Re: Der Mindestlohn ist eine Lösung wenn bereits alles in Schieflage geraten ist ..

Geschrieben von Beobachter-II am 07.03.2019 16:03:50:

Ich antworte hier auf einen Beitrag von @mitnick:
http://finanzcrash.com/forum/read.php?1,170437,170514

Die Kopfnuss ist etwas voreilig und nur teils berechtigt. (ok Mindeslohn zur Arbeitslosigkeit - der Punkt ist wirklich Schwachsinn ;)
[...] also nicht nur Du machst Dir Gedanken, ich lasse Dich auch nicht haengen, provoziere halt manchmal, tschuldigung ;)

ICH bitte DICH um Entschuldigung. Du gibst Dir doch redlich Mühe, den Dingen auf den Grund zu gehen - und vieles von Dir ist völlig okay. Auch gelegentliche Provokation geht in Ordnung.

Der Mindestlohn ist eine Lösung wenn bereits alles in Schieflage geraten ist!

Dem kann ich zustimmen. Wir werden aber dieses Instrument (Notlösung) noch viele Jahrzehnte lang benötigen, nämlich bis eine Umgestaltung des Wirtschaftssystems abgeschlossen ist. Deshalb muss es optimiert werden, damit es uns unserem Ziel näher bringt. Alle unseren Maßnahmen müssen auf ein und dasselbe Ziel zulaufen .. d.h. auf eine neue Wirtschaftsordnung und neue Wirtschaftsethik in den Unternehmen.
Erst wenn die Einkommensverteilung einigermaßen korrekt, nämlich "mittig aufgerichtet" ist, können wir auf den gesetzlichen Mindestlohn (gML) verzichten. Und dies wird erst dann geschehen, wenn Vertreter der Kapitalgeber und der Arbeitleistenden in allen Unternehmen, auf allen Unternehmensebenen und in allen wichtigen Belangen PARITÄTISCH mitentscheiden, so auch über die Einkommens-/Kuchenverteilung innerhalb des Unternehmens, natürlich abhängig von der Ertragslage. In einem solchen System werden die Arbeitleistenden selbstverständlich eine angemessene Erfolgsbeteiligung an den Unternehmensgewinnen (und Verlusten) einfordern. Im heutigen System haben sie ja so-gut-wie nichts zu melden und nichts zu entscheiden - jetzt ist nur das Maulhalten und das Buckeln angesagt.

Deine Betrachtung zu einem Kuchen innerhalb einer Firma bezieht sich auf Großkonzerne und das wiederum entspricht nicht der gesamten Realitaet.

Nein, meine Betrachtung bezieht sich auf ALLE Unternehmen, auf jedes einzelne, klein und groß. In jedem einzelnen Unternehmen gibt es einen begrenzten Einkommenskuchen zu verteilen. Die Summe dieser Einzelkuchen ergibt den volkswirtschaftlichen Gesamtkuchen. Der Makrokuchen braucht uns also nicht zu kümmern .. wir regeln es direkt in den Unternehmen, auf der mikrowirtschaftlichen Ebene.

Im Gesamtkuchen (macrokuchen) sieht es so aus das einige Branchen anderen zuviel vom Kuchen (Ertragspotential) klauen und somit andere weniger lukrativ werden. Somit wird dort eben sau wenig bezahlt! Daher meinte ich das eine Lösung nur viel tiefer angesetzt, eine brauchbare Lösung sein kann!

Das ist eben Marktwirtschaft, im positiven Sinne: In rentableren, besser funktionierenden U. werden die Einkommen aller Beteiligten selbstverständlich höher sein als in den schwächeren U.. Wer zu wenig erwirtschaftet oder Verluste macht, wird die Mitarbeiter verlieren und vom Markt verschwinden. Und das ist gut so. Wer zu wenig verkauft, der produziert doch ein schlechtes oder falsches Produkt, das niemand haben will. Solche U. sind überflüssig .. auch in einer Sozialen Marktwirtschaft. Wir werden Niemanden subventionieren oder quer-subventionieren lassen, außer in besonderen Notlagen.

Zudem befuerchte ich das man Wege finden wird um den Mindeslohn zu umgehen. In die Selbststaendigkeit getrieben als Beispiel. Not macht erfinderisch...

Das ist möglich .. und wird leider auch schon gemacht (Scheinselbständigkeit). Dafür brauchen wir eine Zusatzlösung, und glaub mir: Es gibt immer eine. Wenn ein neuer Topf aufgestellt wird, drechseln wir ihm eben auch den passenden Deckel. Immer eins nach dem anderen. Es wird immer wieder neue Herausforderungen geben, die neue Lösungen erfordern werden. That's life und sorgt für Fortschritt.
Wenn ein Scheinselbsttändiger in einem Betrieb regelmäßig arbeiten wird, wird er eben wenigstens den Mindestlohn/Stunde beanspruchen können, zuzüglich der AG-Anteile für die Sozialabgaben. Es macht dann für den Betrieb keinen finanziellen Unterschied. Der Nachteil der Scheinselbständigkeit ist dann allerdings, dass die Mitbestimmungsrechte im Betrieb entfallen könnten. Aber auch dafür finden wir eine Lösung. Mir ist in meinem ganzen langen Leben noch kein einziges Problem (IST-Zustand) begegnet, das nicht lösbar war oder wäre (SOLL-Zustand), außer dem Tod.

Letztlich so wie der Kuchen aufgebaut ist, entscheidet ueber die Verteilung.

Die Aufteilung der Mikrokuchen (in den U.) bedingt automatisch die Aufteilung des Makrokuchens. Das ist auch heute schon so. Deshalb liegt die Lösung NICHT bei dem Makrokuchen, sondern auf der Mikroebene.

> Meine Formel für den gML lautet: Erhöhung alle 2 Jahre um "(Infla.rate/Jahr + 1%) x 2" - und zwar so lange, bis der Median und der Mittelwert aller! Brutto-Einkommen zur Deckung kommen [.......]

So wie jetzt dargestellt macht das sehr viel mehr Sinn! So habe ich das uebrigens auch schonmal konzipiert!

Sehr gut, das freut mich! Wir kommen also voran, Schritt für Schritt .. wenigstens was unseren Plan angeht. Wir brauchen mindestens 100 Lösungen, in der richtigen Reihenfolge, in allen Sektoren der Volkswirtschaft.

Jedoch begeistere ich mich mittlerweile, weil ich eben laengst aufgegeben habe zu glauben man koenne einen Mosterstaat bekehren, dann fuer Ansaetze welche ein Ideal beschreiben, bspw. wie von Dir beschrieben in Richtung einer Kapitalbeteiligung.

Nicht "Kapital"beteiligung, sondern Gewinn-Verlust-Beteiligung. Dafür brauchen wir ganz spezielle Formeln, die (zumindest vorübergehend) gesetzlich verankert, vorgeschrieben werden müssen. Ich habe genug davon. Dafür gibt es z.B. das Betriebsverfassungsgesetz, welches wir reformieren und ergänzen müssen. Fast alles, was wir brauchen, ist im heutigen System bereits angelegt.

Zuletzt hattest Du den Punkt (ueber infla. 2%..) aber mit einer möglichen Arbeitszeitverkuerzung verwurstet - und ja, darueber hatte ich nachgedacht und versucht den Gedankengang darin zu finden, war aber zu dem Punkt gekommen das Deine Schlussfolgerung in dem Punkt keinen nutzen hat. ;)

Da habe ICH gar nichts "verwurstet", sondern das hast DU in deinem Kopf gemacht .. weil Du nicht verstanden hast, dass das für mich zwei verschiedene Themen sind, die getrennt behandelt werden müssen. Sie laufen aber beide auf einen bestimmtes Gesamtergebnis zu. Und das wäre: Niemand würde in 20-25 Jahren länger als 20 Stunden pro Woche arbeiten müssen, um sich und seine Familie anständig zu versorgen.
Dem muss dann irgendwann auch das Arbeitszeitgesetz Rechnung tragen, damit alle Erwerbsfähigen einen Arbeitsplatz finden können, wenn sie es wollen. Dafür brauchen wir auch ein grundlegend reformiertes Schul- und Bildungssystem, z.B. Vergütung bereits in der Ausbildung und Studium u.a.m.. Die Politik muss dann halt schauen, wieviele Arbeitsplätze benötigt werden, um die Nachfrage danach zu stillen - und dementsprechend wird das AZ-Gesetz angepasst.
Auch das ist Wirtschaftspolitik. Es wird nämlich so sein, dass wer arbeitet, auch ein höheres Einkommen erzielt, als wer nicht arbeitet .. trotz einem BGE. Es muss immer ein gewisser Anreiz bestehen bleiben, fürs Geld arbeiten zu gehen.

Mich stoeren aber vorallem Loesungen die eine Politik brauchen um eine Zahl x festzulegen, bspw. 8,50 Mindestlohn oder 600 euro Grundeinkommen denn es geht um eine Kaufkraftverteilung(!) zu dem Kuchen, dazu braucht es eine brauchbare Rechnung und einen Aufbau der dies tiefgreifend und nicht manipulierbar loest!

Richtig! Wir brauchen flexible Lösungen, die "in gleitender Bewegung" bleiben und alle auf ein Ziel zulaufen.
Wenn ich z.B. fordere, dass das Maximaleinkommen im öffentlichen Dienst höchstens das Achtfache des gML betragen sollte, dann habe ich eigentlich nichts festgenagelt, und doch eine Deckelung eingeführt. Denn der gML steigt ja. So sehen alle meine Lösungen aus. Dasselbe habe ich auch für das BGE in meiner Schublade: Es ist an die Höhe des gML gekoppelt, liegt aber deutlich darunter .. und bleibt automatisch in Bewegung.
Auch die Ausbildungsvergütung, das BaFöG u.a.m. will ich an den gML koppeln. Das bedeutet: Ich brauche nur den gML zu ändern, und alles andere ändert sich automatisch mit. Von Zeit zu Zeit können die Formeln aber angepasst werden, falls wir sehen, dass etwas nicht befriedigend läuft.

Da geht es dann auch um Unternehmen und ihren Ertragsanteil am Gesamtkuchen!! Nur weil alle ein Haendy brauchen duerfen nicht andere Branchen hungern! Das ist Dir schon auch bewusst oder?

Es sollte Sache der Konsumenten sein zu entscheiden, wofür sie ihr Einkommen ausgeben wollen. Da will ich Niemandem reinreden. Das ist Demokratie in der Wirtschaft. Unternehmen, die nicht rentabel sind und denen die Mitarbeiter weglaufen (warum auch immer), sollen eben verschwinden.

Einen Monsterstaat zu bekehren - das habe ich laengst aufgegeben. Mich interessieren komplette Paralellsystemloesungen. Die Moeglichkeiten sind dabei ganz andere als es innerhalb der heutigen Krusten hergibt.

Wir als Systemreformer können unsere Lösungen nur anbieten. Die Bevölkerung (Wähler) muss entscheiden. Wir stehen zudem mit anderen Systemreformern im Wettbewerb um die Gunst der Wähler. Und das ist gut so .. auch wenn wir dabei verlieren.

Bspw. eine bedingte Grundbeigabe, welche sich daraus ergibt, in einem digitalem Geldsystem, das man sich an der Kreditvergabe beteiligt (die Bedingung fuer eine Grundbeigabe). Beteiligt, in Verbindung von Agenten, die aehnlich heutiger Banken, das Risiko aus einer Kreditvergabe welche die Geldmenge veraendern, gemeinsam managen zu helfen. Zudem werden auf diesem Weg automatisch moralische Fragen beantworten. Der vereinnahmte Zins wird dabei in einen Topf geschmissen, so das der zu vereinnahmende Zins selbst kein alleiniger Bewertungsgrund ist, sondern der Fokus mehr auf das Risiko selbst liegt - nur ganz grob nochmal angeschnitten.

Das verstehe ich nicht. Das müsstest Du mir Schritt für Schritt erklären, damit ich Verständnisfragen stellen kann. Vielleicht meinst Du damit ein ähnliches System wie das hier? - von Peter Haisenko:
https://www.youtube.com/watch?v=ajbh2QxeRQo
Oder das hier? - von Franz Hörmann:
http://www.informationsgeld.info/informationsgeld1.html

Ich kenne alle bisher vorgestellten (und historischen) Geldsysteme, und diejenigen, die ich noch nicht kenne, begreife ich ziemlich schnell. Denn ich verstehe das Wesentliche, das Gemeinsame aller Geldsysteme, was bedeutet: Welche Bedingungen oder Kriterien müssen erfüllt sein, damit ein "Ding", egal ob physisches oder digitales, privates oder staatliches, von den Wirtschaftsteilnehmern als Zahlungsmittel akzeptiert und sogar begehrt wird. An diesen Qualitätsmerkmalen kommt keine Möchte-Gern-Währung vorbei ...
Z.B. eine Bedingung ist: Die emittierte und umlaufende Geldmenge (Liquidität) muss flexibel und zugleich kontrollierbar sein - sie muss Schritt halten mit der realen Wirtschaftsleistung. Die Geldmenge muss außerdem ein (flexibles) Instrument der Wirtschaftspolitik werden, nicht nur ein Instrument der Zentralbank.
Ich habe ein fertiges Währungssystem im Kopf: Es sieht Emission der kompletten Geldmenge durch die staatliche Zentralbank vor. Auch alle Girokonten aller Wirtschaftsteilnehmer sind dort angesiedelt. Private Banken verleihen nur Zentralbankgeld, das sie wirklich besitzen .. von der ZB und von den Sparern erwerben können. Usw.. Es ist ein 100%-ig stabiles Geld- und Zahlungssystem. Bankenpleiten können dem nicht das geringste anhaben .. sehr wohl aber den Sparern. Dafür brauchen wir aber ein paar Änderungen in dem Bundesbankgesetz (BBankG), welches wir ja bereits haben, um die Aufgaben der (staatlichen) ZB neu zu definieren. Und ein paar Änderungen im Finanzdienstleistungsgesetz. Ich bin mir meiner Sache so sicher, dass ich nicht das geringste gegen parallele Privatwährungen einzuwenden habe, z.B. Kryptowährungen, Goldmünzen, und was weiss ich. Mein staatlich reguliertes Geldsystem würde immer der Platzhirsch bleiben, egal was die Privaten machen - weil es eben das sicherste wäre.

Dann waere ich noch dafuer anstelle eines Ablaufdatums zum Horten einen Counter einzufuehren, welcher eine Haltezeit regelt und zudem ein Teil der bewusst geschaffen wird der das Horten schadlos ermoeglicht.

Das brauchen wir nicht. Ich weiss, wie wir die Inflation punktgenau erzeugen und einsetzen können, um das Geldhorten und die Sparquote zu regulieren. Und das ohne jeden zusätzlichen Aufwand. Wir können Inflation erstens über die Staatsausgaben erzeugen und regulieren (auch über BGE, Investitionen, Subventionen u.a.); zweitens über den gML; drittens über den Kreditzins; viertens ... usw..

Mit Gruß, Beo2


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