hinter den brechenden Dämmen geht das Wachstum weiter

Geschrieben von Faultier am 09.10.2006 12:23:00:

Kruemel der Barbar:

das mit dem unendlichen wachstumszwang, den ich beschrieben habe, stimmt schon. vielleicht gibt es noch parrallel dazu rennen, die ich nicht miterwähnt habe, aber deswegen kannste nich einfach diesen fakt mit dem wachstumszwang wegignorieren.
im übrigen entstehen die anderen rennen, wie rüstungswettläufe als folge daraus, daß das system sich mit unmöglichem unendlichen wachstum eben nicht über wasser halten kann,...

Faultier:

Wichtig erscheint mir folgendes: Wachstums- Innovations- und Verschuldungszwang bedingen sich gegenseitig und haben ihre tiefste Ursache in den kapitalistischen Produktionsverhältnissen, d.h. im Privateigentum an Finanz- u. Produktivkapital sowie den damit im Zusammenhang stehenden Machtverhältnissen und den Verteilungsprinzipien der Einkommen.
Stößt dieses Wachstum an Grenzen, so reformiert sich das kapitalistische System und eröffnet damit wieder neuen Freiraum für Wachstum. So wurde der junge Kapitalismus zum Imperialismus, dieser brachte aus seiner Kriese den Faschismus hervor. Als der besiegt war, entstand der staatsmonopolistische Kapitalismus. Dieser gewann zwar haarscharf den wirtschaftlichen Wettbewerb mit dem Sozialismus, beginnt sich aber nun im Globalisierungsprozeß selbst aufzulösen. Der entstehende Globalkapitalismus wird noch einige Jahrhunderte Zeitraum lassen für das entstehen einer Weltproduktion und die Steigerung ihrer Effizienz.

Kruemel der Barbar:

der kapitalismus ist so gesehen eine reine gewaltherrschaft. sobald das system nicht mehr funktioniert wird gebombt oder sonstwie gewalt angewendet, um es trotzdem mit aller macht beizubehalten.
aber was spricht dagegen die eigenen gesetze des kapitalismus dazu zu verwenden, ihn zu stürzen?

Faultier:

So wird es vermutlich geschehen: die Oligarchen werden eine Weltwirtschaft zusammenbauen und trimmen. Irgendwann einmal werden jedoch die privaten Kapitalinteressen dieser Leute der weiteren Entwicklung derart im Wege stehen, daß sie enteignet werden müssen. Damit erst werden die heute wirkenden Gesetze des Kapitals mit ihrem Wachstumszwang außer Betrieb gesetzt. Es ist dann noch ein weiterer quantitativer Entwicklungsweg zur Verwässerung der Bedeutung von jeglichem Privateigentum, dem langsamen Verschwinden des Geldes aus dem Leben der Menschen usw.

Kruemel der Barbar:

...aber mit etwas geschick wird der kapitalismus vorher von uns besiegt :o)

Faultier:

Wir werden gerade einmal die erste Etappe der globalisierung miterleben. Da ist noch gar nichts mit Ende des Kapitalismus, sondern gerade einmal eine Welle der Staatsbankrotte ( begann mit Argentinien ), der langsamen Auflösung der staatlichen Institutionen und der Privatisierung ihrer Funktionen ( begann privatisierung staatlicher Betriebe z.B. Telekom, geht weiter mit privaten Verwaltungsdienstleistungen, mit privaten Polizei- und Militärkräften usw.) und der neuorganisation von Wirtschaftsräumen ( NAFTA, EU ). Im Hintergrund entstehen schon erste Strukturen der neuen Weltproduktion, die aber noch in den Konzernen heutiger Art gekapselt sind.

Wenn wir vielleicht so bis ca. 2060 zu leben haben, sehen wir vielleicht das erste weltweite Monopol. Vielleicht wird es die Medienbranche umfassen, vielleicht auch Öl oder Gold. Es wird aber klar kapitalistisch sein, es wird private Aktionäre und Managerstellen haben. Es wird vielleicht schon den noch bestehenden Nationalstaaten die Bedingungen aufdiktieren, z.B. weltweite Preise für Mediennutzung, deren Einzug ( das Ende und/oder Neuerschaffung der GEZ ), die Durchsetzung von Vervielfältigungsverboten, Bedingungen für die Informationsverarbeitung u. -Verbreitung usw. - alles heute schon in Ansätzen erdacht und diskutiert.

Das Faultier



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