Weder die links- noch die rechtsfaschistischen Kräfte werden die breite Mitte dominieren

Geschrieben von Robert_B am 22.03.2016 18:38:48:

Immer mehr Bürger durchschauen auch diesen Storch und Co. - Duktus, was ich an vielen Kommentaren in Facebook erkennen kann, wobei wieder plump und klischeehaft Ressentiments gegen kulturelle Vielfalt bedient werden, indem man beliebig kulturellen/religiösen Extremismus pauschalisiert, in der Hoffnung, einen „furor teutonicus" zu erreichen. Es wird immer wieder extrem nationalistische und faschistische Gruppierungen geben, die das friedliche Zusammenwachsen oder Nebeneinander verschiedener Kulturen verhindern bzw. den „Kampf der Kulturen" entfachen wollen. Sie brauchen diesen Nährboden, es ist ihre einzige Existenzgrundlage.

Doch weder die linksfaschistischen noch die rechtsfaschistischen Kräfte werden letztlich die breite Mitte dominieren. Sie versuchen immer wieder sehr geschickt, mit Ängsten zu spielen. Doch schauen wir genau hin, zerstört nicht der Islam unsere Werte. Und dass ein friedliches Zusammenleben unserer „abendländischen" Kultur mit einer prozentualen Minderheit von Muslimen möglich ist, zeigt die Vergangenheit und wird auch die Zukunft zeigen.

Doch diesen Umstand hassen die Faschisten, ist ihnen ein Gräuel im Auge, denn damit wird ihnen der Nährboden entzogen, Hass und Zwiespalt zu säen, ihre einzige Sinnbestimmung im Leben. Interkulturelle Konflikte sehen sie als Chance, aber nicht als Chance, um interkulturelle Kompetenzen zu erlangen und Toleranz und einen friedlichen Dialog zu entwickeln, sondern als Chance für ihre geistige Brandstiftung und um Zwiespalt zu säen.
Daraus wollen sie politisch Kapital schlagen, was ihnen aber nicht gelingen wird, da letztlich die Vernunft über die Emotionen siegen wird.

Kultureller Pluralismus wird in Europa Einzug halten, und das ist auch gut so. Nicht wir sind durch den Multikulturalismus bedroht, sondern die rückwärts gewandten, intoleranten Aspekte des Islams, welche aber nur eine Minderheit von Extremisten vertreten.
Deutschland ist bereits multikulturell geprägt, bis in die Kleinstädte hinein. Und zwar dauerhaft. Man kann das gut oder schlecht finden. Man kann den Multikulturalismus als Chance begreifen oder als Gefahr – oder als beides. Man kann auch die Augen vor dem Multikulturalismus verschließen; aber dadurch verschwindet er ebenso wenig wie die Globalisierung, deren Ausdruck er ja ist.

Mit der Anerkennung des Multikulturalismus verlässt Europa einen Sonderweg der Geschichte, der unendliches Leid über den Kontinent gebracht hat; kehrt einer Vorstellung den Rücken, die immer schon verlogen war. Der Idee nämlich, die verschiedenen Nationen müssten aus ethnisch und kulturell homogenen „Staatsvölkern" bestehen.

Vor allem müssen wir uns vor Demagogen hüten, die sämtliche sozialen Konflikte versuchen zu pauschalisieren, um sie als kulturelle Konflikte darzustellen.
Wir brauchen hingegen Besonnenheit und Maß, ein differenziertes Hinschauen, wo die Ursache für Konflikte sind. Denn die meisten Konflikte haben weder tatsächlich etwas mit der „Rasse" zu tun noch mit ethnischen Verschiedenheiten, in dem Sinne, dass wir Angst vor dem Verlust der deutschen Identität hätten, das sind alles nur Kopfgeburten.
Denn viele Deutsche leben im Alltag völlig konfliktfrei mit Muslimen und können der sarazin'schen Heraufbeschwörung des Untergang des Abendlandes nichts abgewinnen.

Und wenn es Konflikte gibt, muss man wie gesagt hinschauen, woher sie rühren. Oftmals stecken hinter „ethnischen Konflikten" in Wahrheit nur sozio-ökonomische o.a. Konflikte.

Mit der muslimischen Realität in Deutschland hat die Heraufbeschwörung nämlich wenig zu tun. Mehr noch: es werden die Fortschritte geleugnet, die der Staat, die deutschen Universitäten und die deutschen Muslime in der jüngeren Vergangenheit erzielt haben. Denn es wurden längst Strukturen für einen Islam geschaffen, der sich zunehmend als deutsch versteht, der deutsch spricht und deutsch denkt. Die großen islamischen Verbände und eine Vielzahl lokaler Organisationen spielen dabei ebenso eine Rolle wie der islamische Religionsunterricht und die Islamische Theologie, die seit fünf Jahren an deutschen Universitäten gelehrt wird.

Und dort, wo die interkulturellen Konflikte tatsächlich sind, also bspw. besonders in Schulen oder anderen Einrichtungen, dort braucht es weder rassistische noch völkische bzw. radikale nationalistische Ideologien. Sondern dort geht es um praktische Bewältigung und gemeinsamen Dialog, um gewaltlose Annäherung, um gemeinsame Erfahrungen und Abbau von Ängsten, jenseits irgendwelcher Ideologien.

Viele Muslime, die nun zu uns gewandert sind, sind selbst vor dem radikalen Islam geflohen bzw. lehnen diesen ab, haben genug davon. Wir haben es nun in der Hand, zu entscheiden, wer den Islam in Deutschland dominiert. Wir dürfen die jungen Sinn-hungrigen Muslime nicht den Extremisten (bspw. Salafisten) überlassen.

Der Münsteraner Professor Mouhanad Khorchide, (der selbst auf den Todeslisten der Salafisten steht und keinen Grund hat, etwas zu verharmlosen), sieht den Zuzug der Syrer als Chance. Nach dem, was sie mit dem IS erlebt hätten, seien sie froh, in Deutschland einen offenen Islam zu finden. Der Unterschied zu den Muslimen, die als Arbeitsmigranten in die Bundesrepublik gekommen seien, sei kein theologischer, sondern ein soziologischer: Es kämen mehr Angehörige der Mittelschicht. Und die Autorin Lamya Kaddor, Vorsitzende des Liberal-Islamischen Bunds, deren Familie ebenfalls aus Syrien kommt, beschreibt den syrischen Islam als "konservativ, aber offen".
Der Satz "Der Islam gehört zu Deutschland", meint Kaddor, "wird erst wahr, wenn es der deutsche Staat ist, der für die Moscheen sorgt. Der die Jugendlichen annimmt. Der dafür sorgt, dass da ein Islam gelehrt wird, der zu einer freien Gesellschaft passt."

Wer sich bspw. weder als Syrer, Algerier etc. fühlt noch als Deutscher angenommen wird, sieht schnell sein Heil einzig in einem radikalen, fundamentalistischen Islam.
Wir haben es nun in der Hand, wie die Zukunft sich entwickeln wird. Doch Integration heißt auch gegenseitige Annäherung und Toleranz.
Das heißt, wir suchen bspw. im Dialog ethische Gemeinsamkeiten zwischen Koran und Christentum und auch wir können vom Koran etwas lernen und umgekehrt.

Dass evangelikale Christen, Atheisten, ultra-orthodoxe Juden oder auch Salafisten nie zusammenkommen werden, das ist klar, denn jeder sagt von sich, sie wären die wahren Gläubigen, wüssten die einzige Wahrheit für alle.

Die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor betont, dass wir uns bei den Grundprinzipien, nämlich Demut vor Gott und vor der Schöpfung, Mitmenschlichkeit, Dankbarkeit, Nächstenliebe im Grunde genommen sehr einig drüber sind.

Die AfD hat letztlich keine Lösungen außer Abschiebung und Ausgrenzung (Storch'sche Schießbefehl). Sie sorgt für Zwiespalt und Vergiftung.
Es geht ihr nicht um Problemlösung (das muss sie erst mal beweisen) sondern um Aufwiegelung, um Stimmen zu bekommen, um nationalistische Kleindenkerei.
Hier sollten sich AfD-Politiker wie B.v. Storch doch etwas mehr mäßigen. Nichts gegen einen gesunden Patriotismus oder einen gewissen Wertkonservatismus, aber bitte nicht auf dem Rücken von Minderheiten indem man schon wieder eine Terroranschlag der IS dazu missbraucht, um die Stimmung gegen die Muslime weiter anzuheizen.

Die Terroranschläge haben nämlich nichts mit „dem Islam" zu tun. „Den Islam” gibt es auch gar nicht. Aber er gehört zu Deutschland. Beim Kampf gegen den islamischen Terror sind nun die islamischen Religionsgemeinschaften gefragt. Islamismus bekämpft man nämlich am effektivsten mit dem eigentlichen, dem friedlichen Islam, der nichts mit dem Islamismus zu tun hat

Europa wird aber letztlich die „kulturelle Krise" überstehen, genauso wie die ökonomische, und wir werden besser, stärker und klüger daraus hervorgehen, auch wenn es immer wieder gesellschaftliche und diskursive Rückschritte gibt.
Wir müssen dennoch als Europa gemeinsam zu unseren Werten stehen bzw. weiter danach streben. Rückschritte sind normal, wenn man zu schnell und zu weit vorgeprescht ist, die Menschen überfordert sind. Die Geschichte der europäischen Integration war aber schon immer eine Geschichte von Versuch und Irrtum, von Erfolgen und Rückschlägen.
Doch langfristig gesehen ist Europa, und vor allem auch seine wachsende Einheit, eine Erfolgsgeschichte, um die uns die Welt beneidet und zum Teil auch hasst, wie oben beschrieben.

Vier Elemente sind es vor allem, warum sich die Welt Europa immer noch zum Vorbild nimmt: seine Werte; sein Weg, durch wissenschaftliche Erkenntnis den - nicht zuletzt auch materiellen - Fortschritt der Menschen zu befördern; seine Regierungs- und Ordnungssysteme und deren Rechtsgrundlagen; seine Hochkultur in Musik, Kunst, Literatur und vielem mehr. Diese Werte werden auch nicht dadurch beschädigt, indem wir andere Kulturen wie die Muslime bei uns aufnehmen.
Diese Werte bedeuten für die Welt eine attraktive Vision von einem lebenswerten Leben und Zusammenleben. Europa - mit seinem abendländischen Wertekanon - ist das geworden, was wir aus unserer Kultur von Offenheit, Freiheit, Vielfalt und Wettbewerb, aus der Achtung vor dem Menschen und dem Recht gemacht haben: das maßgebliche globale Kraftzentrum.

Keine absolutistische Monarchie, kein Gottesstaat und keine Diktatur waren jemals so erfolgreich wie das vielfältige, freiheitliche Europa.

Die zukünftigen Fragen und europäischen Verantwortungen werden aber weiterhin sein:

Wie kann die Macht des christlichen Glaubens und der Vernunft dazu beitragen, eine Kultur des gegenseitigen Respekts zu erschaffen, eine Zivilisation, in der Unterschiede nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung wahrgenommen werden?

Und wie können wir auf ökonomischer Ebene gemeinsam die Arbeitslosigkeit und Armut in Europa bekämpfen und unsere Werte in andere Länder exportieren.

Gruß

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