die bargeldlose Zahlung von A nach B verläuft über die Zentralbank. Bei ihr unterhalten die Banken Guthaben unter anderem zur Abwicklung des Zahlungsverkehrs zwischen den Banken selbst. Aufgrund der Überweisung nehmen die Zentralbankguthaben der Bank A um 100.000 ab, während sie sich bei der Bank B entsprechend erhöhen."
Machen wir einen kurzen Zwischenstopp. Was ist bis hierhin passiert? Es haben bisher zwei Vorgänge stattgefunden. Erstens nimmt Müller einen Kredit i.H.v. 100.000 Euro auf. Zweitens überweist Bank A 100.000 Euro Zentralbankguthaben an Bank B. In der Ausgangssituation hatte die Bank A 0,- Euro Geldforderungen an Müller und 100.000 Euro ZB-Guthaben. Nach den Vorgängen hat die Bank A 100.000 Euro Geldforderungen an Müller und 0,- Euro ZB-Guthaben.
Bank A Ausgangssituation:
+100.000 ZB-Guthaben
+/- 0,000 Forderungen/Verbindlichkeiten gegenüber Müller
----------
+100.000 Euro (ZB-Guthaben)
Bank A nachher:
+/- 0,000 ZB-Guthaben
+100.000 Forderungen gegenüber Müller
----------
+100.000 Euro (Geldforderungen)
Hat sich irgendetwas am Vermögen der Bank A geändert? Wurde bis hierhin Geld geschöpft? Nein!
"Wenn nun die Bank B die zusätzlichen Zentralbankguthaben nicht benötigt (weil beispielsweise der Rohstofflieferant den Betrag nicht sofort voll abhebt), so wird sie versuchen, diese überschüssigen Mittel anzulegen. Sie wird also ihrerseits auch Kredite vergeben. So gewährt sie z.B. einen Kredit über ebenfalls 100.000 an eine Großküche, die damit eine umfängliche Warenlieferung von einem Lebensmittelhändler bezahlt. Bank B überweist also die Kreditsumme wieder über die Zentralbank an die Bank C, wo der Lebensmittelhändler sein Konto unterhält. Als Folge davon fließen einer dritten Bank C Zentralbankguthaben über 100.000 zu."
Hier liegt zunächst folgende Ausgangssituaton vor: Erstens hat Bank B von Bank A 100.000 Euro ZB-Guthaben erhalten. Zweitens hat sie jetzt 100.000 Euro Verbindlichkeiten gegenüber dem Rohstofflieferanten.
Bank B Ausgangsituation:
+100.000 ZB-Guthaben
-100.000 Verbindlichkeiten an Rohstofflieferant
----------
+/- 0,000
Dann vergibt Bank B mit den 100.000 Euro einen Kredit an eine Großküche, im Vertrauen darauf, dass der Rohstofflieferant seine 100.000 Euro nicht abhebt. Nachdem sie den Kredit gewährt hat, überweist die Bank B 100.000 Euro Zentralbankguthaben an Bank C. Zusammengefasst heißt das: Bank B hat nach diesen Vorgängen 100.000 Euro Verbindlichkeiten gegenüber dem Rohstofflieferanten, 100.000 Euro Forderungen gegenüber der Großküche und 0,- Euro ZB-Guthaben.
+/- 0,000 ZB-Guthaben
-100.000 Verbindlichkeiten an Rohstofflieferant
+100.000 Forderungen an Großküche
----------
+/- 0,000
Hat sich irgendetwas am Vermögen der Bank B geändert? Wurde bis hierhin Geld geschöpft? Nein!
"Sie (Bank C) steht dann vor derselben Situation wie vorher die Bank B.
Wird sich durch die Wiederholung dessen, was Bank B gemacht hat, irgendetwas am Vermögen der Bank C ändern? Wird sie "Geld schöpfen"? Nein!
"Sie kann einen Kredit über 100.000 vergeben. Das heißt, der Prozess der Giralgeldschöpfung setzt sich weiter fort."
Tja, meine Damen und Herren von der Bundesbank, das war wohl nichts mit der Geldschöpfung.
MfG - M.Raptis



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