Jein, muss nicht, aber sollte ..

Geschrieben von Beobachter-II am 21.05.2020 19:05:23:

>> Sein Ausgabenvolumen [des Staates] beträgt in DE ca. 45% des BIP.

Muß das unbedingt sein? Reichen nicht auch 12,5% (wie im Kaiserreich) oder 25%? Mir geht der damit einhergehende Bürokratismus samt Gebots-/Verbotskultur, die meine Freiheit massiv einschränken, jedenfalls gewaltig auf den Sack!

Jein, es muss nicht, aber sollte. 12,5 oder 25% Staatsquote gibt es nur in brachliegenden Bananenrepubliken, dann in Steueroasen bzw. reinen Finanzplätzen und in außergewöhnlich rohstoffreichen Ländern (Erdöl/Erdgas-Ländern u.ä.). Die Staatsquote in den stärksten INDUSTRIEnationen der Welt liegt allesamt zwischen 40 und 55% des BIP - wie hier zu ersehen ist:
https://de.wikipedia.org/wiki/Staatsquote#Staatsquoten_international

Das ist m.M.n. ganz "im grünen Bereich", ja schon beinahe optimal. Das Optimum liegt nach meinem Dafürhalten bei 50% (±5%). Warum? Weil die Marke 50% exakt die Mitte zwischen Gemeinnutz und Privat-/Eigennutz liegt - um diese Marke herum sollte die Staatsquote pendeln wie das Zünglein an der Waage. Das sagt mir einfach mein sozialer "Gleichgewichtssinn" und die Wahrnehmung natürlicher, symmetrischer Proportionen. Damit ist aber noch nichts über das "Ausgabenprofil in der Staatsquote" gesagt, was ebenfalls eine sehr wichtige Frage ist - denn genau dieses Profil dient der eigentlichen Steuerung der Volkswirtschaft und der gesellschaftlichen Entwicklung.

Auch eine realitätsnahe statistische "Überschlagsrechnung" ergibt das gleiche Ergebnis:
In DE sind ca. 40 Millionen Menschen erwerbstätig. Sie haben außer sich selbst noch weitere 40 Millionen Personen zu versorgen, davon ca. 20 Millionen junge und 20 Millionen alte Menschen. Jeder dieser Erwerbstätigen arbeitet ca. 40 Jahre lang und versorgt ca. 20 Jahre lang ein Junges und ca. 20 Jahre lang einen Alten mit. Das macht also während des gesamten Arbeitslebens ca. 1 Person, die jeder Erwerbstätige mitversorgen muss. Und dies bedeutet, dass er 50% seines Einkommens abgeben muss.
Wenn wir nun annehmen, dass jeder Erwerbstätige die Hälfte der Versorgung eines Anderen einfach DIREKT gegenüber seinen Familienangehörigen leistet, also mit 25% seines Einkommen, so bleiben noch weitere 25% übrig, die er via den Staat als Sozialabgaben abgeben muss, um die Versorgung eines Anderen INDIREKT zu vervollständigen. Das wäre also das allermindeste, ist jedoch noch lange nicht ausreichend, denn:
Es müssen noch weitere Staatsleistungen und staatliche Investitionen finanziert werden, damit die Volkswirtschaft und Gesellschaft funktionieren und aufblühen kann. Hierfür werden die anderen ca. 25% der privaten Einkommen als Abgaben benötigt. Das macht also zusammen: 25% Sozialabgaben für direkte Personenversorgung/ausbildung Abhängiger bzw. Bedürftiger und 25% Steuerabgaben für die sonstigen Verwaltungs-, Investitions- und Sicherheitsausgaben des Staates etc.. Das macht also 50% Abgaben insgesamt - und diese Abgaben sollten letztlich die Staats(ausgaben)quote ausmachen.

Übrigens: Wieviel % der Bevölkerung im deutschen Kaiserreich waren Analphabeten, obwohl es bereits seit Mitte des 15. Jahrhunderts den relativ billigen Buchdruck gegeben hat? Wen kümmerte das? Und wie hoch war der Lebensstandard der unteren Mehrheit der Bevölkerung? .. was konnte sie sich leisten im Vergleich zu heute? Möchtest Du zurück gehen, in die damaligen Verhältnisse?

>> Zum anderen, der Staat stellt die unverzichtbaren Grundlagen und Rahmenbedingungen (Infrastruktur, Rechtsordnung, Schutz von Eigentum & Person, Ausbildung zukünftiger Arbeitskräfte, zahlreiche Dienstleistungen) für jegliche private Wertschöpfung bereit und ist somit an aller.! privaten Wertschöpfung indirekt beteiligt.

Ausbildung zukünftiger Arbeitskräfte: Muß das unbedingt in staatlicher Hand sein oder muß es nicht vielmehr vom Staat unabhängig sein (vgl. soz. Dreigliederung), damit es hier nicht zu einer zwangsläufig damit verbundenen Indoktrinierung kommt?

Wie hoch ist denn der Aus-/Bildungsstand der arbeitenden Bevölkerung und somit auch die Innovationskraft der Wirtschaft in Ländern mit einer sehr niedrigen Staatsquote (.. z.B. unter 30% des BIP)? - sofern es sich um keine Finanzplätze, keine Steueroasen und keine Erdölländer handelt - im Vergleich zu Ländern mit aufwändigem staatlichem Schul- und Bildungswesen, staatlichen Wissenschafts- und Kultureinrichtungen bzw. Statten mit hoher Staatsquote.? Vergleiche es.
Aber sicher, ich habe nichts gegen private, profitorientierte Schulen, neben den staatlichen .. für die, die es sich leisten können.

>> zahlreiche Dienstleistungen ...

Welche genau soll denn der Staat erbringen?

Diese habe ich bereits in einem anderen Beitrag (noch unvollständig) aufgezählt:
http://finanzcrash.com/forum/read.php?1,179901,179943

Mit Gruß, Beo2  


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