Frankfurter Geldkongress am 10. Mai '09

Geschrieben von ben am 10.05.2009 10:45:12:

Ich war gestern auf dem Frankfurter Geldkongress und möchte hier mal Bericht erstatten.
Der Kongress lief von 9:00 bis etwa 17:30, es gab vier Referenten.

Als erstes sprach Uwe Amthauer, ein mittelständischer Unternehmer über Geldsysteme:
Kauri-Muscheln, Ägypten-Ostraka, Rom-Solidus / Sesterze, Mittelalter-Brakteaten / Taler, USA Dollar etc.

Der Vortrag war im Geiste von Karl Walkergehalten, also zinslose Geldsysteme gut und langlebig, Zinssysteme zerstörerisch. Hier gab es die lebhaftesten Diskussionen und Gegenstimmen "Wieso sind denn die Moslems so arm, die haben ja Zinsverbot? ..." Der Naziknüppel ist im Sack geblieben (Zinsknechtschaft).

Der zweite Redner war Jürgen Kremer, ein Physiker, der ein Modell entwickelt hat, mit dem man die Einkommensentwicklung unter dem derzeitigen System darstellen kann. Die Gesellschaft wird dabei in zehn Einkommensgruppen eingeteilt. Das Modell bestätigt die Aussagen von Helmut Creutz, dass die obersten 10 Prozent über den Zins verdienen, die Gruppe 9 in etwa ausgeglichen ist und die restlichen 80% draufzahlen.
Ich habe an dieser Stelle die Frage nach Ivans gleichgewichtigen Zinsen gestellt (weil ich es immer noch nicht verstanden habe). Das kannte anscheinend niemand und es wurde auch nicht für möglich gehalten, dass ein Zinssystem stabil gehalten werden kann.
Interessant war noch der Hinweis auf ein Standard Volkswirtschaftsbuch (Felderer Homburg). In diesem Buch gibt es kein Kapitel über Verschuldung.
Für Leute, die sich näher mit dem Thema Modellierung beschäftigen wollen noch zwei Namen: Steve Keen (ein Kollege von Kremer aus Australien) und schon älter George Stigler. Stigler hat wohl schon vor 50 Jahren darauf aufmerksam gemacht, dass an der "Theorie des Unternehmens" etwas falsch ist. Trotzdem wird sie nach wie vor in den Wirtschaftswissenschaften gelehrt.
Ich selbst habe nie ein mathematisches Modell gebraucht, um davon überzeugt zu werden, dass unser Geldsystem falsch konstruiert ist, man hat aber gemerkt, dass viele Menschen so etwas brauchen. Die meisten hier kennen sicher den Punkt in Diskussionen mit Leuten, die sich vorher nie mit dem Systemfehler beschäftigt haben, wo die Leute sagen "Hmm, das glaube ich nicht, das kann man ja nicht so vereinfachen, in der Realität ist das ja viel komplexer, etc., etc. ...". Nach diesem Vortrag waren solche Stimmen fast verstummt und die Leute waren bereit Kennedy zuzuhören.

Die Mittagspause bildete dann einen Schnitt, vorher Ursachen der Krise und Rolle des Geldsystems dabei, hinterher "was kann man tun".

Margrit Kennedy erzählte etwas von funktionierenden alternativen Geldsystemen (Wörgl, WIR natürlich die Regiogelder und was mir neu war, die JAK-Bank aus Schweden, die ihren Mitgliedern zinslose Kredite anbietet und einen besonderes Bonussystem hat, das die Mitglieder dazu veranlasst anderen Mitgliedern zu helfen, die ihren Kredit unter Umständen nicht zurückzahlen können.
Kennedy sprach, wie Oldy, des öfteren von einem schmalen Zeitfenster, das uns bleibt, bevor die Welt wieder in Chaos versinkt (das mit dem Chaos sind jetzt meine Worte, sie hat es anders ausgedrückt).

Den Abschluss machte dann die Honorarberaterin Stefanie Kühn. Mit ganz sanfter Stimme erklärte sie den Leuten, dass Aktien ja nicht immer eine vernünftige Anlage sind. Sie sprach sogar von Ausweichgrundstücken in Kanada ;) und von Schrebergärten. Das besondere daran war nicht, dass sie auch solche Dinge angesprochen hat, sondern dass niemand gelacht hat. Die Leute sind also langsam soweit, den Totalzusammenbruch in Betracht zu ziehen.

Damit kommen wir wieder zurück zum Zeitfenster. Ich halte für eine Fehler solche Kongresse zu meiden, nur weil man ein paar Euros dafür bezahlen muss. In der Permakultur lernt man mit den Dingen zu arbeiten, die man vor sich hat. Auf dem Kongress hat man deutlich gemerkt, dass die Leute kurz davor sind etwas auf die Beine zu stellen. Es gab auch praktisch niemanden, der die Ansicht vertrat "die da oben" werden es schon richten. Der Vortrag von Frau Kühn hieß "Selbstvorsorge in der Finanzkrise" und auf jeder zweiten Folie tauchte das Wort "Eigenverantwortung" auf. Hinzu kommt, dass die Mehrheit der Teilnehmer selbständige Unternehmer waren. Der Organisator Peter Kürsteiner hat auch vor eine Fortsetzung durchzuführen.


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