Besinnliches zu Pfingsten Teil 3 von 3

Geschrieben von Phil H. am 10.06.2019 09:41:11:

Auszug aus Oshos Buch Teil 3:
Das Begehren ist unstillbar. Sieh es dir einmal genau an. Weder hier noch irgendwo hat das Begehren je Erfüllung gefunden. Das hat es noch nie gegeben, und das wird es nie geben, weil es gegen die Natur des Begehrens ist. Was ist dieses Begehren? Habt ihr euer begehrendes Bewusstsein schon einmal näher angesehen? Habt ihr euch ihm wirklich ausgesetzt? Habt ihr versucht, darüber zu meditieren? Was ist dieses Begehren?
Du wünschst dir ein bestimmtes Haus. Du arbeitest dafür, du schuftest. Du opferst dein ganzes Leben dafür — und dann steht das Haus da. Aber wie sieht es mit der Befriedigung aus? Das Haus ist da, und jetzt fühlst du dich plötzlich leer, leerer als zuvor, denn bis jetzt warst du ganz damit beschäftigt, dir dieses Haus zu verschaffen. Jetzt fängst du an, über größere Häuser nachzudenken, über Traumvillen. Du wünschst dir einen Partner. Dein Wunsch geht in Erfüllung. Plötzlich sind deine Hände wieder leer, und es regt sich der Wunsch nach anderen Liebespartnern. Das ist die Natur des Begehrens. Es geht dir immer voraus, es liegt immer in der Zukunft.
Begehren ist Hoffnung. Das Begehren kann nie gestillt werden. Es liegt in seiner Natur, dass es unerfüllt bleibt und sich immer wieder in die es unerfüllt bleibt und sich immer wieder in die Zukunft projiziert. Es ist immer irgendwo am Horizont. Wie schnell du dich auch in Richtung Horizont bewegst, du erreichst ihn nie. Er weicht genauso schnell zurück, wie du dich ihm zu nähern versuchst, und der Abstand bleibt immer ihnen.
Der Buddhismus ist in Indien entstanden, aber er existiert dort heute praktisch nicht mehr, denn der Hinduismus ist eine der materialistischsten Religionen überhaupt. Seht euch in den Veden um: Alle Gebete, alle Andachtsübungen, alle Opfer sind einfach auf mehr aus: mehr von den Göttern, mehr von Gott. Die ganze religiöse Praxis dient einzig der Wunscherfüllung. »Gib uns mehr! Gib uns reichlich! Bessere Ernten, mehr Regen, mehr Geld, längeres Leben — gib uns mehr!« Alles dreht sich um Wünsche, und es sind nicht immer sehr ansehnliche Wünsche. Man betet nicht nur um mehr für sich selbst, sondern auch um weniger für seine Feinde: »Lass meine Kuh mehr Milch geben und die des Feindes weniger oder besser gar keine.« Das soll Religion sein? Wenn so etwas Religion ist, was ist dann Materialismus? Buddha selbst war ja bei vielen Meistern gewesen, aber er musste sie immer wieder mit leeren Händen verlassen, weil offenbar niemand die Natur des Begehrens verstanden hatte. Sie alle waren selbst voller Verlangen; natürlich projizierten sie es in die ferne Zukunft, das andere Leben, aber es in die ferne Zukunft, das andere Leben, aber der wünschende Geist war bei ihnen kein anderer als bei gewöhnlichen Menschen.
Die einen wünschen sich dies und das für die Zeit vor ihrem Tod, die anderen stellen sich die Erfüllung ihrer Wünsche danach vor. Wo liegt da der Unterschied? Es gibt keinen. Das Begehren ist hier wie da dasselbe, mögen sich die Inhalte auch leicht unterscheiden.
Buddha suchte viele Lehrer auf und wurde immer enttäuscht. Nirgends sah er echte Religion blühen — nur lauter Materialisten. Es waren große Asketen darunter. Der eine fastete monatelang, ein anderer stand monatelang ununterbrochen an derselben Stelle, ein dritter hatte jahrelang nicht geschlafen — und alle waren nur Haut und Knochen. Wer sie so sah, kam sicher nicht auf den Gedanken, sie weltlich oder materialistisch zu nennen. Aber sieh dir an, was in ihnen vorgeht. Frag sie: »Warum fastest du?
Sind das religiöse Leute? Sie kommen mir noch weltlicher als so genannte weltliche Menschen vor, sie sind materialistischer als die Materialisten. Es ist ein bemäntelter Materialismus, ein Materialismus mit spiritueller Duftnote, aber eben doch Materialismus. Es ist, als würdest du Parfüm auf einen Misthaufen sprühen. Der Misthaufen bleibt, was er ist, und das Parfüm täuscht nur Leute, die getäuscht werden wollen.
Buddha war nicht zu täuschen, er durchschaute das Ganze. Er sah immer das Begehren in all der Askese. Wenn du begehrst, bist du Materialist und weltlich gesinnt.
Er predigt dir also kein Paradies, denn er glaubt an kein Paradies. Sagt er dann, es könne keine Glückseligkeit geben? Nein. Es gibt sie, aber das ist für ihn kein Glaube. Wenn alle Paradiese aufgegeben und alle Wünsche abgefallen sind, zeigt sich plötzlich, dass Glückseligkeit dein innerster Wesenskern ist. Dazu bedarf es gar nichts — keiner Tugend, keiner Askese, keiner Opfer. Es genügt, dies zu verstehen. Der Weg des Buddha ist der Weg des Verstehens.
Jetzt das Dritte: Buddha glaubt nicht an die Seele. Kein Gott, kein Paradies, keine Seele. Hier wird es nun schwierig.
»Kein Gott« können wir akzeptieren. Vielleicht ist Gott nur Projektion, und keiner hat ihn je gesehen. »Kein Paradies« können wir auch akzeptieren. Vielleicht geht es da wirklich nur um unerfüllte Wünsche und Träume. Aber keine Seele? Zieht uns das nicht den Boden unter den Füßen weg. Keine Seele? Dann ist wirklich alles sinnlos. Wenn der Mensch keine Seele hat, nichts Unsterbliches, wozu dann all die Anstrengungen?
Buddha sagt, dass hier ein Missverständnis vorliegt. Der Mensch existiert in Wirklichkeit nicht als ein Ich, als ein vom Universum getrenntes eigenständiges Ich. Getrenntheit ist der Kern des Ich-Gedankens: Wenn ich von dir getrennt tes eigenständiges Ich. Getrenntheit ist der Kern des Ich-Gedankens: Wenn ich von dir getrennt des Ich-Gedankens: Wenn ich von dir getrennt bin, dann bin ich ein Ich; und wenn du von mir getrennt bist, dann bist oder hast du auch ein Ich.
Buddha sagt: Das Sein ist eins und ungeteilt. Es gibt keine Grenzen. Keiner von uns ist von irgendeinem anderen getrennt. Wir leben in einem Meer von Bewusstsein. Wir sind ein Bewusstsein, aber lassen uns von den Grenzen des Körpers und den Grenzen des Verstandes irreführen. Aufgrund der Identifikation mit Körper und Verstand halten wir uns für etwas Eigenständiges und Gesondertes, für ein Ich. Das Ich entsteht aus diesem Irrtum.
Auf der Landkarte kannst du Indien sehen, aber in Wirklichkeit gibt es Indien nicht als eigenständigen Subkontinent. Du siehst die Kontinente Amerika und Afrika, und sie scheinen tatsächlich getrennt zu sein und jeder für sich zu existieren. Aber die Erde geht ja unter der Meeresoberfläche weiter, und in Wirklichkeit hängt


Sorry, in diesem Forum dürfen nur registrierte Benutzer schreiben.

Hier klicken um sich einzuloggen