OSBEEE- UND INFOMONEY-FANTASIEN

Geschrieben von Niederbayer am 18.05.2017 07:30:21:

OSBEEE- UND INFOMONEY-FANTASIEN

Die Hörmännchen dieser Welt sind imho Geschäftsmänner hinter dem Deckmäntelchen gesellschaftsutopischer Fantasien, die uns vorgaukeln, es bräuchte keine Schulden (sondern einfach eine Buchung „Eigenkapital an Kassa“), weil wir alle freiwillig kooperieren und freiwillig in die Hände spucken und ohne Gewinnsteigerung und private Eigentumsvermehrung wirtschaften. Doch diese Idee der globalen Genossenschaft /Allmende hatten schon viele andere vor ihm.

Infomoney, OSBEEE, dahinter stecken schon wieder Ideen, wozu es erst mal eines ganz neuen bewussten und unkonditionierten Menschen bedarf.

Infomoney kommuniziert teilweise in populistischer Manier mit Desinfos und Nebelkerzen bezgl. des fiat money, („doppelte Schuld, die böse doppelte Buchführung, undemokratische Geldschöpfung, nur Warengeld/Vollgeld ist echtes Geld und fiat money bzw. Kreditgeld generell unechtes Geld u.ä. Unsinn) und lockt mit vielen Versprechungen, um Geldgeber/ Kunden für OSBEEE zu locken.

Sämtliche heutigen wirtschaftlichen und sozialen Probleme werden ergo monokausal auf das Geldsystem und den Zins zurückgeführt um dann populistisch den freiwilligen geldlosen „Weltsozialismus der Prosumenten" dagegenzusetzen.

Herr Hörmann versteht zudem nicht, dass der Mensch nicht an das Kunstprodukt Geld („Infomoney") angepasst werden kann, sondern das Geld an den Menschen angepasst werden muss

Ich wage zu bezweifeln, dass Millionen Unternehmer nun freiwillig in OSBEEE einsteigen (kritische Masse ), zudem der Anreiz für viele viel zu gering ist, sich genossenschaftlich zu engagieren.

Das können viele Unternehmen schon deshalb nicht, weil sie ihre Schulden in der staatlichen Währung bzw. in Buchgeld tilgen müssen, denn sie haben ja auf Kredit Vorleistung von anderen bezogen. Da sie sich ja weiterhin im Wettbewerb befinden und nicht einfach aussteigen können/wollen, brauchen sie weitere Verschuldung, um ihre Rechnungen zu bezahlen und weltweit Kontrakte zu erfüllen.

Ein Fallstrick ist also die konsensierte Definition von Leistung und ihrem Wert. Was für das eine „Dorf" gilt, muss noch lange nicht für das andere so sein, also entsteht in bestimmten Dienstleistungs-/Produktkategorien ein dorfspezifischer Leistungs- und Werte-Kanon-Konsens, innerhalb dessen dann OSBEEE geschöpft werden.

Was nun, wenn OSBEEE-Pools von Dörfern auf verschiedenen Leistungs-Konsensen beruhen und so nicht eins zu eins verrechenbar wären? Wie soll ergo ein Geldsystem wie OSBEEE realistisch mit einem anderen verknüpft sein, das dem diametral entgegen arbeitet?

Wirtschaft ist ja überwiegend keine Tauschveranstaltung sondern beruht auf Vorfinanzierungen, wie ich hier im Forum lernen durfte. Das heißt, ich beziehe jetzt und sofort Leistung/Vorschuss von anderen und amortisiere meinen Kredit mitunter über viele Jahre. Das kann OSBEEE imho nicht leisten. Also auch OSBEEE-Unternehmen müssen sich letztlich dem Wettbewerb stellen. Und dazu brauchen sie Kredit, welchen sie aber gemäß ihrer geldtheoretischen Philosophie nicht ausreichend schöpfen können. Sie müssen also händeringend (wie alle Genossenschaften) um Eigenkapitalsanteile werben, womit sie sich ebenfalls im Wettbewerb um Eigenkapital befinden.

Doch sie haben keinen besseren Anreiz als andere Genossenschaften zu bieten außer eine Utopie und viele leere Versprechungen, was gesellschaftlich nun alles besser wird.
Wenn sich schon fairer Wettbewerb nicht politisch herstellen lässt in Massengesellschaften, ist es schon naiv zu glauben, dass nun alle plötzlich fair sind und sich OSBEEE oder Infomoney und damit dieser Ideologie anschließen wollen.

Zum anderen haben viele nicht vor, in Genossenschaften einzusteigen, weil sie anders konditioniert sind (vgl. „utilitaristischer Individualismus") und Gewinne machen wollen bzw. sich über das Leistungsprinzip, Besitz und Macht definieren und der Wettbewerb und die Aussicht auf Gütervermehrung sie erst richtig beflügelt. Sie wollen sich nicht in ein NEUES „Überwachungs- und Kontrollsystem" integrieren, zudem ein OSBEEE-System zwangsläufig führen muss, je größer die Veranstaltung wird.

Doch in einer ressourcenbasierten Wirtschaft müsste zwangsläufig egalisiert werden, und auch viele monetäre Berufe entfallen wie z. B. Rechtsanwälte, Bankiers, Versicherungsagenten, Verkaufs- und Werbepersonal, Vertreter und Börsenhändler u.v.a.
Doch gerade über diese Berufe (David Graebers „Bullshitjobs") definieren sich auch viele, und was die einen als sinnlos ansehen, macht anderen wiederum Spaß.

Es steckt eine Lüge in der hinter infomoney verborgenden Utopie, wenn behauptet würde, dass wir genug Rohstoffe hätten bzw. keine Knappheit, um jedem Erdbewohner einen sehr hohen Lebensstandard zu ermöglichen. Denn Menschen haben verschiedene Vorstellungen von „hoch".

Dass zukünftig alle 8 Mrd. Menschen auf dem Globus unseren materiellen Lebensstil haben können, ist unmöglich. Und es ist die unerreichbare Utopie, dass wir in den Erst-Welt-Ländern keine hohen Abstriche machen müssten. Ich halte das für reichlichen Blödsinn, denn der Ressourcenverbrauch der aufsteigenden Schwellen- und Entwicklungsländer wird die Erst-Welt-Länder dazu zwingen, ihren übertrieben hohen Lebensstandard zu senken.

Es ist ergo immer Knappheit da, je nachdem, wie hoch man den Güterlimit pro Haushalt ansetzt. Und diese Knappheit wird heute in einer anonymen Gesellschaft prinzipiell durch Leistung und über Marktpreise überwunden. In einer Allmende müsste das Leistungsprinzip aufgegeben werden. Es hat sich aber empirisch immer wieder gezeigt, dass die Motivation und die Leistung nachlässt in sozialistischen Gesellschaften. Viele Menschen sind halt nicht nur durch Freude an der Arbeit motiviert sondern auch durch Aussicht auf einen hohen materiellen Lebensstandard (Luxusgüter etc.). Wenn alle mehr oder weniger das gleiche bekommen, wozu dann noch groß anstrengen.

Und wenn Unternehmer heute sozial sein wollen, wollen sie das durch Spenden oder Stiftungen in ihrem sozialen Umkreis selbstbestimmt machen. Sie sind ergo „liberal" eingestellt und nicht kollektivistisch/genossenschaftlich orientiert. Der Mensch ist halt nicht NUR kooperativ sondern auch egoistisch.

Von daher muss OSBEEE schon im Ansatz scheitern, ähnlich wie das Rheingoldprojekt aus Düsseldorf, aus dem die Idee (Kasse an Eigenkapital) übrigens abgeleitet/von Herrn Hörmann „abgekupfert" ist. Es fehlt schlicht die kritische Masse, die für eine „globale Allmende" freiwillig bereit wäre und es geht zudem von einem falschen Menschenbild aus.

Der „kooperative Individualismus" ist demnach nur in kleineren sozialen Systemen (auch begrenzt überregional vernetzt) möglich. Doch da wir global arbeitsteilig wirtschaften – in einer anonymen Massengesellschaft – muss dieser dezentrale Ansatz auch von daher schon scheitern.

Denn je komplexer und entpersonifizierter soziale Systeme werden, wie wir aus empirischen Erfahrungen wissen, desto mehr Probleme und Interessenskollisionen gibt es, da nun mal nicht alle Menschen gleichgeschaltet sind. Es ist also illusorisch, von einem weltweiten „kooperativen Individualismus" zu fabulieren.
Da reicht es auch nicht, wenn überregional aus verschiedenen Ländern jeweils ein geringer Anteil an Unternehmen mitmacht, um den Kapitalismus bzw. diese Anonymität zu überwinden.

Eine Vernetzung über Computersysteme kann die Beziehung von Mensch zu Mensch (wie zum Beispiel in einer kooperativen Gemeinde) kaum ersetzen und damit die Anonymität nicht überwinden. Von daher sind Allmenden auch nur sehr begrenzt möglich und nicht global übertragbar.

Was dazu führt, dass das OSBEEE-System ebenfalls nur ein komplementäres am staatlichen Geld ausgerichtetes Subsystem bleibt, welches weiterhin in Konkurrenz (um die Ressourcen) zu anderen Systemen steht und sich somit dem globalen Preissystem beugen muss und sich somit vom „fiat-money" kaum unabhängig machen kann.

Es wird hier eine utopische Hysterie / Masche gestrickt, dass die Welt sich nun dezentral transformieren könne und alle 8 Mrd. Menschen friedlich und kooperativ die Ressourcen teilen können, nur um Mitglieder für OSBEEE zu ködern.

Es scheint alles in allem nicht MEHR als ein neues Marketingprojekt mit gesellschaftsutopischen Anstrich

Vertraue nur deinem eigenen Arsch. Er steht immer hinter dir.


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