Sein und sein lassen

Geschrieben von Beobachter-II am 06.03.2019 15:13:46:

Hallöchen HG.
Danke für deine persönlichen Mitteilungen - das weiss ich zu schätzen. Und weiter geht's ...

Als Gefühlsmensch ist mir die Logik dennoch nicht fremd, ganz im Gegenteil. Ich sehe mich mehr als Entdecker, Problemlöser oder Rätselversteher... :) Das geht umso besser wenn ich Logik und Gefühl verbinde.

Ja, aber unsere Logiken (Denkarten) sind grundverschieden. Du folgst der gängigen Entweder-Oder-Logik .. auch Entweder-Ich-Oder-Du-Logik. Ich folge dem Sowohl-Als-Auch .. was Integration (Synthese) von Widersprüchen bedeutet. Das hat sehr unterschiedliche Konsequenzen sowohl für den Erkenntnisprozess als auch für das tägliche Verhalten.

> Ich sage es ja: Du möchtest den Einen zügeln, den Anderen ins kalte Wasser werfen, Alle kommandieren usw..

CEO möchte ich nicht sein, diese Position lockt mich nicht mehr. Mein Plan als Investor ist anders aufgestellt aber ich möchte da ja nicht mehr verraten, da ich selbst auch in Verantwortung stehe.

Verantwortung für Was? Wer hat Dir dafür Auftrag erteilt? Was sind dabei die Erfolgskriterien?

Ich denke lediglich nicht in Schablonen und sehe den Einzelnen wie er sein könnte.

Das wird ja immer "besser" - ich hab's gleich geahnt.

Da braucht der "Überflieger" eine zügelnde Hand und der "Abwäger" ein vertrauensvolle, fordernde Hand auf die Schulter...

Du weisst, was Andere brauchen? Du solltest aber deinen ahnungslosen Patienten auch sagen, dass Du dich als deren Psychotherapeut oder Persönlichkeitsentwickler verstehst .. wennauch ungefragt. Das gehört sich einfach.
Was glaubst Du, wie oft ich solch tolle Sprüche schon gehört habe? Die Realität war immer ganz anders. Vielleicht ist es nicht ganz unpassend, wenn ich mich an dieser Stelle wiederhole:
> Du merkst anscheinend gar nicht, wie morsch, verlogen, asozial und destruktiv es ist. [.. dieses System]

Nun denn, weg von den Schablonen, ich erzähle dir mal von meinen Erfahrungen zu unterschiedlichen Leistungen, hier die eigenen "Vier Wände".
Ich habe schon verschiedene Arten von Häuser erlebt. Da war das Haus der Nachkriegsgeneration, das Fachwerkhaus aus dem 19ten Jahrhundert, Eines von etwa Anfang letztem Jahrhundert, Mehrfamilienhäuser oder auch das moderne Einfamilienhaus. Dabei sehe ich die Unterschiede und versuche als Gefühlsmensch zu erfassen warum das so gemacht wurde und wie das auf mich wirkt. Die modernen Bauwerke sind dabei ein echter Graus [.............]
Die hohen Decken, die breiten Treppen ältere Häuser, geschmückt mit scheinbaren "Spielereien" und Verzierungen sind ein völlig anderes Erleben wie die modernen kalten, schmucklosen Bauten meiner Zeit.

Lieber HG, da rennst Du bei mir offene Tür ein. Da habe ich für Dich einen Tipp - das "kleine Paris", aber viel viel besser:

Fahr doch für 2-3 Tage nach Antwerpen und nimm das Fahrrad mit (oder leih Dir dort eins). Mach auf dem Rad ausgiebige Stadttouren, innerhalb des Autobahn-Stadtrings. Dein Herz wird jubeln ob der (städtischen) Architektur aus den 20-er und 30er Jahren sowie aus dem 19 Jahrhundert - und auch noch viel ältere. Es ist unbeschreiblich .. die Häuser, Villen, die geschmiedeten Balkone und Terrassen, viel Holz und Fachwerk, die vielen kleinen Plätze mit Bäumen und Bänken, spielenden Kindern, wunderschönen Kirchen, Cafes, die entspannten Menschen, Bocciaspieler, Kunst & Kultur (auch alte Meister), Live-Musik überall, gute Fahrradwege, ehemaliger Fischerhafen (nun Jachten), spannendes Rotlicht-Viertel, Flohmärkte, Stadtfeste, wenig Touristen usw. usf..

Ich fahre mehrmals im Jahr für 2-3 Tage hin und genieße es ungemein. Ich kann schon den Frühling kaum abwarten. Auch genieße ich es sehr, in alten Kirchen zu sitzen, nachzudenken, nach oben zu blicken und die unglaubliche Baukunst zu bewundern. Und im Straßencafe zu sitzen. Das ist Leidenschaft!
Ich habe längst beschlossen: In meiner nächsten Inkarnation werde ich entweder Architekt oder Gärtner (für Gärten & Parks) .. am liebsten aber beides. Diese beiden Professionen gehören doch irgendwie zusammen. Und natürlich auch: ein "Beratungsbüro für die Gesellschaftsentwicklung". Auch dies hat etwas mit Sinn für Schönheit oder Unsinn für Hässlichkeit tun.

Meine Logik erklärt mir natürlich die gegebenen Möglichkeiten und Begrenztheit die nach dem Krieg bestanden. Der Wiederaufbau verlief auch sehr unterschiedlich in BRD und DDR, doch später, als es mehr Zeit gab, wurde das Bauen nicht passender sondern "verächtlicher". Heute sehe ich immer wieder Bauleistungen, da wollte ich um keinen Preis darin wohnen.

Klar doch. Ich konnte es mir leider nie leisten, in einem schönen Haus zu wohnen .. bin in einer Plattenbau-Siedlung aufgewachsen, hart aber herzlich, um nicht zu sagen: "sehr leidenschaftlich". Da flogen jeden Tag die Fetzen. Nun aber, zuletzt ist es mir doch gelungen, in ein altes, 2-stöckiges Haus zu ziehen, ziemlich vergammelt, mit hohen Decken, hohen Fenstern, alten massiven Holztüren mit Verzierung und Holzdielen in der Wohnung, kleinem Balkon nach hinten raus, schönem breiten und hohem Treppenhaus mit Holzgeländer. Keine Spur von "Einengung" - einfach schön; nur etwas vergammelt. In einem ruhigen grünen Stadtviertel im Ruhrgebiet.

So komme ich immer wieder mal ins Schwärmen wenn ich so ein altes Bauwerk sehe und frage mich warum das heute nicht mehr möglich ist.

Absolute Zustimmung! Heute gilt nur noch: billig, groß, oder protzig. Ohne Feingefühl, ohne Seele .. aber mit Dollarzeichen in den Fenstern. Massentierhaltung. Ja, das ist zum Kotzen und eine tägliche Beleidigung für meine Augen und Seele.

Deine Ausführen sind in der Sache korrekt, du bist bemüht jedes Detail mitzunehmen, auf Alles vorbereitet zu sein. Du willst auch Allen gerecht werden, suchst Mehrheiten oder Konsens. Ich denke auch die Eigenkritik kommt nicht zu kurz [.............]
Als Interessent würde ich dir dennoch keinen Auftrag geben! Mir ist das zu kalt, zu steif, mir fehlt die Leidenschaft...

Ich BIN pure Leidenschaft .. und durfte bereits sehr viel Leid schaffen; vor allem bei mir selbst. Und purer Lebenswille - sonst wäre ich längst nicht mehr hier. In mir ist bereits mehrmals ein Vulkan explodiert und hat jedesmal große Verwüstungen angerichtet. Aber die Landschaft blüht wieder. Mensch nennt es auch: Burnout.
Nun ist es ruhig geworden, scheinbar erlöschen - und das ist auch besser so. Nun kann ich meine Leidenschaft viel besser fokussieren. Es ist noch reichlich Leidenschaft und Lebenswille vorhanden.

Vielleicht bin ich auch nur ein Träumer. ich bin eben so :)

Träumer? Ich habe fast nichts anderes in meinem Leben gemacht, außer geträumt. Es hat mein Leben zerstört .. und zugleich erhalten. Es ist nämlich so: Ich spürte schon als Kind, dass ich Hier völlig fehl am Platze bin .. in einem Irrenhaus; unter lauter gefährlichen Irren. Und das hat mir immer Angst gemacht. Deshalb bin ich süchtig und flüchtig geworden: zuerst Mohn, später Alkohol. Das ist aber lange vorbei.
Nun wurde genug geträumt; meine Vision steht fest. Jetzt wird gearbeitet, 24/7 Stunden.

Mit Gruß, Beo2


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