Ein paar praktische Lösungen, zum hundertsten Mal ...

Geschrieben von Beobachter-II am 11.01.2019 15:50:31:

Generell sind ökonomische Verwerfungen nicht politisch, bspw. durch einen Klassenkampf, zu lösen.

Ökonomische Fehlentwicklungen, wie wir sie auch heute wieder extrem haben, können und wurden immer entweder friedlich, also durch gesetzliche Reformen (Transformation), ODER gewalttätig, also durch einen Klassenkampf (Bürger-/Krieg, Revolution) langfristig oder vorübergehend gelöst oder zumindest vermindert (werden).
Letzteres geschah in der Vergangenheit schon oft, leider nur mit einer kurzweiligen Dauer, zuletzt z.B. nach dem Kollaps im WK-II - siehe das deutsche Wirtschaftswunder (1950-75) - oder nach 1990 in der UdSSR. Letztlich wurde immer das alte, kollabierte System mit ein paar kosmetischen Verschönerungen nach und nach wieder hergestellt.

Es sollte klar sein das jede politische Wirtschaftsmodellösung absolut Gefahr läuft eine Haurucklösung zu sein.

Ja, diese Gefahr besteht, wobei nach einem Zusammenbruch es immer und notwendigerweise erst einmal "Haurucklösungen" gibt, bevor das alte System schrittweise wieder restauriert wurde.
Im Falle eines dermaßen labilen, bruchfälligen Systems, wie wir es heute haben, verbieten sich eigentlich jegliche Haurucklösungen von selbst, da sonst ein lawinenartig schneller Kollaps droht. Das Haus ist ja bereits so morsch und bruchfällig, mit zahlreichen sachfremden Stützbalken und -klammern versehen, dass ein einziger falscher Eingriff genügt, und es bricht in sich zusammen. Das ist die heutige Situation. Und wie ich immer wieder sage: Es wird zusammenbrechen, da eine friedliche Transformation, die sicher mit persönlichen Einschränkungen bei vielen, insbesondere bei den wohlhabenden Menschen einhergehen muss, niemand will und in Erwägung zieht. Es fehlt der gute Wille und folglich auch das Knowhow. Die allgemeinen Zustände spiegeln einfach die Mentalität der Mehrheit der Bevölkerung wieder.
Statt einer Transformation belügt und betrügt jeder jeden, einschließlich sich selbst, um sich persönliche Vorteile zu verschaffen. Das kann gewiss nicht lange gutgehen - die 75-80 Jahre seit dem WK-II sind eigentlich schon eine ungewöhnlich lange Zeitspanne für dieses System. Die "Fallhöhe" des Systems hat unfassbar zugenommen und der obligatorische Kollaps ist jetzt fällig. Er wir die momentanen ökonomischen Verwerfungen zunächst beseitigen, dafür aber ganz neue Probleme, Bedingungen und Herausforderungen entstehen lassen. Ich glaube, dies wird eine Bruchstelle in der Gesellschafts- und Artenentwicklung sein, wie es sie in den letzten 12.000 Jahren nicht gegeben hat.
Ich rechne mit einer sehr harten Übergangszeit von 100-200 Jahren, weil auch das gesamte Ökosystem - inkl. Klima, Fruchtbarkeit des Bodens u.a.m. - zusammenbrechen wird. Die meisten Menschen werden verhungern, die Lebenserwartung sowie die Geburtenrate werden dramatisch sinken etc.. Davor kommt es zum dritten Weltkrieg - denn alles benötigte steht bereit und die Finger sind schon am Abzug.
Diese Dinge bekommt der momentane (Mainstream-) Menschen- und Politikertyp nicht in den Griff, da er der immer noch blinde Verursacher dieser Zustände ist. Er kommt bestenfalls auf seinem Sterbebett zur Einsicht und Vernunft. Einige Wenige wissen allerdings schon jetzt, wo das alles hinführen muss und was sie für sich selbst tun können.

Ein (einige) Geldsystemmodelle und die Politik gehören daher absolut getrennt!! ich bin gar der Meinung das der Mensch generell davon getrennt und durch ((konkurrierende)) Ablaufrahmen ersetzt werden muss

Jeder souveräne Staat benötigt ohne Wenn und Aber eine staatseigene Währung, staatseigenes Zahlungsmittel, sonst kann er nicht souverän sein und bleiben. Das heißt: Ausschließlich mit diesem Geld sollte der Staat seine Bediensteten und Lieferanten bezahlen sowie sich selbst für seine Leistungen bezahlen lassen (mittels Abgaben & Gebühren). Privat emittierte Zahlungsmittel sollte der Staat nicht einmal mit der Kneifzange anfassen.
Daneben kann es allerdings beliebig viele Privatwährungen, wie auch immer konstruiert, schadlos geben, wenn gut beaufsichtigt, damit kein grober Betrug damit stattfindet. Diese können speziellen Bedürfnissen der Wirtschaftsteilnehmer, der Sparern und der Währungsspekulanten dienen. Das täte einer richtig konstrurierten und gepflegten staatseigenen Landeswährung keinen Abbruch.

Schritt für Schritt (anders wird es nicht gehen) will ich daher Rahmenlösungen und dessen Sinn besprechen, bevor wir ansonsten die Hände in den Schoß legen und mit Beo im letzten Abteil schweigend verfrusten! ;) - (dann seit ihr mich los)

Ich finde nicht, dass wir schweigen sollten. Wir können uns darüber unterhalten, ob wir uns persönlich auf den Crash noch besser vorbereiten können, und vor allem: was wir danach tun wollen, einzeln oder zusammen. Wollen wir uns risikoreich um die herumliegenden Verletzten kümmern oder lieber das Weite suchen? Welche Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung, welche Organisationsform und Spielregeln wollen wir den Überlebenden dann als erstes vorschlagen oder uns selbst geben?
Diese Dinge müssen schon vorher bedacht werden und sofort bereitstehen, wenn sie dringend benötigt werden. Es werden ausschließlich neue Konzepte und Systeme entstehen (müssen) und funktionieren. Und der einzige Garant für das Überleben jedes Einzelnen wird sein: bedingungslose Kooperation, Kompromissbereitschaft, Fleiss und Solidarität .. in kleinen und grösseren Gruppen. Diese ethnisch gemischten Gemeinschaften werden neue Nationen bilden, die sich verstreut niederlassen und weltweit vernetzen werden.

Beo beschreibt die richtigen Paradoxe und sollte uns daher mehr seiner klasse Lösungsgedanken erläutern. Bspw. kaue ich daran:
> "Was wir noch viel später brauchen werden, ist: Kapital- statt Arbeitslohn. Das ist aber ferne Zukunftsmusik - vorher werden andere Zwischenlösungen benötigt werden."

Wie sieht eine praktische Lösung dazu aus?

Das "Kapital- statt Arbeitslohn" kann ungefähr wie folgt aussehen:
Das in einem Unternehmen investierte Kapital (der Kapitalgeber, Genossen, Aktionäre, Gesellschafter) wird jährlich mit einem feststehenden Anteil (in %) vom Jahresgewinn verzinst. Der Rest des Gewinns geht an die Arbeitskraft (Mitarbeiter). Während dem Wirtschaftsjahr wird lediglich ein Mindestlohn/Stunde an die Mitarbeiter gezahlt. Nach der Gewinn-/Verlustermittlung am Ende des Jahres gibt es dann gegebenenfalls eine entsprechende Nachzahlung (oder ein Verlustvortrag ins nächste Jahr, um die Investoren später zu entschädigen).
Darüber wird innerbetrieblich zwischen den Kapitalgebern und den Arbeitserbringern eines Unternehmens alle paar Jahre neu verhandelt; es kann aber auch einheitlich, für alle Unternehmen gesetzlich geregelt werden (vgl. das Betriebsverfassungsgesetz). Auch Mischlösungen sind denkbar. Aber wie schon gesagt, "Das ist noch ferne Zukunftsmusik - vorher werden andere Zwischenlösungen benötigt werden." Denn, es setzt ein komplett neues Modell der (paritätischen) Mitbestimmung von Investoren (Anteilseignern) und Beschäftigten voraus, auf allen Entscheidungsebenen der Unternehmen. Solche Modelle sind bereits erdacht und werden zur Verfügung stehen, sobald danach gefragt wird.
Als "Zwischenlösungen" in einer friedlichen Systemtransformation (an die ich nicht mehr glaube) wären zu nennen:

__ 1) Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns alle 2 Jahre um "Inflationsausgleich + 2%" - und zwar so lange, bis 20 Wochenstunden Arbeitszeit in jedem Fall ausreicht, um anständig sich selbst und die eigenen Kinder zu versorgen;
__ 2) Einstellungsangebote von der Kommune für jeden Arbeitslosen gegen gesetzlichen Mindestlohn, spätestens 6 Monate nach dem Eintritt der AL;
__ 3) bedingungsloses Grund-/Mindesteinkommen (BGE/BME), deutlich unterhalb des gesetzlichen Mindestlohns;
__ 4) gesetzliche Mindesthöhe des Kindergeldes, der Ausbildungsvergütung und der Altersrente, mindestens aber in Höhe des BGE;
__ 5) Reform des Arbeitszeitgesetzes;
__ 6) Reform des Währungs- und des Bankensystems;
__ 7) Reform des Steuerrechts: mehr Konsumsteuer (evtl. 3-stufig), weg von der Einkommensteuer;
__ 8) ein neues, gesetzlich geregeltes Modell der Mitbestimmung und der Erfolgsbeteiligung in allen Unternehmen;
__ 9) Reform des Bodenrechts: schrittweise Rückführung von Grund & Boden sowie der natürlichen Ressourcen in das kommunale Gemeinschaftseigentum; Nutzungsrechte an denselben durch Pachtverträge;
_ 10) Reform des Erbrechts und des Patentrechts;
_ 11) Stärkung der direkten Demokratie durch Volksabstimmungen - Herabsetzung der bürokratischen Schwellen und Bereitstellung permanenter Infrastruktur für ebensolche; Stärkung der Versammlungs- und der Meinungsfreiheit;
_ 12) Stärkung der Freiheit und Subsidiarität in der schulischen Bildung;
_ 13) und einiges mehr.

Aber für wen schreibe ich das alles eigentlich !? Ich jedenfalls bin schon unterwegs in das letzte Abteil des Zuges, um dort abzuwarten, bis es knallt.

Mit Gruß, Beo2


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