Sekundärrohstofferfassung

Geschrieben von throne am 18.06.2019 02:00:44:

SERO. Kennt das noch einer? Für die ganzen kleiner hyperintelligenten Racker Hüpfer mit der Klimakrötelpanik:

sero
Markus Gelau
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Yesterday at 04:13

#FridaysForFuture im unrechtsstaat: die kleine sonntagsgeschichte. ;-)

eines der ersten dinge, über die ich mich nach der wende sehr gewundert habe, war die neue wegwerfgesellschaft, in die wir durch annexion an die brd umgeformt wurden. als bürger eines staates, in dem eine waschmaschine staatlich verordnet mindestens 25 jahre funktionieren musste, in dem wir fast ausschließlich regionale produkte kauften, in dem es keine plastikeinkaufstüten gab - sondern wo mutti seit jahrzehnten mit hipster-einkaufsnetz in den konsum stiefelte, verstand ich eines erst später. nämlich dass diese unfassbar viele tonnen müll produzierende zivilisation die essentielle basis der uns weit überlegenen westlichen wirtschafts- und gesellschaftsordnung war und ist: konsumieren, konsumieren, konsumieren.

viele jahre später wurden uns dann halbgare konzepte (wie *der grüne punkt*) aufgedrückt, die ein irgendwie erwachendes ökologisches bewusstsein der brd-mittelschicht kompensieren sollten. im jahre 2019 existiert in meinem mannheimer mehrfamilienhaus übrigens nach wie vor nur eine "restmülltonne". und zwar ganz offiziell.

irgendwie war das in meiner kindheit (in diesem östlichen, roten unrechtsstaat) anders: das system nannte sich "sero"

"sero" stand für "sekundär-rohstofferfassung", und um's kurz zu machen: an jedem wochenende und oft auch unter der woche tippelten millionen kids in der ddr mit bollerwagen durch die straßen und sammelten altpapier, glas, alle metalle von kupfer bis aluminium, textilien und vieles mehr.

all das wurde zur örtlichen sero-annahmestelle gebracht. dort gewogen und in cash ausgezahlt. die 2 bis 3 mark, die es je nach menge gab, waren nicht nur ein lohnenswertes taschengeld. nein nein. die story ist natürlich viel schlimmer:

als knirpse und jungpioniere verehrten wir nelson mandela, thomas münzer, juri gagarin, ho tschi minh, thomas sankara und fidel castro. wir lernten mit 8,9 jahren eine menge über das feudalsystem, kolonialismus, imperialismus und den deutschen bauernkrieg. und: steckten unsere sauer mit *sero* verdienten ost-mark nicht nur in leckeres mocca-eis, sondern stifteten decken für vietnam, sammelten altstoffe, um das geld nach angola zu spenden, kauften damit für allein lebende alte menschen ein, und nannten bürger der sowjetunion "die freunde". freunde sind sie natürlich heute nicht mehr, denn der aggressive russe steht ja bekanntlich mittlerweile mit seinen panzerspitzen kurz vor bielefeld...

das sammeln der sogenannten "altstoffe" wurde besonders in den schulen von den pionierorganisationen zur erziehung zur (internationalen) hilfsbereitschaft und zum fleiß eingesetzt. es stand oft unter mottos wie "solidarität mit den völkern der welt“, „solidarität mit vietnam“, „hilfe für den wiederaufbau in vietnam“, „hilfe für mosambik und angola“ – die erlöse wurden gespendet.

es war völlig normal, dass in schulfluren wandzeitungen hingen, die diagramme mit den sammlungsergebnissen nach klassen und schülern zeigten. das war ok - denn irgendwie konnte man ja schon in der tat stolz darauf sein, durch die kraft der eigenen hände nicht nur unmengen von rohstoffen recycelt zu haben, sondern kindern in mosambik mahlzeiten und decken verschafft zu haben. durch das mit der altstoffsammlung einhergehende ökologische bewusstsein wurde somit auch etwas geweckt, was in dem späteren deutschen staat, in den ich ungefragt hineinkatapultiert wurde, eher weniger gefragt war: POLITISCHES bewusstsein. und verständnis für die geschichte, die geschehnisse, kausalketten und geopolitik dieser welt.

als ddr-kind der 80er bin ich tatsächlich so sehr mit "NIE WIEDER KRIEG"-phrasen aufgewachsen, dass mir das zeitweise richtig auf die kindlichen nüsse ging. ich kommuniziere das auch jetzt noch mal bewusst für alle meine, dem goldenen westen entstammenden freunde hier: das erfinde ich nicht. ihr könnt euch gar nicht vorstellen, WIE SEHR wir als kids mit friedens-phrasen zugebollert wurden. stellt euch einfach das stupide werbefernsehen von heute vor, multipliziert das mal 10 - und ihr bekommt ungefähr einen eindruck davon, wie oft wir 80er-ddr-kids begriffe wie "frieden", "völkerverständigung", "kampf gegen unterdrückung", "solidarität" und dergleichen in die kindliche rübe gezimmert bekamen. und ja, wir sammelten eben auch altstoffe für: den frieden!

ich erinnere mich, dass ich mit 6 oder 7 jahren richtig stress mit meiner oma bekommen habe, als ich mir von dem von ihr übereigneten taschengeld ein buch über PANZER gekauft habe. das mag mit ihrer generation zusammenhängen. wenn du schwanger bei -30° aus breslau zu fuß fliehen musst vor dem, was faschismus anrichtet und nach sich zieht, und dein flüchtlingstreck hier und da gerne mal von PANZERN überrollt wird - siehst du deren bilder eventuell nicht mehr sooo gern im frisch erstandenen buch des enkels.

hinzu kommt natürlich eine prägende anti-faschistische, anti-imperialistische erziehung des ostens - die in diesen tagen immer wieder von neoliberalen atlantikbrücken-medien diffamiert werden muss. da ist man dann als ttip-kritiker und natogegener automatisch pegida-anhänger, putinlover, afd-wähler und teilt eben auch ansonsten eine menge behinderungen geistiger natur. ganz klar.

zurück zur sero-altstoffsammlung in der ddr: wie alles wurde auch propagandistisch versucht, diese post mortem nach der wende zu diffamieren. allein, es gelang nicht.

1990 erhielt die brd "recycling-expertin" susanne hartard (so etwas wie recycling steckte damals im westen deutschlands noch in den kinderschuhen) von der bundesregierung den auftrag, das sero-system zu untersuchen. sie kam zum schluss, das system sei ausgesprochen perfekt und ungemein effizient.

damit war das todesurteil gesprochen. die staatliche "sero" wurde von der treuhand privatisiert, ging sogar an die börse. danach wird das system von westdeutschen *managern* übernommen und endet nach einem riesigen kreditbetrug in mehrfacher millionenhöhe in den 90ern mit anklage und verhaftung der westdeutschen, kapitalistischen geschäftsführung als eines der vielen opfer des raubtierkapitalismus:

denn aus der ddr konnte und durfte nichts kommen (vom netten ampelmännchen mal abgesehen), was gut war oder gar dem kapitalistischen system überlegen. und so ging das sero-system den gleichen weg wie zuvor polikliniken, ein herausragendes sozialsystem, ein überragendes bildungssystem und viele andere dinge, an die sich nur noch ostalgische altvordere erinnern: es wurde eliminiert.
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