Wachstumskritik ist ein Luxuxphänomen

Geschrieben von Niederbayer am 13.05.2017 14:22:41:


Für mich befindet sich das Modell der boomenden Wirtschaft in der Endphase weil es abgenutzt ist und der Menschheit sowieso keinen Genuß bereitet. Einmal abgesehen von den immer sichtbarer werdenden Folgen für die Umwelt.


Sicherlich ist das BIP kein Allheilmittel. Es sagt nichts darüber aus, wie glücklich und zufrieden die Menschen sind. Es weiß nichts davon, wie ungleich der vom Wachstum generierte Wohlstand verteilt ist. Und es ist auch dann positiv, wenn eine Gesellschaft sein Wachstum dadurch mehrt, dass es die Luft verschmutzt und das Wasser versaut.

Doch dass „Wachstum über alles“ der von Ökonomen angebetete oberste Götze sei, entspricht weniger der Realität als der Propaganda der Wachstumsfeinde.

So lässt sich schlicht ignorieren, dass das BIP trotz aller Kritik bis heute das geeignetste Maß für den Wohlstand einer Nation und ihrer Menschen ist. Wachstum hat eben doch etwas mit besserem Leben zu tun: Die Lebenserwartung korreliert mit wachsendem BIP pro Kopf. Länder mit höherem Nationaleinkommen können sich bessere Schulen leisten und ein ausgebautes Gesundheitssystem usw.

Es mag nicht für alle Zeit das geeignete Mittel sein, aber gegenwärtig immer noch das beste, um zukünftige Probleme dennoch zu lösen.
Bis heute benutzen die Degrowther ja einen mechanistisch und materialistisch eng geführten Begriff des Wachstums: alles, was pufft und stinkt.:-)

Wenn Menschen heutzutage aus Sand am Strand von San Francisco Chips für ihr iPhone fertigen, oder völlig neue Technologie produziert werden, schafft das auch Wachstum, ohne Schlote und Hochofen.

Seit dem Beginn der industriellen Revolution nach 1800 stieg das Pro-Kopf-BIP in der Welt von 500 auf 8000 Dollar. Während es um 1800 nur eine schmalen Kaste von Reichen gut ging, gibt es heute in vielen Ländern massenhaft wohlhabende Mittelschichten. (Natürlich auch immer noch einen Vermögensadel) Dass seit den achtziger Jahren in China mehr als 600 Millionen Menschen der Armut entkamen, ist eine Frucht des Wachstums.

Wachstumskritik ist ein Luxusphänomen, man muss sie sich leisten können, meint der Philosoph Hermann Lübbe: Sie ist eine Dekadenzfolge unseres durch Wachstum zustande gekommenen Reichtums.

Gruß

Vertraue nur deinem eigenen Arsch. Er steht immer hinter dir.


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