Nischen in der Krise finden: Ernährung Teil 1: Straußhaltung

Geschrieben von Grek 1 am 14.03.2010 18:35:27:

Hallo,

nachdem ich heute im Forum einen kurzen, aber lesenswerten Erfahrungsaustausch zum Thema Geflügelhaltung gefunden habe, will ich heute nach anstrengendem Messeaufenthalt einen kurzen Beitrag zur Haltung etwas größerer Vögel, nämlich der im Moment größten Hühner der Welt, den Straußen, schreiben.

Zwar ist die Zahl der Straußenhalter in Deutschland noch relativ gering, jedoch konstant, so daß an der Haltung der riesigen Vögel wohl doch irgendetwas dran sein muß. Doch halt: was haben die afrikanischen Riesenvögel in unseren Breiten verloren und was sollen deren Vorteile gegenüber einer normalen Geflügelhaltung sein? Nun, Strauße waren bis zur letzten Eis- oder besser Schneezeit durchaus in Europa heimisch und tatsächlich vertragen sie unser mitteleuropäisches Klima ausnehmend gut, sogar besser als die Dürre und Hitze der afrikanischen Savanne. Von daher ist es unproblematisch. Die Tiere sind bei richtiger Haltung außerordentlich schnellwüchsig und erreichen binnen Jahresfrist fast ihre Größe und beinahe ihr Endgewicht. Sie benötigen als wenig domestizierte Wildtiere kaum tierärztlicher Betreuung, allerdings muß dann und wann, vor allem im Winter, zugefüttert werden. Von dem ausgezeichneten Futterverwerter kann nahezu alles verwendet werden. Angefangen von den porzellanähnlichen Eierschalen samt dem gehörigen, schmackhaften Inhalt, vor allem das außerordentlich nahrhafte Fleisch, das schon Hildegard von Bingen als Heilfleisch bekannt war – wer denn diese in der Regel eher schreckhaften Fluchttiere meint unbedingt schlachten und aufessen zu müssen. Strengen Glaubensvertretern des Alten Testaments soll der Genuß des Straußenfleisches übrigens untersagt sein, was Israel aber nicht davon abhält eigene Straußenfarmen zu betreiben. Aus dem Federkleid lassen sich neben der Verwendung als mehr oder minder modischer Hutschmuck hervorragende Staubwedel herstellen, aus der Haut können sehr exquisite Lederwaren gegerbt werden. Ein Blick in den Netzladen diverser Straßenzüchter gibt einen schönen Überblick.

Wildernde Hunde, aber auch Diebsgesindel werden es sich sehr gut überlegen müssen, ob sie sich an den wehrhaften Riesenvögeln vergreifen wollen. In die Enge getrieben, während der Balz, der Brut oder der Aufzucht der Jungtiere sind vor allem die Hähne nur mit Vorsicht zu genießen. Ein Fußtritt kann nicht nur einen erwachsenen Leoparden töten. Und wer möchte schon von einem ca. 60 km/h schnellen, in Panik fliehenden Strauß mit bis zu 140 kg Lebendgewicht umgerannt werden? Ansonsten sind die Tiere überaus friedfertig und im Unterschied zu Gänsen oder gar Pfauen außerordentlich ruhig und ihren Menschen gegenüber zutraulich, so daß selbst geräuschempfindliche Nachbarn es kaum bemerken werden, wenn eine Herde aus 20 Jungtieren in weniger als 50 m Entfernung ihr Futter aufnehmen.

Klingt trotz allem recht interessant? Ja, wenn nur der vermaledeite Platzbedarf für die Grünweiden und die Kosten für die Zaunanlagen und Unterkünfte nicht wären. Außerdem ist es mit Freizeit dann Essig – wie bei jedem Landwirt. Man muß sich klar sein, daß dies nur etwas für Enthusiasten ist, da man sich seine Absatzmärkte noch selbst suchen kann und muß.

Dieser Beitrag soll selbstverständlich nicht dazu animieren, von unserem bekannten Federvieh gleich auf den Goliath zu wechseln. Aufgezeigt werden soll, daß man mit Pfiffigkeit sich Nischen erschließen kann, die einem das Durchkommen in der Krise erleichtern. Wer kein Landwirt ist, mit Tieren nicht umgehen kann oder meint gebratene Strauße ohne eigene Arbeit in den Mund geflogen zu bekommen, sollte besser bei seinen Leisten bleiben. Die Lehrstellen für Prinzen und Prinzessinnen sind leider eben doch noch sehr rar im Moment.

Wer sich dafür näher interessiert, dem möchte ich stattdessen ganz dringend den Besuch einer Straußenfarm mit einer Führung nahelegen. Ein schöner kurzweiliger Ausflug für die Familie am Wochenende. Hier war ich schon zweimal:

http://www.mhoufarm.de/

Dort erfährt man alles über die Aufzucht und Haltung. Man kann sich auch entsprechend ausbilden lassen, was unbedingt zu empfehlen ist. Und in Deutschland natürlich unvermeidlich: was man alles vom Amt her einzuhalten hat, wenn man diese Tiere halten möchte. In diesem Schmöker steht alles zum Thema Strauß:



Also, den Kopf nur nicht in den Sand stecken! 

Grek 1

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"Ich will, weil ich kann, was ich muß!"


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