Zu "Zinsanteil im Kaffeesatz lesen" ..

Geschrieben von Beobachter-II am 12.02.2020 16:19:49:

wir kommen zurück zu der alten Diskussion, wie hoch denn der Zinsanteil in den Preisen ist: von der Position der Volks- und Betriebswirtschaft (Francisco D´Aconia) mit dem üblichen Marktzins (der sich buchungstechnisch bei jeder Transaktion quasi nullen und deswegen verschwindend gering sein soll), der berühmte Bierdeckel der alten Freiwirte bis hin zu Oldys und Gebauers 99 und mehr Prozent) war alles vertreten. Für den Mietzins hat z. B. Winrich Prenk vom Gießener Justus im alten Systemfehlerforum einen Zinsanteil von ca. 70% errechnet. Der Beitrag sollte sich im Archiv finden lassen.

Das alles halte ich teils für Kaffeesatz-Lesen und teils für Fake News .. bis zum Beweis des Gegenteils natürlich. Generell gilt: Glauben ist beliebig und kostenlos; Wissen ist eindeutig, kostet aber Arbeit und Lebenszeit. Also, mach dich an die Arbeit ...

Erstelle eine einigermaßen realitätsnahe Simulation angefangen mit der Hebung eines beliebigen natürlichen Rohstoffes bis hin zur Erstellung eines beliebigen Endprodukts .. und zwar über 10 sog. Produktions-/Veredelungsstufen (= Vorprodukt-, Lieferantenkette). Du brauchst dafür also 10 Unternehmen, wobei das erste beliefert das zweite, das zweite beliefert das dritte usw.. Das zehnte U. erstellt schließlich das Endprodukt für den Endverbraucher. Folgende Prämissen sind gesetzt - denn ohne solche geht es nicht :
_ 1) Jede Produktionsstufe ist zu 100% kreditfinanziert.
_ 2) Jede Produktionsstufe benötigt genau 1 Jahr für die Vor-/Produkterstellung.
_ 3) Das erste Unternehmen benötigt 1000 Geldeinheiten (GE) Kredit für die Hebung des natürlichen Rohstoffs.
_ 4) Der Kreditzins beträgt 10%/Jahr. Der Kreditzins bleibt auf allen Stufen 10%/Jahr.
_ 5) Die Gewinnmarge/-aufschlag bzw. Unternehmerlohn (vor Steuer) beträgt anfangs 20%, dann von Stufe zu Stufe sinkend um jeweils 2% vom jeweiligen Absatzpreis - weil die absoluten! Gewinnbeträge mit dem steigenden Absatzpreis ja immer größer werden/würden.

Die Fragestellung ist nun :
_ 1) Wie hoch ist der Zinsanteil im Verkaufspreis auf der 5. und auf der letzten Produktionsstufe ?
_ 2) Wie hoch ist der Gewinnanteil (vor Steuer) im Verkaufspreis auf der 5. und auf der letzten Produktionsstufe ?
_ 3) Um welchen Faktor (Multiplikator) steigt der Verkaufspreis auf der 10. im Vergleich zu der 1. Stufe ?

Poste bitte deine komplette Simulation bzw. Berechnung hier im Forum, damit wir sie begutachten können. Anschließend revanchiere ich mich, indem ich dasselbe tun werde.

Ist das Zinseszinssystem exponentiell, und das ist es, ... könnte also sehr wohl ein entsprechend gewaltig hoher Zinsanteil in den Preisen der Waren und Dienstleistungen verdeckt enthalten sein.

.. "das ist es" zwar auf dem Papier und im Taschenrechner, jedoch nicht in der Realität. Es gibt real existierende Marktmechanismen, welche dem entgegen stehen. Die Fakten sind folgende - u.z. meine Ergebnisse einer umfangreichen Recherche, gepostet in einem anderen Forum :

>> In den Jahren des Deutschen Wirtschaftswunders (1950-1980) und noch kurz danach (bis 1985) ist die Geldmenge "M3 - M1", also alle! verzinslichen Geldguthaben, langsam von ??% bis ca. 39% des BIP gestiegen. Danach wuchs diese Geldmenge völlig synchron mit dem BIP und blieb bis ca. Ende 2010 bei 39-37% des BIP, also geringfügig abfallend. Nach dem Jahr 2010 oder 2011 sehen wir einen deutlichen Abfall dieser Geldmenge relativ zum BIP auf einen Wert von 26% Ende 2017.
>> Mein FAZIT ist deshalb :
>> 1) Das überproportional steile Wachstum der gesamten Geldmenge (M3; Brutto-Geldvermögen) in DE in den Jahren 1985 bis 2017 ist ausschließlich auf das Wachstum der Liquidität (= sofort verfügbare Kaufkraft), also der Menge M1 zurückzuführen, von ca. 20% bis 63% des BIP. Diese Menge betrug Ende 2017 ca. 2,060 Billionen Euro beim BIP von 3,26 Billionen - das macht 63% des BIP.
>> 2) Es ist in den Jahren 1985 bis Ende 2017 kein exponentieller Wachstum von festverzinslichen Geldguthaben (aller Art) feststellbar, sondern die Entwicklung verläuft zunächst auffallend synchron zum BIP mit einem deutlichem Abfall bis Ende 2017.
>> 3) Die Ergebnisse legen nahe, dass seit ca. 1985 ein immer höherer Anteil an der Sparquote (relativ zu den Netto-Einkommen) nicht in verzinsten Geldanlagen landete, sondern in Liquidität verbleibt und sich vermutlich in Aktien-, Devisenmärkten und anderen Spekulationsmärkten aufhält. Seit ca. dem Jahr 2010 oder 2011 findet ein verstärktes Auflösen verzinster Sparguthaben statt.

Mit Gruß, Beo2  


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