Dummes Zeug! Siehe sog. Preis-Leistungs-Verhältnis ..

Geschrieben von Beobachter-II am 19.05.2017 11:25:24:

Die hohe Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands ist nicht-preislich. Deutsche Produkte verkaufen sich halt auch, wenn sie teurer sind. Zu vielen deutschen Exporten (bspw. Investitionsgüter wie Maschinen und Autos) gibt es auch keine ausreichenden Alternativen mit guter Qualität.

Du behauptest also sinngemäß, dass die deutschen Handelsüberschüsse nichts mit den Produktpreisen, sondern ausschließlich "mit der guten Qualität" deutscher Produkte zu erklären sind. Habe selten solch hausgemachten Unsinn gelesen.

Selbstverständlich spielen im Außenhandel die Produktpreise eine gleich wichtige Rolle wie die Produktqualität. Wer das bestreitet, hat entweder nichts verstanden, oder er ist ein Schlepper und Bauernfänger.
Es ist gerade ja das direkte Verhältnis von Preis und Leistung (Qualität), was für den erfolgreichen Produktabsatz entscheidend ist. Der Nachfrager schaut immer auf das sog. Preis-Leistungs-Verhältnis und stellt fest, ob es für ihn subjektiv stimmig ist oder nicht. Er sucht nach einem guten bis sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis und entscheidet sich lieber für ein Konkurrenzprodukt mit etwas weniger Leistung/Qualität, wenn er dabei ordentlich Geld sparen kann.
Sooo, und selbstverständlich haben Preise sehr viel mit den Löhnen zu tun. Bei den Löhnen kommt es auch gar nicht auf deren absolute Höhe im internationalen Vergleich an, sondern: Es kommt auf die relative Höhe des Lohnniveaus im Verhältnis zu der durchschnittlichen Arbeitsproduktivität im Ländervergleich an. Als Maß für diese kann genommen werden :

BIP pro geleistete Arbeitsstunde (= BIP : Gesamtheit geleisteter AS)

So ist es sehr wohl möglich, dass DE z.B. im europäischen Vergleich ein Billiglohnland ("Dumpinglöhner") sein kann, selbst dann, wenn der Durchschnittslohn hierzulande höher sein sollte als im Rest von Europa .. wenn eben die Arbeitsproduktivität einen deutlich höheren Abstand zum Ausland aufweist. Dies dürfte betreffend DE der Fall sein .. woraus folgt, dass die deutschen Arbeits"nehmer" (.. die in Wirklichkeit "Arbeitslieferanten" sind) im Vergleich zum europäischen Ausland unterbezahlt sind, während die durchschnittliche Kapitalrendite in der deutschen Realwirtschaft vergleichsweise höher als im Ausland ist bzw. logischerweise sein muss.

Weiter: Die hohen deutschen Handelsüberschüsse schädigen eine große Mehrheit der hiesigen Wirtschaftsteilnehmer, nämlich insbesondere die Arbeit"nehmer" (neben der Binnenmarktwirtschaft) .. es ist ein großer Betrug : Die deutschen AN werden hierbei buchstäblich um die Früchte ihrer Arbeit betrogen, denn diese Früchte gehen ja ins Ausland, ohne dass sie eine reelle, konsumierbare Gegenleistung dafür bekommen. Im Gegenteil, sie bekamen in der exportierenden Wirtschaft ihre Reallöhne gesenkt, denn diese Unternehmen benötigen die Kaufkraft der inländischen Beschäftigten überhaupt nicht oder kaum. Dies hat negative Auswirkungen auch auf die Binnenmarktwirtschaft, denn gesenkte Reallöhne in der Exportwirtschaft führen zu verminderten Konsumausgaben derer Beschäftigten gerade in diesem Sektor. Deshalb gilt als empirisch-statistische Allgemeinregel :

Wo die Exportwirtschaft boomt, da lahmen die Reallöhne und die Binnenmarktwirtschaft.

Es ist nämlich so, dass der eigentliche, reelle Arbeitslohn nicht in Geldscheinen besteht, sondern im Erhalt und Konsum realer, eigenhändig produzierter Güter. Die Beschäftigten bleiben nach der Lohnzahlung Gläubiger der Unternehmen, welche ihnen die produzierten Güter schulden. Erst nachdem diese geliefert worden sind, erfolgt eine reelle Bezahlung der reell geleisteten Arbeit und somit eine endgültige Entschuldung der Unternehmen.

Dies wird zu einem weiteren Bumerang, sobald die Exporte einbrechen .. und dies wird eines Tages kommen. Deshalb haben die meisten Volkswirte schon immer und wieder gefordert, dass der Außenhandel in einer gesunden VoWi ausgeglichen zu sein hat. Nur eine solche VoWi kann nachhaltig und stabil sein. Und um gerade dies herbeizuführen, wurden Importzölle sowie notfalls auch Exportsteuern eingesetzt. Die gegenwärtige Wirtschaftspolitik in DE sowie internationaler Freihandel nutzen lediglich den Global Playern, d.h. insbesondere der Exportwirtschaft und schaden den meisten Wirtschaftsteilnehmern im Inland.
Das Ergebnis waren bzw. sind nachweislich sinkende Reallöhne, sinkende Altersrenten, Zunahme von Armut, zunehmende Konzentration von Kapital- und Privatvermögen, verrottetes Bildungssystem, wachsende Kriminalität etc. in DE in den letzten 15-20 Jahren.

Und selbst, wenn wir höhere reale Löhne gehabt hätten, wäre nicht ausgemacht, dass die Leistungsbilanzdefizite entscheidend geringer wären

Die deutschen Überschüsse wären gewiss geringer ausgefallen, was die hiesige Wirtschaft stärker auf die Binnenmärkte und die Zunahme des Wohlstands (der Reallöhne, des Konsums) bei der inländischen Bevölkerung orientiert hätte.

und das wir dann alle wie verrückt griechische oder französische Produkte kaufen.

Das wäre nicht notwendig gewesen. Es hätte völlig ausgereicht, stärker die Binnenmarktwirtschaft zu fördern und reale Lohnsenkungen nicht nur in der Exportwirtschaft zu unterbinden.

Ganz abgesehen, dass höhere Löhne auch zu höheren Sparanstrengungen führen.

Nicht unbedingt, es käme auf weitere wirtschaftspolitische Maßnahmen an .. so z.B. auf die Höhe der Inflationsrate, auf den Trend bei der Einkommensverteilung u.a.m.. Diese Dinge können sehr wohl (indirekt) reguliert werden, allerdings nicht durch die Geldpolitik der ZB. Denn, nichts in der Wirtschaft ist MONOkausal determiniert.

Die Probleme der Leistungsdefizite sind in den Defizitländern selbst zu suchen

Ja, und die Probleme wegen der deutschen Leistungsüberschüsse hat eine große Mehrheit der Bevölkerung hierzulande .. und wird noch größere bekommen.

Mit Gruß, Beo2  


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