Das Wort: "français"

Geschrieben von amateur am 12.07.2018 21:25:31:

Das Wort: "français"

Heute untersuchen wir den Ursprung der Wörter France, Frankreich, und français, française, französich. Wußten Sie, das wir Franzosen unseren Namen von den Germanen bekommen haben? Doch eins nach dem anderen: Wer sind die Vorfahren der Franzosen? Die Gallier natürlich, allen voran Asterix und Obelix. Weniger bekannt ist, dass wir Franzosen vor nicht allzu langer Zeit selbst beschlossen haben, dass unsere Vorfahren die Gallier sind. Und das, obwohl Gallien gar keine klar definierte Einheit ist. Als Julius Cesar das Gebiet erobern will, gibt es an die 85 gallische Volksstämme, die keine einheitliche Sprache haben und sich ständig bekriegen.

Im Jahr 52 vor Christus schlägt Julius Cesar den Gallier Vercingetorix bei Alesia. Daraufhin wird Gallien "befriedet", was heißt, dass es unter römische Vorherrschaft gestellt wird. Die französische Sprache, eine romanische Sprache mit lateinischer Wurzel, ist ein Erbe aus dieser Zeit. Doch das römische Reich geht im 3. Jahrhundert nach Christus zugrunde, was tiefgreifende Veränderungen in Europa zur Folge hat.

Weil die römische Legion geschwächt ist, fallen die germanischen Volksstämme und die Völker Zentraleuropas ins ehemalige römische Reich ein und plündern es. Da sind die Franken, die Allemannen, die Sachsen, die Hunnen, die Avaren, die Bulgaren, die Gothen und die Vandalen, um nur die wichtigsten zu nennen. Interessant wird es, wenn man vergleicht, wie diese Periode genannt wird, je nachdem, ob man Deutscher oder Franzose ist: Die deutschen Kinder lernen in der Schule den Ausdruck "Große Völkerwanderung", eine Bezeichnung, die einen positiven Beiklang hat und fast sogar ein bißchen romantisch klingt. Die französischen Schulkinder widerum lernen, dass es sich bei diesen Ereignissen um die "Grandes Invasions" oder auch "Invasions Barbares" handelt, also die Invasion der Barbaren. Tja, im Grunde alles eine Frage des Standpunktes. Zur Erinnerung: "Barbar" ist ein Wort aus dem Griechischen, das für all diejenigen benutzt wurde, die nicht griechisch sprachen. Für die Römer waren "Barbaren" dann alle die, die kein Latein sprachen.

Während dieser Völkerwanderungen fallen die Franken und die Salfranken, ein germanischer Stamm der auf der rechten Seite des Rheins siedelt, im 3. Jahrhundert in die Ardennen ein und breiten sich im ehemaligen Gebiet der Gallier aus. Damals spricht man noch von den Frankenreichen in der Mehrzahl, später von einem Frankenreich. Die Nuance ist wichtig: der Weg zur Einheit Frankreichs hat begonnen. Im 6ten Jahrhundert sagt man Francia zu dem Königreich der Franken, das sich über ganz Gallien erstreckt. Später bezeichnet man mit France die Region um Paris, wovon heute noch so mancher Ortsname zeugt, wie zum Beispiel Roissy-en-France. Auch in Deutschland findet man noch Gebiete, die nach dem fränkischen Angreifer benannt sind: so ist die Region Franken im Süden Deutschlands nichts anderes, als das Gebiet, das die Franken zuerst den Alemannen und dann den Thüringern abgerungen haben. Im Mittelalter sagt man noch Francs zu den Bewohnern Frankreichs.

Das Wort "français", also französisch, taucht erst 1080 als "franceis" auf, und zwar im Rolandslied, diesem großen Epos, das von den unglücklichen Kämpfen des Ritters Roland berichtet. Nach und nach wird "franceis" zu "françois" und dann zu "français". Übrigens: Frank oder francus heißt ursprünglich "frei", oder auch "kühn", "überlegen", ohne dass man mit Bestimmtheit sagen kann, ob das Wort seine Bedeutung aufgrund des Charakters der Franken bekam oder ob die Franken wegen ihres Charakters so genannt wurden. Die Deutschen sprachen den Franzosen lange das Monopol ab, sich als "Nachkommen der Franken" bezeichnen zu dürfen. Später dann haben die Franzosen selber Schwierigkeiten damit, den germanischen Einfluss in ihrer Herkunft zu akzeptieren. So lassen, nach der Niederlage von 1871 und des darauffolgenden antideutschen Ressentiments, die französischen Historiker die Gallier wieder aufleben. Die perfekten Vorfahren! Nein, die Gallier sind nicht blutrünstig wie die Franken, sondern leisten den Römern tapferen Widerstand, wie ihr Chef Vercingetorix, der plötzlich zum Nationalhelden wird. Eine Ideologie, die später von Asterix und Obelix verstärkt wird. Und dennoch, das Erbe der Franken ist wesentlich für uns: Ihnen verdanken wir die Grundlagen unseres französischen Staates. Und die französische Sprache besitzt eine ganze Anzahl von Wörtern, die aus dem "francique", dem Fränkischen stammen. Beispiele? Hêtre, Buchenholz, kommt von haistr, fauteuil, Sessel, kommt von faldistôl, framboise, Himbeere, von braam bes, bleu, blau, von blao, usw…


https://sites.arte.tv/karambolage/de/das-wort-francais-karambolage


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