Dogmatismus (inkl. Herrschaftsanspruch) und eine Ideologie sind nicht unbedingt dasselbe.

Geschrieben von Beobachter-II am 05.02.2019 15:55:15:

Was geschieht, wenn unsere Sicht der Welt keine andere Sicht mehr neben sich duldet?

Dann entsteht Dogmatismus, Fanatismus, Intoleranz, Rücksichtslosigkeit und Gewaltbereitschaft. Das sind aber keine unvermeidlichen Wesensmerkmale jeder "Sicht der Welt" (Ideologie, Weltanschauung) - sondern insbesondere Merkmale einer bestimmten Persönlichkeitsstruktur und Geistesverfassung. Das sollte nicht auf jedwede Ideologie und Person verallgemeinert werden. Dogmatismus etc. KANN aber durchaus Bestandteil einer Ideologie sein, wenn solche Ansprüche in der Ideologie (z.B. Religion) explizit vorgeschrieben sind.

Ideologien sind selbsterfüllende Prophezeiungen, die sich genau nur dann realisieren, wenn (fast) alle daran glauben und sich auch danach verhalten. Aus Ideologien lassen sich handlungsleitende Normen (Moral) ableiten. In dem Sinn sind nicht nur der Kapitalismus, der Neoliberalismus, der Kommunismus, die Weltreligionen und so weiter Ideologien, sondern auch die Demokratie.

Dem stimme ich zu .. es handelt sich um Weltanschauungen. Jeder Mensch kann und muss sich allerdings entscheiden, zumindest ab gewissem Alter, welche "handlungsleitende" Ideologie (Weltanschauung, Normen, Moral) er/sie sich zu eigen macht .. sonst ist er/sie kein Mensch, ja nicht einmal ein Tier. Selbst Tiere besitzen eine "handlungsleitende Ideologie" (Normen, Handlungsprogramm), welche in ihren Genen und Instinkten geschrieben steht.

Dogmatiker stellen sich selbst über die Normen – also die Ideen, Erkenntnisse, Kategorien und Wertvorstellungen – ihrer jeweiligen Ideologie, um eben dieser Ideologie Geltung zu verschaffen.

Dogmatismus ist keine Ideologie, sondern eine spezielle Qualität der persönlichen Haltung gegenüber und der Handhabung der eigenen Ideologie (Weltanschauung, Moral). Das ist nicht dasselbe.

Dogmatiker entwickeln eigene handlungsleitende Normen (Doppelmoral).

Wenn sich Jemand offen zu seinem Herrschaftsanspruch und seiner Gewaltbereitschaft bekennt, braucht er keine "Doppelmoral". Doppelmoral entsteht nur, wenn Jemand lügt und täuschen will.
Persönliche handlungsleitende Normen (Wertmaßstäbe, Moral) entwickelt Jedermensch, der eine eigene Ideologie (Weltanschauung) besitzt .. sonst kann er nicht überleben. Tiere haben ihre Ideologie (Programm, Moral, "Dogmen") in ihren Genen und Instinkten geschrieben. Alles ist von Normen, Gesetzen und "Moral" durchdrungen - es ist ein universelles Prinzip.

In diesem Sinn sind der Tiefenstaat, die Geheimdienste, die Kreuzzüge, die Schutzverantwortung und wie sie alle heißen mögen dogmatische Überprägungen von ursprünglich gut gemeinten Ideologien. ...

Dogmatismus (Rechthaberei), Fanatismus und Gewaltbereitschaft sind also nicht notwendige Merkmale jeder persönlichen Weltanschauung (Ideologie). Andererseits möchte Jeder natürlich "am Ende recht behalten" .. d.h. eine zutreffende, sich bewährende Weltanschauung haben, denn sein Überleben und Wohlergehen hängt davon ab. Das kann er aber auch diskret für sich behalten.

Mit Gruß, Beo2


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