DEMOKRATIE IST ALS IDEOLOGISCHES HIRNGESPINST ENTLARVT

Geschrieben von Niederbayer am 16.03.2017 18:23:34:

Diese Erkenntnis über Demokratie als Hirngespinst kann man auch bei Autoren wie Kuehnelt-Leddihn, Edmund Burke, Hans-Herrmann Hoppe, Nicolás Gómez etc. nachlesen. Die Gründerväter der USA hatten mit einer Demokratie, die als totale Volksherrschaft verstanden wird, ebenfalls nichts am Hut. Selbst Rousseau hat im Nachhinein persönlich festgestellt, dass sein Gesellschaftsvertrag für die Tonne ist.

Das Wort Demokratie kommt in der amerikanischen Verfassung NICHT EIN EINZIGESMAL vor!! Denn die Gründerväter waren sehr weise und sagten damals schon: Demokratie ist immer die Vorstufe zur Despotie.

Auch in der Schweiz ist alles staatlich reguliert. Sie ist ein Rechtsstaat und hat auch eine Zentralbank und der Schweizer Franken ist an den Euro gekettet ergo an den Entwicklungen an den internationalen Währungsmärkten abhängig.
Sie steht im Demokratieranking nur Platz 14 (noch nach Deutschland und USA). Zudem als Kleinstaat immerhin auch mit 41% des BIP Staatsverschuldung.

Wirklich libertär lebt man nur jenseits einer Organisation der Fremdherrschaft, egal in welcher Form eine solche sich manifestiert, ob sozialistisch, kapitalistisch oder feudalistisch. In der Schweiz lebt man zwar libertärer als in Nordkorea, aber trotzdem nicht libertär.

Hoppe z. B. kann kein fähiger Denker sein, wenn er nicht in der Lage ist zu erkennen, dass einigen notwendigen Aspekten des gesellschaftlichen Lebens von der Natur der Dinge eine Monopolstellung mitgegeben wurde, womit die von ihm naiv bestaunten marktwirtschaftlichen Prinzipien leider außer Kraft gesetzt sind.

"Echte (direkte) Demokratie" mag in Gesellschaftssystemen von einigen tausend Menschen funktionieren, ohne dass sie zur „Pöbelherrschaft" verkommt. Bei einigen hundert braucht man dagegen GAR KEINE Ideologie für den Systemzusammenhalt.

„Lösungen" gibt es IMHO keine. Nur Herrschaftsstrukturen, die ihre Zeit haben - d. h. temporär notwendig sind um das Gefüge zu erhalten und wieder abtreten müssen, wenn sie ihre Aufgabe erledigt haben. Die „echte Demokratie" hat jedenfalls ausgedient und sie kann in Zeiten der permanenten, jahrzehntelangen Krise unmöglich die Antwort sein, wenn wir die Zukunft nicht noch katastrophaler gestalten wollen, als sie ohnehin wird. Die Frage ist, ob wir Alternativen haben, die auch praktisch realisierbar sind.

„Keine Macht für Niemand“ war ein erfolgreicher Song der Gruppe „Ton, Steine, Scherben“ und ein anarchistischer Slogan, Ziel der Anarchisten ist individuelle Freiheit durch Abschaffung des Staates und anderer Herrschaftsformen. Der erste Theoretiker, der sich „Anarchist“ nannte, war Pierre Joseph Proudhon („Eigentum ist Diebstahl").

Proudhon hat seine Alternative zu Staatssozialismus und kapitalistischer Marktwirtschaft „Mutualismus“ genannt, womit „freie solidarische Vereinbarung“ gemeint ist. Mit seiner Alternativökonomie lasse sich der Kapitalismus „niederkonkurrieren“, versicherte Proudhon. Er versuchte auch, seine Ideen praktisch umzusetzen, scheiterte aber.

Anarchie bedeutet somit: die Abwesenheit von staatlich vollstreckbaren privaten Kontrakten (bürgerl. Schuldrecht) ---> daraus folgt die Abwesenheit einer stabilen Währung ---> daraus folgt daher die Abwesenheit einer dynamischen (innovativen) Ökonomie mit Zwang zur Ausdifferenzierung der Arbeitsteilung
---> private „Sicherheitsdienste", die nach der Methode „Pistole auf die Brust" arbeiten (neben traditionellen, auf Solidarität beruhenden Beziehungen und anderen privaten Vermittlungsdiensten, wie von E. Luba Vinogradova beschrieben)

Empirische Tatsache ist, dass dort, wo dieses Zivilrecht nicht gilt, sich das Recht des Stärkeren durchsetzt. Egal ob das im Wilden Westen, im Wilden Osten oder in „nicht-/halblegalen" Bereichen einer ansonsten funktionierenden zivilrechtsbasierten Gesellschaft (wie dem Rotlichtmilieu, als es noch illegal war), ist. Anarchokapitalisten und Sozialisten leben von denselben aufklärerischen Freiheits-/Fortschrittsillusionen und Menschenbildern, die sich leider jenseits der Realität befinden.

Diese herrschaftslose Gesellschaft kann auch nur auf zwei Arten „bewiesen" werden: indem sie - nicht nur kurz verlöschend, wie niedergeschlagene Volksaufstände, sondern über Jahrhunderte nachweisbar stabil - real existiert, oder indem man sie axiomatisch „beweist". Letzteres sehe ich aber noch nicht.

Nur: die Erwartung, man müssen die Menschen nur von äußeren Zwängen befreien (Sozialisten: vom „Kapital", Anarchokapitalisten: vom „Staat"), dann würden sie schon von selber „produktiv", „innovativ" und würden Wohlstand in ungeahntem Ausmaß produzieren - die scheint mir frommer Glaube zu sein, der auf einem bestimmten Menschenbild beruht und auch von der Evolutionsideologie flankiert wird, sich aber in der Realität als Irrglaube herausstellt.

Es ist nicht Freiheit als solche, sondern das Zueinander von Vertragsfreiheit plus Schuldendruck (Geldknappheit) und damit dem Zwang, bei Strafe des ökonomischen Untergangs besser sein zu müssen als die anonymen Wettbewerber, das erst zu „Fortschritt", „Wohlstand", „Arbeitsgesellschaft", „dynamischer Entwicklung" etc. geführt hat - die menschliche Natur allein ist das nicht.

Das geht nicht ohne Staat, der die allgemeine, flächendeckende Vollstreckbarkeit der Schuldtitel garantiert (ziviles Schuldrecht) und damit zirkulationsfähige, anonymisierbare Wertpapiere (als notwendige Basis für eine „stabile Währung") überhaupt erst möglich macht (Hernando de Sotos Thema in „The Mystery of Capital" - er ist mangels Geldtheorie „Happy-End" -Liberalist, aber immerhin kein frommgläubiger Anarcholiberalist).

Staatenlose Gesellschaften hingegen wie Stämme (Solidargemeinschaften) kommen/ kamen bestens zurecht. Märkte sind (historisch) bewiesenermaßen aber nur nach Staatenbildung definierbar. Es wurden zwar durchaus auch Vorräte geschaffen, das waren aber keine Überschüsse, sowie es auch keine Vorrats"wirtschaft" gibt, weil Wirtschaft erst nach installierter Zentralinstanz möglich wird (ansonsten fehlende Haftungsräume, Eigentum etc.).

Somit ist die vereinfachte Definition: „Wirtschaft ist Umgang mit Nutzung von knappen Ressourcen" zu kurz gefasst. Nein: Wirtschaft ist zudem auch das Operieren mit Eigentumsrechten (Verpfändung, Verkauf, Kredit etc.) in ANONYMEN sich nicht vertrauenden Wirtschaftssubjekten in Hyperkollektivgesellschaften.

Vor dem Kolonialismus hat es viele Gesellschaften gegeben, die von Wirtschaft nichts gewusst haben, und wo die Menschen sich auch irgendwie ernährt und gekleidet haben oder auf einfachen Tauschbeziehungen existiert haben.

KEINE ZENTRALINSTANZ ENTSTEHT AUS SICH SELBST HERAUS

Die Entstehungsphasen der Zentralinstanzen waren stets einem Betrug an den niederen Segmenten geschuldet. Ob nun Regenmacher und Sonnenkönige eine Gefolgschaft durch Glauben ermöglichten, oder spätere Herrscher durch große Infrastrukturvorhaben (Bau von Bewässerungssystemen, Kathedralen etc.) die Massen zur Gefolgschaft überredeten. In allen Fällen greifen Charismatiker (Machtbesessene) intern auf bereits vorhandene Segmente und damit vorhandene Selbstversorgungen / (auch Vorräte) zurück. Und das nur, weil die Gefolgschaft sich zunächst etwas davon verspricht (Gefolgschaft = Forderung / Charismatiker = Schuld).

Im Gegensatz zur machtbesessenen Zentralinstanz dauerten die Instanzen immer nur so lange an, wie sie sozial bzw. politisch notwendig waren (Brückenbau = Brücke fertig, Blutrache = Affe tot). Aber für die Schaffung einer krampfhaft anhaltenden Zentralinstanz (Bemächtigung/Herrschaft/Legitimation) sind als Fundamente bereits Instanzen (segmentäre Gesellschaften bzw. herrschaftslose Gesellschaften) notwendig.

Und die Strukturen (bis hin zu Opfergaben) dieser herrschaftslosen („akephalen") Gesellschaften bzw. Gemeinschaften sind bestens geeignet, um Abgaben unter einer Zentralmacht gegenüber Internen sofort zu erheben. Nur damit lässt sich die Macht halt nicht halten bzw. der Herrschaftsbereich expandieren.

Dazu muss sich nun weiter aufgeschuldet werden und es bedarf Tribut und Beute von Externen, um die einzelnen Schulden zu besichern und zum Termin zu tilgen.(vgl. auch Römisches Reich u.a.). Insgesamt wachsen die Schulden der Zentralinstanz immer. Denn Konsum und Redistribution an Untertanen plus Schuldentilgung sind über die Zeit immer größer, als die Einnahmen aus Abgaben/Tribut/Beute. (sonst ist der Legitimitätsglaube und Gefolgschaft sofort futsch) Weltweit über Jahrtausende zu beobachten.

Das Geld schon immer ein Machtderivat war, ist historisch durch zahlreiche archäologische und schriftliche Quellen sehr gut untermauert.
Kurz noch einmal die einzelnen Schritte zusammengefasst, wie Geld entstanden ist. (soweit sie sich historisch belegen lassen):

Geld ist NICHT als Erleichterung zum Tausch entstanden

1. Geld ist ohne Eigentum nicht definierbar.
2. Eigentum ist ohne Macht (angedrohte oder eingesetzte) nicht definierbar.
3. Macht ist ohne (überlegene) Waffen nicht definierbar.
4. Das erste (personale) Eigentum ist die Waffe. Ihr Besitz besichert durch ihre Eigenschaft ihr Eigentum.
5. Jetzt ein kleiner Exkurs: Vor 70.000 Jahren war die Zahl der Menschen (homines sapientes) fast ausgestorben:

Danach begann eine rasante Bevölkerungsvermehrung, die in Schüben bis heute anhält. Aus den noch vorhandenen 2000 Exemplaren wurden 6,5 Milliarden. Im Laufe dieser Entwicklung bildeten sich zunächst kleine Trupps (30/50), die beim Erreichen der „Dunbar-Nummer“ (ca. 150) eine „kritische Masse“ erreichten.

Bei größeren Human-Agglomerationen, kommt es in der Regel zu Stammesteilungen. Treffen solche Stämme bzw. Sub-Stämme auf Fremdstämme entstehen Konflikte. Die verlaufen zunächst in einem Hin und Her (mal gewinnt der eine, dann der andere), so dass ein fragiles Gleichgewicht entsteht.

Das änderte sich, als es den Quantensprung in der Waffentechnik gab – weg von Pfeil und Bogen, Steinzeug usw. hin zu Waffen die aus Metall gefertigt wurden und dies mit erheblicher Geschwindigkeit. Das Metall war Bronze (daher „Bronzezeit“), eine Kupfer/Zinn-Legierung, deren Optimierung eine Zeit in Anspruch nahm.

Der Ursprung der Bronzewaffentechnik ist nach Muschiston (Tadschikistan) zu verorten: Von dort aus beginnt der Siegeszug der Bronze (bei der Herkunft des Zinns gibt es unter Experten noch offene Fragen), die schließlich auch bei jenen Stämmen Mittel- und Vorderasiens ankommt, die mit Hilfe ihrer überlegenen Waffen die dort – zumal im fruchtbaren Halbmond - siedelten Haus- und Ortsgemeinschaften, Stämme usw. dauerhaft unterjochen und zu Abgaben, also zu „Schulden ex nihilo“ zwingen konnten. Eine bronzefreie Parallelentwicklung im präkolumbianischen Amerika und anderswo sei hier ausgelassen.

Die Abgaben an die neuen Machthaber (Chief, Clique) musst auf den riesigen Gebieten (Latifundien) zunächst in natura geleistet werden. Verantwortlich waren sog. „Aufseher“, die sich nach Soll-Vorgaben zu richten hatten. Beim Unterschreiten des Solls wurden sie entweder sanktioniert (Eingliederung in die Arbeitertrupps) oder sie hatten die Möglichkeit, sich bei jenen Aufsehern, die mit Übersoll aufwarten konnten, die Differenz zu leihen.

Über den Leihvorgang wurden Dokumente ausgestellt, die zinsfrei waren. Ein Zins entstand erst, wenn der Inhaber eines Leihdokuments vor dessen Fälligkeit seinerseits an die Naturalien kommen wollte oder musste. Das Dokument wurde diskontiert, woraus sich automatisch ein Zinssatz ergibt.

Um die komplizierten Naturalabgaben-Vorgänge zu erleichtern, setzten die Herrscher (nachzuweisen u.a. am Codex Hamurappi) zunächst für die Standard-Naturalie Gerste – die sich durch in sich gleichgewichtige Körner auszeichnet – eine Parität zu Silber fest: 180 Körner = 1 Shekel. Die Möglichkeit mit Körnern zu bezahlen wurde detailliert geregelt bzw. allmählich verlassen, vgl. das berühmte Beispiel der Schankwirtin.

Die Abgaben waren schließlich in Silber zu leisten,wobei nicht mehr einzelne, sondern in der Regel ganze Gemeinwesen hafteten.

Wird „Geld“ als „Zahlungsmittel“ definiert, ist zu fragen, um welche Erst-Zahlung es sich denn gehandelt haben mag. Eine Tilgung einer Geldschuld kann es nicht sein, da dann wieder gefragt werden müsste, wie und wozu denn das „Erst-Geld“ entstanden sein mag und wer es sich und wie beschafft haben mag. Also ein Zirkelschluss.

Die Vorstellung, Geld sei als „Tauschmittel“ erfunden worden, entbehrt jeglicher historischer Basis (vgl. den bekannten Aufsatz Daltons über „barter“ u.a.)

Gold- und Silberbergbau waren, selbst wenn sie privat betrieben wurden, schon immer unter die Kontrolle des Staates gestellt, und das Münzprägerecht war ein staatliches Monopol. Wenn nämlich jemand dieses allgemeine Tauschmittel in der Hand hat, so hat er eine Verfügungsgewalt über die Gesellschaft: Diese Instanz kann den anderen die Bedingungen des Tausches bestimmen, aufnötigen.

Diese Instanz hat die Möglichkeit, zu bestimmen, was etwas wert ist und was nicht. Deshalb haben sich die feudalen Regierungen – Könige, Kaiser, Fürsten – das Monopol über die Gewinnung von Edelmetallen und das Münzprägerecht im weiteren historischen Verlauf stets gesichert.

Alle, die auf den Markt gegangen sind und dort etwas loswerden wollten, haben dafür dieses allgemeine Tauschmittel, das Geld, haben wollen. Und deswegen selbstverständlich akzeptiert, dass ihr Ware in diesem Wert, dieser Münze gemessen wird. Das heißt soviel wie: Sie haben ein allgemeines Wertmaß anerkannt, dem sich ihre Produktion, ihre Ware unterordnen muß, weil die nur dadurch einen allgemein anerkannten Wert erhält. Und dass ihr Produkt, ihre Ware nur dann, wenn sie diesen Wert an Land ziehen kann, versilbert werden kann, überhaupt Wert hat, also verkäuflich ist.

Später dann im Mittelalter stellten Kaufleute Wechsel/Inhaberschuldverschreibungen aus und Banken druckten Banknoten. Es entstanden also Papierzettel und diese privaten Wert-Ersatz-Zettel hatten ihre Gültigkeit als Vertreter von Ware oder Münzgeld. Sie waren glaubwürdig z. B. durch Bezug auf zu verkaufende Ware (es waren reiche Händler und Bauern, die solche Inhaberschuldverschreibungen ausstellen konnten, weil sie bei Ausfall bereit waren, zu haften) oder durch Versprechen auf Münzgeld/Gold. Der Staat lernte daraus, und aus der Nachfrage nach seinem eigenen Münzgeld, dass dieses ersetzbar war: Durch Zahlungsversprechen des Staates, die er dank seiner Gewalt garantierte. Daraus entstanden im weiteren Verlauf dann die staatlichen Währungen.

DIE VORFINANZIERUNG IST DER ANFANG JEDER MACHTVERANSTALTUNG

Ich selbst würde nach einigen Büchern über Herrschaftsentstehung aus segmentären Gesellschaften (in irgendeiner Art und Weise immer der Anfang) sogar soweit gehen, zu behaupten, dass man diese Vorfinanzierung in ihren Anfängen (bis der Zwingherr die Unterwerfung durch ausreichende Machtmittel über physische Sanktion schlagartig beschleunigt) auch mit Vertrauen oder Glaube gleichsetzen kann.

Wo sich in den Entstehungsphasen erster Herrschaftsformen die Menschen noch etwas davon versprachen (Forderung), die Charismatiker (An die Macht strebenden) spiegelbildlich etwas schuldeten (gutes Erntejahr, Schutz vor Naturgewalt etc.), entwickelte sich das Versprechen unter der offenkundig gewaltsamen Zwingherrschaft (wegen der Abgabe) - wertmäßig - zu einer konkreten Forderung der dienenden Söldner etc.. Denn nun war die Parität zur Abgabe im Spiel. Die Schweine rennen ihr hinterher.

Es gab auch nicht genug Lebensmittel für alle, keine Homogenität. Die segmentären Gesellschaften (noch vor Zentralmacht) folgten den Charismatikern (späteren Zwingherren) zunächst einzig und allein aus Glaubensgründen, versprachen sich Besserung ihrer Situation. Diejenigen die konnten, überliessen Vorräte, andere übten Konsumverzicht (Hunger).

Zusammen stellten sie dafür jedoch Forderungen an die Experten und Propheten der damaligen Zeit. Und Überschussproduktion ist eben erst durch eine Zentralinstanz denkbar, denn ohne Zwang produziert niemand ein „Surplus", weil sich niemand freiwillig aufschuldet und damit seine eigene Existenz gefährdet. Also ein Mehr zu produzieren klappt nur, wenn die Zeit dafür (von Besiedlung, über Anbau bis Ernte und Lagerung) vorhanden ist. Wenn sie von Anfang an fehlt (Termin einer Leistung liegt nicht weit genug hinten), muss sich verschuldet werden.

Mit der Abgabenforderung müssen die Abgabepflichtigen Überschuss (zunächst Natural) erzeugen. Wie können sie das?!

1) Durch eigene Effizienzsteigerung, 2) durch Konsumverzicht (primär Hungern) und 3) durch Verschuldung/Vorfinanzierung bei stärker positionierten Untertanen oder Verwaltern. Und aus der dritten Möglichkeit erwuchs der noch heute wirkende Antrieb der Aufschuldung: Das Profitversprechen als Gläubiger! Denn jedes Schwein rennt hinter der Abgabe her, was ein vor die Nase halten wertvoll macht.

GIBT ES ALTERNATIVEN ?

In Krisenzeiten finden allerlei skurrile Ideen Resonanz. Die Perspektive einer lokal oder regionalen Ökonomie mit „fairen Preisen und Löhnen", eine Art gebremster Kleinkapitalismus, ist in der Linken, in der Umweltbewegung und unter Globalisierungskritikern verbreitet.

Auch Silvio Gesell versuchte mit seiner „Freiwirtschaftslehre", den Gegensatz zwischen kapitalistische Marktwirtschaft auf der einen Seite und staatssozialistische Planwirtschaft aufzulösen. Für erstrebenswert hielt er eine Marktwirtschaft ohne Zins, ohne die Möglichkeit, unbegrenzt Land und Boden zu besitzen und durch Kapital weiteres Geld zu verdienen und damit ohne Arbeit Einkommen zu erzielen.

Gesell plädierte im Sinne sozialdarwinistischer oder besser gesagt vulgärdawinistischer Ideen für einen unbeschränkten „natürlichen Konkurrenzkampf", für die Auswahl der Besten im Kampf ums Dasein in einer herrschaftsfreien Gesellschaft:„ [...]Denn Arbeit ist die einzige Waffe des gesitteten Menschen in seinem Kampfe ums Dasein. Doch steht es außerhalb jedes Zweifels, dass der freie Wettbewerb den Tüchtigen begünstigt und seine stärkere Fortpflanzung zur Folge hat [...]".

Die Botschaft von Silvio Gesell ist aber viel zu einfach, sie stimmt nicht, weil sie den Produktionsprozess weitgehendst, vielleicht sogar vollkommen ausblendet und nur den Warentausch und die Arbeit beäugelt.
Die heutigen Anhänger Silvio Gesells – u.a. organisiert in der INWO – in der „Internationalen Vereinigung für eine natürliche Wirtschaftsordnung“ - sind zwar oft keine blindgläubigen Gesellianer mehr, sie machen aber fälschlicherweise, wie Helmut Creutz, noch immer Zins- und Geldpolitik für Wirtschaftskrisen verantwortlich.

Die Gesellsche Freiwirtschaftslehre stellt dem entwickelten Kapitalismus ein vorkapitalistisches Ideal gegenüber. Gegenüber der Scheidung der Produzenten von den Produktionsmitteln propagiert sie eine Rückführung auf einen Zustand, wo der Produzent gleichzeitig Bauer und Handwerker ist und seine Waren auch selber auf dem Markt veräußert. Sie ist daher auch populär bei Aussteigern, die ihr Heil in landwirtschaftlichen Kommunen suchen.

Das erste und wichtigste, was gegen diese Freiwirtschaftslehre zu sagen ist, dass sie wirklichkeitsfeindlich ist. Es wird mit dieser Modellbauerei (und der geringste Einwand dagegen ist, dass sie rückwärtsgerichtet ist) so getan, als würde unser Wirtschaftssystem nur auf Irrtümern beruhen und man müsste nur ein besseres erfinden, um alle glücklich zu machen.

Warum es um Geld geht, um Gelderwerb und Gewinn, und wer ein Interesse hat, es aufrechtzuerhalten – das interessiert nicht, dafür wird eine schöne neue Welt ausgemalt. Darin hat das Modellbauen und -denken auch seinen Nutzen in der heutigen Volkswirtschaftslehre: Da wird nämlich immer so getan, als wäre die Wirtschaft doch für uns alle da, und man brauchte nur das richtige Modell. Und wenn man eines hat, und es taugt nix, dann macht man sich an die Konstruktion des nächsten. Die Interessen, die in der Welt vorherrschen, und ihre Vollstrecker sind bei so einer Luftschlossbauerei natürlich fein heraus.

Wie in der Gesellschen Freiwirtschaftslehre Grundrente und Zins eliminiert werden, ist auch sehr elegant: Er überlegt sich nicht, wie sie in die Welt kommen, also warum es beides gibt, sondern erklärt sie zu unerwünschten Elementen eines Baukastens, die man einfach – unter Beibehaltung anderer, guter, wie der Ware oder des Geldes – eliminieren kann.

Die Arbeit (sofern sie ehrlich und eigen ist) bekommt hingegen ein großes Lob. Nur wer arbeitet, soll auch essen. Es ist möglich, dass Silvio Gesell nicht so gedacht hat, aber die Verlängerung ist jedenfalls drinnen.
Zweitens wird so getan, genauso wie bei den bekennenden Verteidigern der Marktwirtschaft, als ob alle Bedürfnisse durch den Markt befriedigbar sind. Jeder stellt her, was er kann und will, und für alles findet sich ein Abnehmer. Das Bedürfnis selber, sofern es nicht einen Gegenwert anbieten kann, wird bei Gesell dabei genauso negiert wie im Kapitalismus.

Zudem ist es generell Unsinn, Daraus folgt, dass die ökonomische Kategorie „Wert“ nur in einer Gesellschaftsform Geltung hat, in welcher Waren zwischen den isolierten Produzenten ausgetauscht werden – im Gegensatz zu einer von vornherein unmittelbar gemeinschaftlichen Produktion und Verteilung der Güter.

Schon David Ricardo erkannte, dass die Arbeitswertheorie (AWT) von Adam Smith wenig tauglich ist, da letztlich der Gebrauchswert mitunter den Preis bestimmt, welcher der Unternehmer erzielen kann. Denn dem Konsument interessiert nicht, wieviel Arbeitsstunden in einem Produkt/Vorprodukt und Produktionsmittel) stecken. Waren, die nicht nützlich sind, haben keinen Wert, gleichgültig wie viel Arbeit auf ihre Herstellung verwendet worden war.

Ferner drücke sich Adam Smith ungenau aus, wenn er sage, dass der Wert einer Ware der Arbeit entspräche, die damit gekauft werden kann. Es ergibt sich aber ein Problem, wenn Waren gegen „Arbeit“ getauscht werden, welche dann Waren mit einer höheren Wertsumme schafft. :-)

Ricardo schlussfolgert schließlich, dass der Wert der Arbeit gleich dem Wert derjenigen Waren ist, welche die Arbeiter zu ihrem Leben einschließlich Nachkommen brauchen, den s.g. „natürlichen Preis der Arbeit“, von welchem der Marktpreis der Arbeit vorübergehend abweichen kann.

Ricardo zieht daraus den Schluss, dass höhere Löhne zu Lasten der Profite gehen, weil der Wert der Waren insgesamt durch die Arbeitszeit bestimmt ist, also nicht steigt, wenn die Löhne steigen.
Allerdings erkennt Ricardo, dass wenn die AWT unmittelbar richtig wäre, in kapitalintensiven Branchen mit wenig Arbeitseinsatz (z. B. Brauereien) sich eine niedrige Profitrate ergäbe, während in arbeitsintensiven Branchen (z. B.das Schuhhandwerk) sich eine höhere Profitrate ergäbe. Warum sollte dann aber ein Kapitalist in Brauereien investieren? Es muss zu einem Ausgleich der Profitraten zwischen den Branchen kommen.

Planwirtschaft hingegen als der Marktwirtschaft entgegengesetzt heißt zunächst einmal nur, dass erst einmal der Bedarf erhoben werden soll und danach die Produktion eingerichtet wird. Durch einen Plan wird sichergestellt, dass genau das hergestellt wird, was gebraucht wird (Die Frage ist, wer bestimmt, was gebraucht wird).

Da aber auch die planwirtschaftlichen Hyperkollektiv-Gesellschaften keine selbstversorgenden autarken Solidargemeinschaften waren, muss die jeweilige staatliche Zentralbank dann zu der geplanten Gütermenge eine zugehörige „paritätische" Geldmenge drucken.

Heute, mit dem Internet wäre das natürlich überhaupt kein Problem, sagen bspw. libertäre Computer-Nerds, dass jeder seine Wünsche anmeldet, und die Produktionsmöglichkeiten ermittelt werden, und dann bringt man die beiden irgendwie zusammen. Damit wäre eine ineffektive Planungskommission wie bspw. in der DDR ausgeschlossen.

Und die Produkte müssen dann auch nicht mehr vergleich- und austauschbar sein und in Geld bewertet werden und der unsinnigen Arbeitswerttheorie hätte man sich damit entledigt. Der Wert einer bestimmten Menge eines Produktes wird für Petty ablesbar an der Größe der zur Produktion eingesetzten Bodenfläche sowie an der Menge an Arbeitszeit, die auf das Produkt verwendet worden ist. Deshalb stellt sich für Petty das Problem: Gesucht ist ein natürlicher Umrechnungsmaßstab, der es erlaubt, die eine Maßgröße in die andere umzurechnen.

Arbeit ist demnach angeblich das wahre oder tatsächliche Maß für den Tauschwert aller Güter. Der durch die Arbeit bestimmte Wert der Güter teilt sich also von der Einkommensseite her auf in Lohneinkommen, Gewinneinkommen

Der Wert wird in der marxistischen politischen Ökonomie als gesellschaftliches Verhältnis zwischen den Warenproduzenten bestimmt, dem die Verausgabung von menschlicher Arbeit im allgemeinsten Sinne – von Karl Marx als abstrakte Arbeit bezeichnet – zugrunde liegt. Diese aller Arbeit gemeinsame Substanz ermöglicht und erzwingt unter den Bedingungen der Warenproduktion, die Produkte als Waren vergleich- und austauschbar zu machen.

Dieser Austausch erfolgt nach dem Äquivalenzprinzip, das heißt, dass die Waren sich zu ihren Werten austauschen. Hierin besteht der Inhalt des Wertgesetzes von Marx, demzufolge sich der Wert einer Ware zum Wert einer anderen Ware verhält "wie die zur Produktion der einen notwendigen Arbeitszeit zu der für die Produktion der andren notwendigen Arbeitszeit".

Heute sind diese Arbeitswerttheorien obsolet geworden, wie wir wissen und haben sich als falsch herausgestellt.

Heute ist es so, dass private Unternehmer produzieren und die Bedürfnisse ermitteln, indem sie die Bedürfnisse der Vergangenheit und der Gegenwart analysieren und versuchen, immer wieder neue zu schaffen. Um am Markt bestehen zu bleiben, bedarf es immer wieder der Vorfinanzierung (Kredite), um zu investieren (falls man nicht in der glücklichen Lage ist, reichlich Überschüsse in Reserve zu haben für spätere Investitionen).

Es ist also niemals überall genügend "Liquidität" bzw. Geld da im System, sondern es bedarf ständig neuer Kredite, um Liquiditätsengpässe zu überbrücken bzw. um Zeit zu erkaufen, bis Investitionen sich auf dem Markt in monetären Einkommen/Umsätzen endgültig realisiert haben.

Dabei kann mitunter viel Zeit vergehen, bis ein Kredit auch getilgt werden kann, da die anderen Kosten des Unternehmers ja weiterlaufen, womit sich dann auch die Zinskosten akkumulieren. Dennoch erlaubt der Kredit dem Unternehmer - neben seinen Verbindlichkeiten - auch Umsätze zu machen und regelmäßige Gewinne zu realisieren.

Eine Kritik am modernen Geld ist ja die, dass es „ungedeckt" sei und deshalb jederzeit an Wert verlieren könne, wie man immer wieder liest. Solidarökonomen gehen noch weiter und sagen, dass Geld und Wertproduktion an sich Dinge sind, die zu bekämpfen und abzuschaffen sind, anstatt sich um ihre Haltbarmachung Gedanken zu machen. Hier sind wir wieder bei dem o.g. Problem der Anonymität.

Denn solidarisch verhält der Mensch sich überwiegend nur in kleinen Systemen, es ist sozusagen ein „Stammestier". Massenwarenproduktion bedeutet aber Anonymisierung der Arbeitsprozesse innerhalb der Wertschöpfungsketten, wo sich halt nicht jeder gegenseitig vertraut und lieb hat.

Modernes Geld ist heute überwiegend durch Schuldtitel gedeckt sprich durch Leistungsverprechen bonitärer Produzenten (Unternehmer, Arbeitnehmer), die mit ihrem Eigentum (Haftungsmasse) einstehen und versprechen regelmäßig zu produzieren und Einkommen zu erzielen, um zu tilgen, indem sie ihre Leistung auf dem "Markt" anbieten.

Kann Geld überhaupt durch Edelmetalle/ Waren gedeckt sein?

Auch das gab es ja schon. In Nationalbanken lagerten Silber- oder Goldschätze, die den Wert des in Umlauf gebrachten Papiergeldes garantieren sollten. Nur: Sobald das Vertrauen in das Papiergeld verlorenging und die Bürger die Papierzettel gegen Geldware eintauschen wollten, so war natürlich immer zuwenig davon da und die Parität mußte aufgehoben werden. Denn jede Goldmenge, die in der Bank liegt, ist als Schatz totes Kapital, deswegen wurde sie immer gering gehalten und stellte nur einen Bruchteil des in Umlauf befindlichen Geldes dar.

Diese Art von Deckung gilt nur, solange sie geglaubt wird. Sie kann Geldwert nicht garantieren. Ich sage das auch deshalb, weil es inzwischen wieder Vorschläge gibt, einen Goldstandard einzuführen. Sobald aber ein Staat sagt: 200 Euro / Dollar etc. sind so viel wie eine Unze Gold – wer glaubt ihm das? Und das Gold, um dagegen jede beliebige Menge Papiergeld (bzw. digitales Zentralbankgeld) eintauschen zu können, hat kein Staat, und es gibt auch gar nicht so viel Gold davon auf der Welt.

Und Gelddeckung durch Waren? Wie soll das gehen? Wenn auf Geldscheinen ein Nominalwert aufgedruckt ist und einem Geldberg ein Warenberg gegenübergestellt wird, wie soll sich da „Deckung“ einstellen? Wieviel Geld eine Ware wert ist, ist zunächst etwas, was sich normalerweise erst am Markt herausstellt und ist abhängig von der Summe der gesamtwirtschaftlichen Kredite, welche die Summe aller Geldguthaben bestimmen bzw. an der tatsächlich nachfragenden Geldsumme, welche auf das Warenangebot trifft.

Man müßte, um die angestrebte „Deckung“ oder Entsprechung zwischen Waren und Geldzetteln zu erzielen, den Wert jeder einzelnen Ware in Geld dekretieren und Preisveränderungen unter Strafe stellen. Dann ist aber der Markt futsch und wir sind im realen Sozialismus, und es hört sich auch jede private Produktion auf.

Zudem, wenn die Warenlager geräumt sind, ist ein Großteil des Geldes immer noch da. Und nun? Also auch hier erkennt ein Laie, dass nicht die Waren selbst das Geld decken, sondern die Bereitschaft, auch zukünftig regelmäßig zu wirtschaften.

Zudem ist das Problem, dass der Großteil der Wertschöpfungsketten durch Kredite vorfinanziert werden muss, um ÜBERHAUPT anfangen können zu wirtschaften. Daraus folgt, dass (über Banken) mehr Geld generiert werden muss, als für den „Gütertausch" notwendig wären. 70% aller Unternehmen haben heute Verbindlichkeiten in ihren Bilanzen, damit sie überhaupt auf dem Markt bleiben können.

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Machen Sie sich also mit diesen Informationen selbst ein Bild, ob es gesellschaftliche und wirtschaftliche Alternativen geben könne und wie die aussehen sollen bei einer Weltbevölkerung von bald 9-10 Mrd. Menschen. Wird es eher zu mehr zu nationaler Abgrenzung kommen oder hin zu mehr supranationalen Instanzen und internationaler Kooperation über staatliche Institutionen. Zu mehr Staatsmacht oder hin zu weniger.

Kann Wirtschaft sich auf ziviler Basis herrschaftsfrei organisieren wie einige bspw. libertäre Bitcoin-Jünger glauben? Und wie werden die rechtlichen Instanzen aussehen und die Durchsetzbarkeit von Recht incl. Sanktionierung?

Gruß


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