"Zentralismus" mit richtigem Augenmaß ..

Geschrieben von Beobachter-II am 05.04.2021 17:28:14:

Zentralismus endet immer im Größenwahnsinn! Verhindert jegliches Eigenvernunftsbewusssein!

Nein, nicht grundsätzlich und nicht immer ...

Auch die physischen Körper aller höheren Organ'Ismen, wie z.B. der Wirbel-, Säugetiere und der Menschen, sind relativ! zentralistisch organisiert - ja, das ist bereits bei den Einzellern so (siehe das genetische das Gehirn im Kern jeder Zelle). Ganz oben in jeder lebenden und organisierten Hierarchie steht immer das Gehirn, die zentrale Verhaltenssteuerung. Es gibt hier also eine Zentrale und eine innere, kollektive Organisation ("Sozialstruktur") .. u.z. zwecks Arbeitsteilung.
Auch der menschliche Körper ist im Grunde genommen eine soziale Struktur, eine Gesellschaft bestehend aus Einzelzellen (= Individuen), mit jeweils eigenen, unterschiedlichen Interessen und Bedürfnissen. Trotzdem kann der physische Körper wunderbar funktionieren, ohne dass irgendeine Einzelle zu kurz kommt. Allerdings, es gibt auch noch die Krebszellen, also mutierte körpereigene Zellen, die man als "kriminell" oder "parasitär" bezeichnen kann.
Und die Planeten kreisen um das Zentralgestirn, die Sonne, die Elektronen kreisen um die Atomkerne etc..

Zentralismus ist also nichts per se Negatives .. und kann sogar etwas sehr Positives sein : nämlich Arbeitsteilung, gemeinsame Planung und Organisation - was ganz andere kulturelle und technologische Leistungen einer relativ geschlossenen Population ermöglicht. Es kommt aber ganz entscheidend darauf an, WIE das Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft gestaltet und geregelt wird. Dies wiederum hängt eng mit der Größe einer relativ geschlossenen Population ab : Die Gemeinschaften der Urwald- oder Buschmenschen in Amazonas, Indonesien, Australien oder Afrika kommen ohne zentralistisch-hierarchische Sozialstruktur aus, weil sie klein sind .. fast nie größer als 200 Personen. Ihre Arbeitsteilung ist sehr unterentwickelt und eine leistungsfähige Wirtschaft (auch Landwirtschaft), Technologie, Architektur, Wissenschaft, Kultur, Literatur etc. ist beinahe non-existent. Sie leben immer noch in der Steinzeit. Das wird "demnächst" auch wieder der Regelfall sein .. allerdings nur vorübergehend.
Eine 80 Millionen Population kann gar nicht anders funktionieren als "zentralistisch organisiert". Innerhalb eines solchen Systems sind aber verschiedene Variationen der systemischen Steuerung möglich.

Also, das Thema "Individuum versus Gesellschaft" (Freiheit vs. Regelung) sollte sehr differenziert angegangen werden .. eben mit richtigem Augenmaß. Diejenigen Gemeinschaften, die das nicht tun, werden schnell auf der evolutionären Strecke liegen bleiben .. und sind auch liegen geblieben.
Beo2


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