Re: Widerlegung des Bundesbank-Beispiels zum Thema "Giralgeldschöpfung"

Geschrieben von Francisco d-Anconia am 20.02.2007 14:49:00:

>Hallo Leute,
>an dieser Stelle möchte ich einmal kritisch auf die vermeintliche "Geldschöpfung der Geschäftsbanken" eingehen. Ich will dazu das Beispiel in den von der Bundesbank herausgebrachten Schulbüchern "Unser Geld" und "Geld und Geldpolitik" aufgreifen und analysieren. Die Bundesbank beschreibt in "Unser Geld" auf Seite 12f. bzw in "Geld und Geldpolitik" Seite 60f. folgendes Beispiel (blau):
>"Nehmen wir einmal an, das Industrieunternehmen Müller braucht 100.000 , um eine Rohstofflieferung zu bezahlen. Dazu nimmt es bei der Bank A einen Kredit auf. Müller wird also Schuldner bei der Bank A. Er lässt den Betrag auf das Konto des Rohstofflieferanten bei der Bank B überweisen. Das Konto bei der Bank A wird so belastet, während sich bei der Bank B die Einlagen ihres Kunden erhöhen. Die bargeldlose Zahlung von A nach B verläuft über die Zentralbank. Bei ihr unterhalten die Banken Guthaben unter anderem zur Abwicklung des Zahlungsverkehrs zwischen den Banken selbst. Aufgrund der Überweisung nehmen die Zentralbankguthaben der Bank A um 100.000 ab, während sie sich bei der Bank B entsprechend erhöhen."
>Machen wir einen kurzen Zwischenstopp. Was ist bis hierhin passiert? Es haben bisher zwei Vorgänge stattgefunden. Erstens nimmt Müller einen Kredit i.H.v. 100.000 Euro auf. Zweitens überweist Bank A 100.000 Euro Zentralbankguthaben an Bank B. In der Ausgangssituation hatte die Bank A 0,- Euro Geldforderungen an Müller und 100.000 Euro ZB-Guthaben. Nach den Vorgängen hat die Bank A 100.000 Euro Geldforderungen an Müller und 0,- Euro ZB-Guthaben.
>Bank A Ausgangssituation:
>+100.000 ZB-Guthaben
>+/- 0,000 Forderungen/Verbindlichkeiten gegenüber Müller
>----------
> +100.000 Euro (ZB-Guthaben)
>Bank A nachher:
>+/- 0,000 ZB-Guthaben
>+100.000 Forderungen gegenüber Müller
>----------
>+100.000 Euro (Geldforderungen)
>Hat sich irgendetwas am Vermögen der Bank A geändert? Wurde bis hierhin Geld geschöpft? Nein!
>"Wenn nun die Bank B die zusätzlichen Zentralbankguthaben nicht benötigt (weil beispielsweise der Rohstofflieferant den Betrag nicht sofort voll abhebt), so wird sie versuchen, diese überschüssigen Mittel anzulegen. Sie wird also ihrerseits auch Kredite vergeben. So gewährt sie z.B. einen Kredit über ebenfalls 100.000 an eine Großküche, die damit eine umfängliche Warenlieferung von einem Lebensmittelhändler bezahlt. Bank B überweist also die Kreditsumme wieder über die Zentralbank an die Bank C, wo der Lebensmittelhändler sein Konto unterhält. Als Folge davon fließen einer dritten Bank C Zentralbankguthaben über 100.000 zu."
>Hier liegt zunächst folgende Ausgangssituaton vor: Erstens hat Bank B von Bank A 100.000 Euro ZB-Guthaben erhalten. Zweitens hat sie jetzt 100.000 Euro Verbindlichkeiten gegenüber dem Rohstofflieferanten.
>Bank B Ausgangsituation:
>+100.000 ZB-Guthaben
>-100.000 Verbindlichkeiten an Rohstofflieferant
>----------
>+/- 0,000
>Dann vergibt Bank B mit den 100.000 Euro einen Kredit an eine Großküche, im Vertrauen darauf, dass der Rohstofflieferant seine 100.000 Euro nicht abhebt. Nachdem sie den Kredit gewährt hat, überweist die Bank B 100.000 Euro Zentralbankguthaben an Bank C. Zusammengefasst heißt das: Bank B hat nach diesen Vorgängen 100.000 Euro Verbindlichkeiten gegenüber dem Rohstofflieferanten, 100.000 Euro Forderungen gegenüber der Großküche und 0,- Euro ZB-Guthaben.
>+/- 0,000 ZB-Guthaben
>-100.000 Verbindlichkeiten an Rohstofflieferant
>+100.000 Forderungen an Großküche
>----------
>+/- 0,000
>Hat sich irgendetwas am Vermögen der Bank B geändert? Wurde bis hierhin Geld geschöpft? Nein!
>"Sie (Bank C) steht dann vor derselben Situation wie vorher die Bank B.
>Wird sich durch die Wiederholung dessen, was Bank B gemacht hat, irgendetwas am Vermögen der Bank C ändern? Wird sie "Geld schöpfen"? Nein!
>"Sie kann einen Kredit über 100.000 vergeben. Das heißt, der Prozess der Giralgeldschöpfung setzt sich weiter fort."
>Tja, meine Damen und Herren von der Bundesbank, das war wohl nichts mit der Geldschöpfung.
>MfG - M.Raptis

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Herr Raptis
Wie ich sehe sind Ihnen in der Diskussion - diejenigen, die nichts von Buchhaltung verstehen - mit vernebeltem Blick gefolgt.
Mich können Sie mit solchen Taschenspielertricks an Hand Ihrer falschen Buchungen jedoch nicht hinters Licht führen. Es wird Ihnen auch nicht gelingen, die Deutsche Bundesbank mit einer der besten volkswirtschaftlichen Abteilungen der Welt zu widerlegen.
Allen anderen, die die Buchungstricks von Herrn Raptis nicht durchschauen (weil sie mit Betriebswirtschaft nichts zu tun haben), sei gesagt, daß es in der Betriebswirtschaft einen festen Begriff gibt: "Die Ordnungsmäßigkeit der Buchführung", basierend auf dem HGB, international auf IFRS, in den USA auf GAAPIAS und bei uns in D. zusätzlich ausgeschmückt durch das BilRiliG, das Bilanzrichtliniengesetz von 1985.
Die Buchungssätze zwischen zwei Wirtschaftseinheiten dürfen nicht verknüpft werden, jede Wirtschaftseinheit muß selbständig buchen, es kommt nicht allein auf die Darstellung der saldierten Vermögenslage eines Witschaftssubjekts an, sondern um die vollständige Erfassung jedes einzelnen Geschäftsvorganges. Das führt bei Banken dazu, daß Kreditgewährungen ohne Berührung des EK und der Einlagen zu einer Bilanzverlängerung führen und Kredittilgungen zu einer Bilanzverkürzung.
Die Bilanzverlängerung macht schlagartig den Geldschöpfungsprozeß der Geschäftsbanken deutlich und die Bilanzverkürzung den Geldvernichtungsprozeß.

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Zwischenbemerkung an:
@ Herrn Gastronom
Es kommt nicht auf die Zweckmäßigkeit oder Unzweckmäßigkeit des Erwerbs einer Immobilie durch EK der Bank an, oder ob die Bank das Objekt least oder mietet, das sind strategische Finanzplanungen in die ich als Unternehmensberater oftmals eingebunden bin. Wenn sich jedoch die Bank entschließt eine Immobilie im Wege des Fractional Reserve Banking zu erwerben, dann ersehen Sie den Buchungsvorgang am 1. Beispiel
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Ich werde die richtigen Buchungsbeispiele aus den Lehrheften unserer Universitäten nachstehend noch einmal einkopieren, jetzt, um die Taschenspielertricks von Herrn Raptis aufzudecken und allgemein, um die Geldschöpfungsmöglichkeiten der Geschäftsbanken in unserem zweistufigen Bankensystem innerhalb der Mindestreservevorschriften (Fractional Reserve Banking) erneut zu beweisen:

Geldschöpfung und Geldvernichtung
Aufgabe dieser Ausführungen ist es, Vorgänge aufzuzeigen, die eine Erhöhung bzw. Verminderung der Geldmenge (Geldschöpfung bzw. Geldvernichtung) zur Folge haben. Vorgänge dieser Art treten immer dann auf, wenn Nichtbanken (Haushalte, Unternehmungen und Staat) Transaktionen mit der Zentralbank und (oder) den Geschäftsbanken durchführen und dabei Geldbewegungen zwischen Nichtbanken und Banken stattfinden.
Geldbewegungen zwischen Haushalten, Unternehmungen und Staat bewirken im allgemeinen keine Geldschöpfung bzw. Geldvernichtung, sondern nur eine Umverteilung der Geldmenge innerhalb des Nichtbankensektors.
a) Einbanksystem mit ausschließlich bargeldlosem Zahlungsverkehr
aa) Einige Beispiele zur Geldschöpfung und Geldvernichtung. -
Wichtige Erkenntnisse über den Prozess der Geldschöpfung und Geldvernichtung lassen sich bereits gewinnen, wenn wir von der vereinfachenden Annahme ausgehen, dass in der Volkswirtschaft nur eine Bank existiert und alle Zahlungen mit Sichteinlagen bei dieser Bank durchgeführt werden, also bargeldlos erfolgen .
Es erleichtert das Verständnis, wenn wir hierzu einige Beispiele betrachten und den zahlenmäßigen Niederschlag der entsprechenden Transaktionen in Kontenform darstellen:
Beispiel 1: Die Bank erwirbt Sachvermögen, z.B. ein Gebäude, von einer Unternehmung im Werte von einer Million Geldeinheiten (GE) und zahlt mit Sichtforderungen auf sich selbst. In der Bankbilanz wird eine Zunahme von Sachvermögen und Sichteinlagen gebucht, es kommt zu einer Bilanzverlängerung; in der Bilanz der Unternehmen findet dagegen ein Aktivtausch statt (Buchung1 a):

Bank
(1a) Sachvermögen + 1 Mio. (1a) Sichteinlagen + 1 Mio.
(1b) Sachvermögen - 1 Mio. (1b) Sichteinlagen - 1 Mio.

Nichtbank
(1a) Sachvermögen - 1 Mio.
(1a) Sichtguthaben + 1 Mio.
(1b) Sachvermögen + 1 Mio.
(1b) Sichtguthaben - 1 Mio.

Der Ankauf von Sachvermögen durch die Bank führt also in dem Beispiel zu einer Erhöhung der Geldmenge (Geldschöpfung) in Form von Giralgeld. Das umgekehrte Ergebnis (also eine Geldvernichtung) stellt sich ein, wenn die Bank Sachvermögen veräußert und mit Sichtguthaben bei der Bank bezahlt wird (Buchung 1 b).
Beispiel 2: Die Bank kauft Devisen, z. B. Dollarguthaben, von einem Exporteur im Werte von zwei Millionen GE und zahlt mit Sichtforderungen auf sich selbst. Wie im ersten Beispiel ergibt sich in der Bankbilanz eine Bilanzverlängerung, in der Bilanz des Exporteurs ein Aktivtausch (Buchung 2 a):
Bank
(2a) Devisen + 2 Mio. (2a) Sichteinlagen + 2 Mio.
(2b) Devisen - 2 Mio. (2b) Sichteinlagen - 2 Mio.

Nichtbank
(2a) Devisen - 2 Mio.
(2a) Sichtguthaben + 2 Mio.
(2b) Devisen + 2 Mio.
(2b) Sichtguthaben - 2 Mio.

Der Ankauf von Devisen durch die Bank führt also in dem Beispiel zu einer Erhöhung der Geldmenge (Geldschöpfung) in Form von Giralgeld. Das umgekehrte Ergebnis (also eine Geldvernichtung) erhält man, wenn die Bank Devisen an eine Nichtbank (z. B. an einen Importeur) veräußert und mit Sichtguthaben bezahlt wird (Buchung 2 b).
Beispiel 3: Die Bank gewährt einer Unternehmung einen Kredit in Höhe von drei Millionen GE und schreibt den Gegenwert dem Girokonto der Unternehmung gut. Da sich mit der Kreditgewährung die Verbindlichkeiten des Unternehmens erhöhen, ergibt sich auch in der Bilanz der Unternehmung eine Bilanzverlängerung (Buchung 3 a):
Bank
(3a) Kredite + 3 Mio. (3a) Sichteinlagen + 3 Mio.
(3b) Kredite - 3 Mio. (3b) Sichteinlagen - 3 Mio.

Nichtbank
(3a) Sichtguthaben + 3 Mio. (3a) Verbindlichk. + 3 Mio.
(3b) Sichtguthaben - 3 Mio. (3b) Verbindlichk. - 3 Mio.

Mit der Kreditgewährung durch die Bank ist also in dem Beispiel eine Erhöhung der Geldmenge (Geldschöpfung) in Form von Giralgeld verbunden. Das umgekehrte Ergebnis (also eine Geldvernichtung) stellt sich zwangsläufig ein, wenn zum vereinbarten Tilgungszeitpunkt die Rückzahlung des Kredites erfolgt (Buchung 3 b).
Beispiel 4: Ein Bankkunde löst eine längerfristige (Nicht-Geld darstellende) Forderung an die Bank in Höhe von vier Millionen GE auf (z. B. eine Termineinlage mit vierjähriger Festlegungszeit) und erhält dafür Sichteinlagen. In der Bilanz der Bank ergibt sich ein Passivtausch, in der Bilanz des Bankkunden ein Aktivtausch (Buchung 4 a):
Bank
(4a) Termineinlagen - 4 Mio.
(4a) Sichteinlagen + 4 Mio.
(4b) Termineinlagen + 4 Mio.
(4b) Sichteinlagen - 4Mio.

Nichtbank
(4a) Terminguthaben - 4 Mio.
(4a) Sichtguthaben + 4 Mio.
(4b) Terminguthaben + 4 Mio.
(1b) Sichtguthaben - 4 Mio.

Die Umwandlung einer längerfristigen (Nicht-Geld darstellenden) Forderung an die Bank in eine Sichteinlage durch einen Bankkunden bewirkt also eine Erhöhung der Geldmenge (Geldschöpfung) in Form von Giralgeld. Das umgekehrte Ergebnis (also eine Geldvernichtung) ergibt sich, wenn ein Bankkunde ein Sichtguthaben in eine längerfristige Forderung an die Bank umwandelt (Buchung 4 b).
bb) Einige Folgerungen aus den Beispielen.-
Die vier Beispiele stimmen darin überein, dass sich die Bankbilanz verändert und dadurch eine Geldschöpfung bzw. Geldvernichtung eintritt. Unterschiede im Geldschöpfungs- und Geldvernichtungsprozess werden deutlich, wenn wir die ersten drei Beispiele und das vierte Beispiel vergleichen. In den ersten drei Beispielen (Erwerb eines Gebäudes, Ankauf von Devisen und Gewährung eines Kredits) werden Vorgänge dargestellt (jeweils unter a), bei denen die Bank Aktiva erwirbt, die keine inländischen Zahlungsmittel darstellen, diese mit Sichtforderungen bezahlt und so die Geldmenge erhöht. Die Bank schafft (also) neues Geld, indem sie Nicht-Zahlungsmittel darstellende Aktiva monetisiert . Der umgekehrte Vorgang, also eine Verminderung der Geldmenge, findet statt, wenn die Bank Aktiva, die keine inländischen Zahlungsmittel darstellen, veräußert und dabei von den Nichtbanken mit Sichteinlagen bezahlt wird.
Das vierte Beispiel beschreibt einen Vorgang, bei dem Nichtbanken über ihre Forderungen an die Bank disponieren. Offenbar ergibt sich eine Geldschöpfung, wenn Nichtbanken Forderungen an die Bank, die keine inländischen Zahlungsmittel darstellen, liquidieren und dafür Sichteinlagen erhalten. Umgekehrt tritt eine Geldvernichtung ein, wenn Nichtbanken Forderungen an die Bank, die keine inländischen Zahlungsmittel darstellen, erwerben und dafür Sichteinlagen hergeben.
Die sich zwischen den ersten drei Beispielen und dem vierten Beispiel abzeichnenden Unterschiede in der Geldschöpfung und Geldvernichtung bedürfen einer weiteren Präzisierung. Wir werden die erforderlichen Ergänzungen jedoch noch zurückstellen und erst am Ende des folgenden Unterabschnittes vornehmen.

b) Mehrbankensystem unter Verwendung von Mischgeld
Obwohl ein Einbank-Modell von der wirtschaftlichen Wirklichkeit weit entfernt ist, führt eine sich der Realität annähernde Betrachtungsweise bezüglich der Geldschöpfung und -vernichtung nur zu relativ wenigen zusätzlichen Erkenntnissen. Unterschiede entstehen lediglich dadurch, dass ein Zentralbanksystem und ein Geschäftsbankensystem nebeneinander existieren und Geldschöpfungsprozesse durch beide Institutionen möglich sind. Die Zahlungsmittel bestehen demzufolge aus Zentralbankgeld in Form von Noten und Sichtforderungen an das Zentralbanksystem sowie aus Giralgeld der Geschätfsbanken (Sichtforderungen an die Geschäftsbanken). Die nunmehr zugrundegelegte Geldwirtschaft ist also ein Mischgeldsystem.
aa) Einige Beispiele zur Geldschöpfung und Geldvernichtung .-
Geldschöpfungsprozesse, die zu einer Erhöhung des Zentralbankgeldbestandes und (oder) des Bestandes an Giralgeld der Geschäftsbanken im Nichtbankensektor führen, können aus Transaktionen zwischen Nichtbanken und Zentralbank (Beispiel 5) und (oder) aus Transaktionen zwischen Nichtbanken und Geschäftsbankensystem (Beispiele 6, 7 und 8) hervorgehen. Betrachten wir zur Illustration die in den Beispielen 5 und 8 dargestellten Geldschöpfungsvorgänge:
Beispiel 5: Die Zentralbank erwirbt Sachvermögen (z. B. ein Gebäude) von einer Unternehmung im Wert von fünf Millionen GE und zahlt eine Million GE in bar (d.h. also in Form von Noten), den Rest in Form von Giralgeld. In der Zentralbankbilanz kommt es zu einer Bilanzverlängerung, in der Bilanz der Unternehmen zu einem Aktivtausch.
Zentralbank
Sachvermögen + 5 Mio. Sichteinlagen + 4 Mio.
Notenumlauf + 1 Mio.

Nichtbank
Sachvermögen - 5 Mio.
Sichtguthaben + 4 Mio.
Noten + 1 Mio.
Kauft die Zentralbank Devisen von einer Nichtbank oder gewährt sie einen Kredit an eine Nichtbank, dann tritt in den Bilanzen an die Stelle der Sachvermögensänderung lediglich eine Änderung des Bestandes an Devisen oder Krediten. In jedem dieser Fälle kommt es durch den Ankauf von Aktiva durch die Zentralbank zu einer Erhöhung der Geldmenge (in Form von Zentralbankgeld), also zu einer Geldschöpfung.
Beispiel 6: Eine Geschäftsbank gewährt einer Unternehmung einen Kredit in Höhe von sechs Millionen GE und zahlt davon eine Million GE in Form von Noten aus. In der Bankbilanz ergibt sich ebenso wie in der Bilanz der Unternehmung im Endergebnis eine Bilanzverlängerung
Geschäftsbank
Kredite + 6 Mio. Sichteinlagen + 5 Mio.
Noten - 1 Mio.
Nichtbank
Sichtguthaben + 5 Mio. Verbindlichkeiten + 6 Mio.
Noten + 1 Mio.
In entsprechender Weise wird der Erwerb von Sachvermögen oder Devisen durch eine Geschäftsbank gebucht. Ähnlich wie in den Beispielen 1, 2 und 3 erfolgt also in jedem Fall eine Geldschöpfung; der Unterschied gegenüber den Beispielen 1, 2 und 3 besteht nur darin, dass die Geschäftsbank auch Noten abgibt und die Nichtbanken auch Noten erhalten.
Beispiel 7: Ein Bankkunde löst eine längerfristige Forderung an eine Geschäftsbank (z. B. eine Spareinlage mit vierjähriger Kündigungsfrist) in Höhe von sieben Millionen GE auf und läßt sich den Gegenwert in Höhe von einer Million GE in bar auszahlen; der Rest wird seinem Girokonto gutgeschrieben. In der Bankbilanz ergibt sich ein Passivtausch sowie eine Bilanzverkürzung und in der Bilanz des Bankkunden ein Aktivtausch.
Geschäftsbank
Noten - 1 Mio. Spareinlagen - 7 Mio.
Sichteinlagen + 6 Mio.


Nichtbank
Sparguthaben - 7 Mio.
Noten + 1 Mio.
Sichtguthaben + 6 Mio.
Wie in Beispiel 4 besteht das Endergebnis in einer Geldschöpfung, die allerdings (anders als im Beispiel 4) mit einer Abnahme des Notenbestandes der Geschäftsbank verbunden ist, sobald die Nichtbanken den Gegenwert der liquidierten Forderung teilweise in Form von Bargeld verlangen.
Beispiel 8: Eine Unternehmung lässt zu Lasten ihrer Sichteinlagen bei einer Geschäftsbank eine Überweisung in Höhe von acht Millionen GE auf ihr Konto bei der Zentralbank durchführen. In der Bilanz der Geschäftsbank wird eine Abnahme von Zentralbankeinlagen und von Sichteinlagen gebucht, es kommt also zu einer Bilanzverkürzung; in der Bilanz des Bankkunden erfolgt ein Aktivtausch:
Geschäftsbank
Zentralbankeinlagen - 8 Mio. Sichteinlagen - 8 Mio.
Nichtbank
Sichtguthaben - 8 Mio.
Zentralbankeinlagen + 8 Mio.
Die Buchungsvorgänge verlaufen in der umgekehrten Richtung, wenn der Betrag von acht Millionen GE vom Zentralbankkonto der Unternehmung auf ein Girokonto bei einer Geschäftsbank überwiesen wird. In keinem der beiden Fälle ergibt sich eine Veränderung der Geldmenge; eine Geldschöpfung bzw. Geldvernichtung findet also nicht statt. Lediglich die Struktur der Geldmenge wird eine andere. Im ersten Fall steigt der Anteil des Zentralbankgeldes, im zweiten geht er zurück.
bb) Folgerungen aus den Beispielen. -
Die Beispiele 5 und 6 entsprechen weitgehend den Beispielen 1, 2 und 3. In allen Fällen werden Aktiva, die keine inländischen Zahlungsmittel darstellen, von einer Bank erworben. Solche Geschäfte, die bei einer Bank zu einer Änderung ihres Bestandes an Nicht-Zahlungsmittel darstellenden Aktiva führen, bezeichnet man als Aktivgeschäfte der Banken. Führt ein Aktivgeschäft zu einer Geldschöpfung oder Geldvernichtung, dann spricht man von aktiver Geldschöpfung oder Geldvernichtung.
Die Vorgänge, die zu einer aktiven Geldschöpfung oder Geldvernichtung führen, lassen sich weiter klassifizieren, wenn die Bilanz der Bankkunden, also der Nichtbanken, näher betrachtet wird. Beim Verkauf von Sachvermögen und Devisen (Beispiel 1, 2 und 5) erhält der Bankkunde Zahlungsmittel, ohne dass sich seine Passiva verändern; im Beispiel 3 bzw. 6 (Aufnahme eines Kredites) gelangt der Bankkunde dagegen in den Besitz von Zahlungsmitteln, indem er sich verschuldet. Die aktive Geldschöpfung ist also in den Beispielen 1, 2 und 5 von einer Erhöhung der Nettoforderungen des Bankkunden gegenüber der Bank (Forderungen an die Bank minus Verbindlichkeiten gegenüber der Bank) begleitet. In diesem Fall erwirbt die Bank primäre Aktiva. Im Fall der Kreditaufnahme (Beispiel 3 bzw. 6) bleiben die Nettoforderungen des Bankkunden gegenüber de Bank dagegen unverändert; die Bank erwirbt in diesem Fall sekundäre Aktiva (also Aktiva, deren Erwerb durch die Bank, anders als bei primären Aktiva, mit keiner Änderung der Nettoforderungen von Nichtbanken verbunden ist) .
Das Gegenstück zu Aktivgeschäften bildet ein Bankgeschäft, das durch die Beispiele 4 bzw. 7 oder 8 illustriert und als Passivgeschäft bezeichnet wird. Einem Passivgeschäft liegen Dispositionen der Nichtbanken über ihre Forderungen an Banken zugrunde. Hieraus resultiert in der Bankbilanz eine Änderung der Passivseite, ohne daß gleichzeitig der Bestand an Aktiva, die keine inländischen Zahlungsmittel darstellen, verändert wird. Führen solche Passivgeschäfte zu einer Änderung der Geldmenge (wie in den Beispielen 4 und 7), dann bezeichnet man diesen Vorgang als passive Geldschöpfung bzw. Geldvernichtung.

Zusammenfassung:
1. Eine aktive Geldschöpfung findet statt, wenn Banken (Geschäftsbanken oder Zentral-
bank) von Nichtbanken Aktiva erwerben, die keine inländischen Zahlungsmittel darstellen, und dafür Zahlungsmittel hergeben. Eine aktive Geldvernichtung findet statt, wenn Banken an Nichtbanken Aktiva abstoßen, die keine inländischen Zahlungsmittel darstellen, und dafür von den Nichtbanken Zahlungsmittel erhalten.
2. Eine passive Geldschöpfung findet statt, wenn Nichtbanken Forderungen an Banken,
die keine inländischen Zahlungsmittel darstellen, liquidieren und dafür Zahlungsmittel erhalten. Eine passive Geldvernichtung findet statt, wenn Nichtbanken Forderungen an Banken, die keine inländischen Zahlungsmittel darstellen, von Banken erwerben und dafür Zahlungsmittel hergeben.
3. In einem Mischgeldsystem resultiert die Geldschöpfung bzw. Geldvernichtung in einer
Änderung des Bestandes an Giralgeld der Geschäftsbanken im Bereich der Nichtbanken.
.................................
@ Peter_X
Sie sind amtlich lizenzierter Wp-Banker, werden aber sicherlich aus Ihrer Berufserfahrung meinen Darlegungen zustimmen können. Sollten Sie einen Fehler erkennen, bitte korrigieren - Hoffentlich lesen Sie das!
FdA



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