Über die Notwendigkeit einer Geldreform oder Wirtschaftsreform?

Geschrieben von Niederbayer am 18.05.2017 07:25:39:

Braucht es überhaupt eine Geldreform oder eher eine Wirtschaftsreform?

Vorweg:
Staatliches Willkürgeld ist die Zerstörungskraft des Geldes. Geld muss immer an eine Schuld gekoppelt sein, um als Sicherheit und höchste Garantie geachtet zu werden. Deshalb kostet es auch einen Diskont (Steuer). Das rührt von ältesten Münzhoheiten (Kroisos) bis in die heutige Gegenwart. Diskont, weil die Akzeptanz der Gläubiger absolut sicher ist.

Alle Vorstellungen einer unbesicherten Kreditvergabe (Hubschrauber, ZB-Bilanzausweitung o.ä.) existiert nur deshalb, weil die wenigsten Laien da draußen die Beleihungsfähigkeit von Forderungstiteln bzw. die geldpolitischen Instrumente der Noten-/Zentralbanken verstehen. Geld ist immer an Schuld plus Besicherung geknüpft, ob nun dinglich anhand von Eigentümern, oder schuldrechtlich durch Beleihung von Forderungstiteln.

Die übrigen Geldveranstaltungen (Bitcoins, Regiogeld, Rheingolder etc.) sind immer vom Schuldgeldsystem abhängige Veranstaltungen. Es muss immer wieder klar gestellt werden, dass die Zahlungsfunktion alleine Geld nicht definieren kann. Warum? Weil es nicht um die Zahlung, sondern die erste und alle folgenden Verschuldungen geht.

Das Geld dient ausschließlich der Zählung von Schulden. Die Aufzählung von Schulden muss gewahrt sein (Währungscharakter), durch Vollstreckung und absolute Fälschungssicherheit. Aber wie gesagt, man braucht eine Währung, die Kredit (Vorfinanzierung, keine Leihe von bereits existentem Geld) ermöglicht. Sonst läuft kein Prozess, nicht einmal der staatliche, an. So ist auch 1948 als erstes die Zwangsanleihe (Verschuldung) des Staates zu beobachten, nicht umgekehrt.

Denn Geld ist die Wandlung von Eigentumstiteln und Forderungstiteln (Besicherung) plus Kredittitel (Vertrag mit Kreditinstitut). Jemand kommt mit Verschuldungswillen zur Bank oder hat sich bereits verschuldet (Hauskauf, Aktienkauf), bekommt mit ausreichend Besicherung neues Geld und kann statt seine Schuld in Sachen zu erfüllen, nun erfüllungshalber Geld anbieten. Geld ist ein Versprechen, heute von höchster staatlicher Instanz, auf zukünftige Leistungsinanspruchnahme.

Und Leistungen sind IMMER vorfinanziert. Viele haben die geldpolitischen Instrumente, noch die geldpolitischen Rahmenbedingungen jemals verstanden. Und wenn man es in einer nachvollziehbaren Form schafft, Geld als ausschließliche Schuldabhängigkeit begreifbar zu machen, dann wären auch viele Bedenkenträger, die derzeit auf viel zu komplexe Boxrunden starren, dankbar.

Und gerade deshalb, weil das aus der Schuld empor gehobene Geldsystem (Machtsystem) nur mittels dem "Vertrauen in das Geld", d.h. in das Recht aus dem Inhaberpapier, funktioniert, bedarf es einer kontinuierlichen Besicherung der Geldauszahlungen und Zession von Guthaben über Zentralbankgeld (das Hinterlegungsprozedere von Staatspapieren / Kredititeln inkls. für die Haftung tauglichen Sicherheiten).!!!

Das hat mit Tauschmittel und Tauschen alles gar nichts zu tun, da unsere gesamte Wirtschaft auf diesen Schuldtiteln basiert und diese Schuldtitel entstehen aus vielen globalen Vorfinanzierungen mit Gewinnerwartungen also Krediten, die per Bilanzverlängerung bei Banken erzeugt werden mit privater Haftung - und nein, Banken haben nicht das Vertrauen verloren, solange die Kreditschöpfung noch funktioniert und der lender of last resort dahintersteht, also letztlich der Staat und alle Steuerzahler.

Und auch das hat wiederum alles wenig mit machtfreiem Tauschmittel zu tun, von daher bleiben bitcoin immer nur homöopathisch, was die Menge betrifft, weil ein privates Willkürgeld das staatlich gesicherte Kreditsystem nicht ersetzen kann. Es sind und bleiben kleine komplementäre Derivate.

Geld ist ergo der Grund, weshalb Staaten und Private Schulden nicht erfüllen müssen, sondern die Erfüllung auf Übermorgen vertagen können (anstatt nur den Preis zu bezahlen). Dies deshalb, weil die Funktion der Eigenschaft Geld eine ewige Option ist. Nur deshalb gelingt die Aufschuldung der Staaten und Privaten, welches unsere Wirtschaft am Laufen hält.

Und nur darum geht es beim Geld. Es schafft Zeit, die der private Gläubiger alleine niemals bereit gewesen wäre einzuräumen. Zeit für die Privaten, Zeit für die Machthalter. Wir schulden uns und die Staaten der Welt nicht umsonst auf, sondern nur deshalb, um Zeit zu gewinnen. Bis die Quittung auf den Tisch kommt und die Kreditvergabe abbricht. Anders geht es gar nicht. Alles andere wären sozialistische Formen des Wirtschaftens, wo es keine künstliche Knappheit gäbe und das Wirtschaftsprodukt gemeinsam geplant und irgendwie nach Leistung zugeteilt wird.

Von daher sind alle Diskussionen um alternative Geldsysteme sinnlos, da man erst den privaten Kapitalismus abschaffen müsste, damit die irgendwie funktionierten.

Was würde hingegen passieren, wenn Milliarden indirekter Gläubiger der Staatsanleihen (Staatsverschuldungen) die sofortige Erfüllung der Schuld verlangen, statt erfüllungshalber die Rückzahlung von Geld akzeptieren?! Es würde dich und jeden töten. Die Aufschuldung (Zeitgewinn bis zur Erfüllung) ist der Grund, weshalb die Redistribution der Staaten überhaupt noch läuft.

Du vertraust stärker denn je in das dir gegebene Machtderivat, bist durch und durch von ihm abhängig und vertraust ihm. Vielleicht nicht vor dem PC, aber in Wahrheit stärkst auch du in deiner direkten Umgebung, durch deine Teilnahme am Geldsystem und dem Hoffen auf Versorgung (sei es, die normale Altersvorsorge, BGE etc. oder der Hoffnung, dass dir Eigentum bleibt, um dich selbst zu versorgen). So wie der Staat in seine Macht vertraut, traust du dem Machtderivat.

Sonst übtest du längst den Aufstand. Aber niemand übt den Aufstand, sondern fordert im Gegenteil noch Revolutionen, die nur wem anders die Machtverteilung zuteilen wird. Wir haben noch überhaupt nicht verstanden, was es bedeutet, sich gegen die Macht auszusprechen, was dies bedeutet! Es ist ein Selbstbetrug, die eigene Person derzeit außerhalb des Machtbedürfnisses zu modellieren, weshalb immer wieder die Frage nach dem WARUM aufkommt. Das ähnelt doch sehr den New Age Bewegungen.

Tauschen ist so niedlich, dass weiß ich. Und es fühlt sich so warm, vorsorglich und ehrlich an, wenn wir uns alle hochtauschen mit dolle anpacken, in die Hände spucken und weiß der Kuckuck, uns gegenseitig umarmen.

Dass zukünftig 9 Mrd. Menschen in einer „befreiten Gesellschaft" in friedlicher Ko-Existenz (unter vollständiger Sublimierung bzw. kultureller Verarbeitung der Triebe) ihr Ressourcen teilen bzw. gemeinsam Überschüsse durch „entfremdete Arbeit"(!) produzieren und redistribuieren könnten, dazu in einem herrschaftslosen Raum bzw. ohne Herrschaft des Realitätsprinzips á la Herbert Marcuse (womöglich auch noch mit unkontrolliertem Willkürgeld wie bitcoins o.ä.), ist dann doch schon naiv und verkennt die Natur des Menschen, die halt nicht nur kooperativ ist und schon gar nicht in einer Massengesellschaft. Da geht nichts ohne Herrschaftsstrukturen bzw. externalisierte Instanzen.

Die Geldkritikerszene setzt geschickterweise genau da an, wo die Menschen die unangenehmen Seiten unseres Kreditgeldsystems zu spüren bekommen. Es ist doch so: Wenn das Geld trotz harter Arbeit und größter Sparsamkeit immer knapper wird, dann springen viele zu gerne auf jedes verfügbare und vereinfachte Erklärungsmodell auf. Und zwar vorzugsweise auf die Modelle, die die jeweiligen persönlichen Lebensumstände widerspiegeln bzw. auf Modelle, sich mit den Betroffenen scheinbar solidarisieren und letztendlich eine scheinbar (!) plausibel begründete Alternative aufzeigen.

Wenn aber neue Wege zu neuen Lösungen beschritten werden sollen, ohne jemals verstanden zu haben, wie das vorhandene (kritisierte) System funktioniert, dann frage ich mich, ob der neue Weg tatsächlich so durchdacht ist, wie es die Geldkritikerszene proklamiert. Und den pragmatischen Ansatz „Jetzt lasst uns erstmal damit anfangen, nachdenken können wir unterwegs auch noch", empfinde ich nicht als sonderlich seriös.

Und so bleibt es überwiegend bei gefühlsgetriebenen Gerechtigkeitsschwärmereien und Nebeltapsereien der Geldreformer, die sich der debitistischen Erkenntnis verschließen, indem sie sich in Gesellschaftsutopien verlieren.

Will man die global arbeitsteilige Welt besser machen, geht das nur durch (internationalen) politischen Konsens und Kooperation, indem man die Verteilungsfrage angeht und die private Wirtschaft gemeinsam strenger reguliert. Der parasitäre Finanzsektor z. B. hat unter dem Deckmäntelchen der illusionistischen Markteffizienz unser Kreditgeldsystem missbraucht und tut dies immer noch! Dieser Missbrauch muss eingedämmt werden.

Dazu bedarf es weder Vollgeld (nur der Staat schöpft Geld) noch irgendwelche anderen alternativen Parallelwährungen, welche die eigentlichen Probleme im globalen Kapitalismus nicht lösen können, es sei denn, ein Land steigt aus und produziert autark und kooperativ.

Wollte man also den (Kredit-)Zins „abschaffen", müsste man generell die private Wettbewerbswirtschaft abschaffen, welche auf bürgerlichen Vertragsbeziehungen (Eigentum, Vertragsfreiheit, Schuldrecht - siehe BGB) basiert. Hier werden (formell) freiwillig Verträge zwischen Freien geschlossen, die sich formell zu nichts verpflichtet sind, außer zur Vertragserfüllung.

Auch im jetzigen Geldsystem ist selbstverständlich bereits die Geldschöpfung (im Sinne von gesetzlichem Zahlungsmittel) von der Kreditschöpfung (Giralgeld) getrennt. Insofern laufen z. B. die Vollgeldvertreter offene Türen ein. Um es noch einmal klar und deutlich zu wiederholen: Banken erzeugen Schuldverhältnisse. Schuldverhältnisse haben einen Erfüllungsgegenstand. Diesen Erfüllungsgegenstand können Geschäftsbanken aber nicht erzeugen. Wenn dem so wäre, dann wären einzelne Banken ja niemals illiquide geworden.

Noch nie ist einer Zentralbehörde gelungen, in großen Volkswirtschaften eine Geldmenge optimal zu regulieren, und schon gar nicht in offenen Volkswirtschaften. Warum sollte das ausgerechnet mit Vollgeld funktionieren?

Es braucht lediglich eine regulative Begrenzung der privaten Geldschöpfung und eine strikte Kontrolle des Finanzmarktes. Das Rad muss aber nicht neu erfunden werden.

Die Banken finanzieren für die Wirtschaftenden illiquide Aktiven mit liquiden Passiven. Sie produzieren für die Wirtschaft Liquidität und sind damit eigentlich immer illiquid. Nur das Vertrauen der Einleger und anderer Geldgeber verhindert, dass eine Bank illiquid wird.

Geschäftsbanken sind generell dazu da, Schulden zu übernehmen! Ihre Hauptfunktion ist ja eben genau das Schuldenmanagment – das ist geradezu ihr Zweck. In einer anonymen Wirtschaft, welche auf Eigentum, Vertragsfreiheit und Schuldrecht basiert, bilden sich gezwungenermaßen auch immer Banken, welche für uns alle laufend Liquidität schafft, die wir sonst nicht hätten, da in einer anonymen Wirtschaft keiner dem anderen traut und kennt.

Das Bankensystem incl. Zentralbank liefert dazu Prüfungs- und Besicherungsmechanismen, um die Schulden der Kaufüberschüssler übertragbar zu machen und auch das Thema TERMIN darzustellen, ohne dass jede Schuld ein Geschenk ist.

Denn mit jeder Warenlieferung entsteht eine NEUE Schuld, der Warenlieferant wird Kreditor (Gläubiger), der Warenempfänger wird Debitor (Schuldner). Die Bank übernimmt nun bei Bezahlung der Rechnung durch den Debitor diese NEUE Schuld des Schuldners gegenüber dem Kreditor und bleibt in der Schuld desselben bis dieser das Geld bezieht oder jemand anders überweist. Der Debitor ist meist im Soll bei der Bank – falls er eine Firma ist, denn diese muss sich vorfinanzieren – und daher wird er um diese Schuld zusätzlich belastet und bleibt Schuldner der Bank, bis er seinen Kredit zurückbezahlt hat.

Banken haben ergo prinzipiell eine besonders wichtige Bedeutung, welche sich deshalb in einer Wechselbeziehung mit der übrigen Wirtschaft stets mitentwickelt haben im historischen Entstehung des Kapitalismus. Der Kern des Bankgeschäftes ist es, Risiken zu bewerten und zu streuen. Banken sind im Prinzip so etwas wie Kreditausfallversicherungen. Auch eine Bank kann fallen, bis dahin war sie aber der sicherste zur Verfügung stehende Schuldner in einer anonymen arbeitsteiligen Gesellschaft. Letzten Endes erreichen die Banken eine nicht wegzudenkende durchdringende Wirtschaftsprüfung – sobald die Voraussetzungen für freies Wirtschaften gegeben sind, werden sich immer Banken bilden.

Ein Währungsmonopol macht Sinn in großen arbeitsteiligen Wirtschaftssystemen, denn hinter einer Währung steht die Wirtschaftsgemeinschaft und dessen gesamte überregionale Produktion/Arbeitsteilung, unabhängig von regionalen ökonomischen Unterschieden. Und diese Währung bietet dann auch die meisten Optionen auf dem anonymen Markt..

Und hinter unserer Währung stehen generell wie gesagt erst mal die Summe der privaten Leistungsverprechen und die Haftung mit privatem Eigentum. (das ganze Hinterlegungsprozedure bei der Zentralbank). Das macht die Deckung und auch das Vertrauen aus.
Eine Entnationalisierung der Währung in welcher Form auch immer macht ergo wenig Sinn, auch bezgl. der Deckung und des allgemeinen Vertrauens.

Vertraue nur deinem eigenen Arsch. Er steht immer hinter dir.


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