Zins, Urzins, ULG, leistungslose Einkommen etc.

Geschrieben von Beobachter-II am 04.02.2019 22:53:03:

Was hat denn eine Nullzinsphase mit Freiwirtschaft zu tun?

Na nu, der Zins, Urzins, Zinseszins, Zinstreppe, Zinsverbot, Nullzins usw. war doch das zentrale Thema der FW und das zentrale Objekt der Begierde bei den FW-lern. Das Thema war, wie man den abgeblich unüberwindlichen Urzins (Guthaben-/Sparerzins von 3%) auf Null herunterdrücken könne. Ich habe bestritten, dass es beim heutigen Kreditgeld (Fiat Money) einen "Urzins von 3%" gibt .. und habe recht behalten. Nichts anderes konnte ich von den FW-lern jahrelang lesen, auch hier. Tue jetzt nicht so unschuldig.

ICH war es, der gegen diese monokausale Fokusierung auf den ZINS und Zinseszins als das angebliche Grundübel angeschrieben hat, weil ich die Realität (in den Unternehmen) und meine Recherchen im Blick hatte. Also: Der Nullzins (auf Geldguthaben) an sich bringt noch gar nichts, egal wie er oszilliert, weil - wie Du richtig sagst:

Wie soll es denn das auch [...], wenn nur ein Parameter verändert wird und alles andere gleich bleibt?

Genau das war immer meine Rede. Auch eine Geldumlaufgebühr auf Bargeld, wie auch immer angesetzt, bringt an sich noch nicht viel - bestenfalls mehr Steuereinnahmen, jedoch keine Änderung in der Einkommens- und Vermögensverteilung. Ein solches Konzept der "Geldsteuer", allerdings in verbesserter Form (.. als regelmäßige direkte und indirekte Besteuerung von Geldvermögen), ist zwar sehr sinnvoll, aber nicht ausreichend.
Okay, dann käme noch das "Vollgeld" dazu, die Direktkreditierung des Staates durch die ZB - aber auch das wird noch nicht den durchschlagenden Erfolg bringen, sondern "nur" das Finanzsystem stabilisieren (was allerdings sehr wichtig ist). Dann kämen noch die Vergesellschaftung des Grund & Bodens, der Rohstoffe etc., die Demokratisierung der innerbetrieblichen Unternehmensstrukturen, die Reform des politischen Systems, Rentenreform, Mindestlohn & Grundeinkommen, Reform des Patentrechts, des Erbschaftsrechts, und noch ein paar Dinge mehr.

Das alles sind Zielvorstellungen und Ansatzpunkte, aber noch keine Wegbeschreibung und nichts Konkretes: Viel Knowhow und viele kleine Schritte würden benötigt. Wie kommt mensch also von Hier nach Dort, ohne dass alles zusammenbricht und viele Menschen dabei umkommen?

Oder ist die Verschuldung plötzlich weg oder andere leistungslose Einkommen wie Dividenden, Mieten usw., die ja nach wie vor noch entrichtet und bedient werden müssen?

Und schon wieder voll daneben:
Dividenden und Mieten sind keine "leistungslosen Einkommen", sondern Entgelt für die Überlassung von Nutzungsrechten an Kapital (auch an Geld), Wohnung/Haus u.ä. - jedenfalls in einer (sozialen) Marktwirtschaft. Diese Dinge wachsen schließlich nicht am Straßenrand, sondern müssen erst nach bestimmten Regeln hergestellt und vom Eigentümer erworben werden. Eine andere Frage betrifft aber die Höhe dieser Entgelte (im Verhältnis zu den Arbeitsentgelten) sowie die Eigentums- und Kapitalverteilung in der Bevölkerung. Hier muss angesetzt werden.
Der Kreditzins ist der Preis für eine recht aufwändige Dienstleistung der Banken und dient deren Kostendeckung (Betriebs- & Personalkosten, Hard- & Software, Steuerabgaben, eigene Zinszahlungen, Deckung von Tilgungsausfällen, Bonitätsprüfung der Kunden, Anwalts-/Berater- & Lieferantendienste, Pfändungs- & Auktionsaufwand etc.) sowie den Dividendenzahlungen (Kapitallohn) an die Investoren/Aktionäre. Kreditbanken sind Dienstleistungsunternehmen und ihre Zinseinnahmen sind kein Gewinn, sondern Umsatz (Einnahmenseite). Heutige Banken horten auch keine Zinseinnahmen, um diese wieder als verzinsten Kredit herauszugeben .. das haben sie gar nicht nötig.

Mit Gruß, Beo2


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