Terra preta gegen Monsantos Genmüll – die Lösung des Düngerproblems in der Landwirtschaft

Geschrieben von Grek 1 am 30.03.2010 14:56:39:

Hallo,

im September vor drei Jahren schrieb ich eine kleine Artikelserie zum Thema alternative Landwirtschaft im Kampf gegen Monsantos Genmüll. Heute gibt es eine sehr wichtige Ergänzung zum Selbermachen für Jedermann: Terra Preta.

Nun, was ist denn das überhaupt und wer hat es erfunden? Terra preta ist portugiesisch und bedeutet an und für sich nicht weiter als Schwarze Erde und bezeichnet eine besonders fruchtbare Humusschicht. Und dieses Mal waren es mal nicht die Schweizer, sondern die Indios haben durch eine konsequente Verwertung sämtlicher Abfälle bereits vor vielen Jahrhunderten eine unerschöpfliche Humusquelle geschaffen, die mancherorts Stärken von mehr als einem Meter Mächtigkeit in Verbindung mit einer geradezu sagenhaften Fruchtbarkeit erreicht. Gut, solche dicken Humusschichten gibt es z. B. auch noch in der Ukraine und es gab sie auch im Korngürtel der USA, im letzteren jedoch wurde durch Erosion und Monokultur diese fruchtbare Humusdecke in relativ kurzer Zeit an den meisten Orten vernichtet und bedarf heute immenser Mengen an Insektiziden und Pestiziden sowie Dünger, um Landwirtschaft betreiben zu können. Anders jedoch Terra preta: erntet man beispielsweise Terra preta bis auf eine Restschichtdicke von etwa 20 cm für den Verkauf ab, so ergänzt sich diese Schicht innerhalb weniger Jahre wieder auf die ursprüngliche Mächtigkeit. Wie geht das und was ist das Geheimnis von Terra preta?

Terra preta besteht aus 4 so hundsgewöhnlichen Bestandteilen, daß man sich am liebsten ohrfeigen möchte, nicht eher auf so eine banale Lösung zu kommen. Aber es ist die besondere Kombination, die aus der simplen Summe der Bestandteile im Ganzen mehr werden läßt. Doch genug geredet. Gehen wir in medias res.

1.) Pflanzliche Abfälle, also alles, was in der Küche und sonst so anfällt.
2.) Tierischer und menschlicher Dung
3.) Effektive Mikroorganismen

Bis hierher ist das alles noch nichts umwerfend neues, wenn sich mancher Leser auch schon bei dem Gedanken schütteln wird, menschliche Fäkalien in Verbindung mit Lebensmittelerzeugung zu bringen. Doch hier liegt schon genau der erste Detailpunkt des gewußt wie: Urin und Kot sind sofort streng voneinander zu trennen, so daß gar nicht erst die grauenerregend stinkende, hochgiftige Gülle entsteht. Denn erst in der Vermengung dieser beiden Ausscheidungen vermag der Urin seine unsägliche Zersetzungstätigkeit im Kot zu entfalten, der die bekannten Probleme mit sich bringt. Nicht umsonst werden bei höheren Lebewesen diese Ausscheidungen separat ausgeschieden. Warum wohl? Auf praktische Anwendungen komme ich noch zu sprechen, für das erste Verständnis soll diese Erklärung genügen.

Und jetzt kommt die vierte und alles entscheidende Zutat, die so watscheneinfach und in unerschöpflichen Mengen verfüg- und nachhaltig herstellbar ist, daß sie bis dato meist vergessen wurde: Holzkohle! Warum denn das? Welche Funktion hat die Kohle denn? Nun, die reinigende Wirkung im menschlichen Organismus mag schon manch einer erlebt haben, im Boden jedoch ist sie ein großartiger Wasserregulator und Wasserspeicher sowie Heimstatt für unzählige Mikroorganismen, die zudem sich über Jahrhunderte im Boden halten kann, wie wir durch Funde aus geschichtlicher Zeit sehr wohl wissen. Sie ermöglicht den für das Bodenleben entscheidenden Kleinstlebewesen das Überstehen längerer Trockenzeiten und Staunässe. Erst die Holzkohle macht die drei anderen Komponenten zu Terra preta.

Eingangs hatte ich geschrieben, daß Jedermann Terra preta herzustellen imstande ist. Und so geht es:

Küchenabfälle und Rasenschnitt o. ä. kann wohl jeder auftreiben und die anderen Zutaten sind so typisch menschlich, daß sie eigentlich keiner Erwähnung bedürfen und tatsächlich ist das aber, abgesehen von entsprechend mehr oder minder perversen Gelüsten an menschlichen Ausscheidungen, ein Tabu- und Ekelthema, wie wir mit unseren Exkrementen umgehen. Wir aber wollen uns jetzt mit diesem unappetitlichen Thema notdürftig kurz befassen. Wie erwähnt ist es notwendig, die Ausscheidungen sofort zu trennen. Wie macht man das? Im primitivsten Falle mit einer simplen (Urin)flasche und einem stinkenden Nachttopf, in dem man nach jeder Benutzung die Hinterlassenschaften mit einer bereits angesetzten Terra preta-Mischung etwas abdeckt. Entsprechende Utensilien gibt es in der Sanitärindustrie, aber auch für Globetrotter. Was für ein prickelndes Gefühl, es ist, in eine Flasche zu pinkeln, weiß mancher Krankenhausbesucher aus ureigenster Erfahrung zu berichten. Der Urin wird entweder gesammelt oder sofort mit der 10-fachen Wassermenge verdünnt und auf die Felder verbracht. Nur Mut, nur die Harten kommen in den Garten! Die Feststoffe hingegen werden ca. 1 – 3 Jahre z. B. in einem Thermoschnellkomposter bis zur Verwendungsreife gelagert, wobei Krankheitserreger durch die hohen Kompostiertemperaturen zuverlässig vernichtet werden. Für uns hygiene- und komfortbewußten zivilisatorischen Warmduscher gibt es wie schon früher erwähnt mittlerweile echte Schmockstücke von ausgereiften Trockentoiletten, mit Fäkalientrennung. Solche erprobten Anlagen gibt es bereits für Mehrfamilienhäuser. Während das eine nur wenige Eumels kostet, sind für die Luxusvariante mit Fäkalientrennung schon zwischen 1500 – 5000 Eumel fällig. Ach ja, die Geruchsbelastung ist bei diesen Toiletten sogar geringer als bei herkömmlichen Wassertoiletten, da eine beständige Entlüftung durch Unterdruck erfolgt.




Was ist noch wichtig? Die Holzkohle muss möglichst fein zermahlen werden, was in der Summe ihre Oberfläche und damit das Reaktionsvermögen enorm vergrößert.

Also, was braucht man, um Terra preta in einer Versorgungskrise jetzt selbst herzustellen? Neben den organischen Abfällen, einigen Flaschen und Eimern in der Primitivlösung für die Fäkalientrennung sowie selbst angesetzten Effektiven Mikroorganismen einen oder zwei Kompostplätze zum Ausreifen des Produktes.



Im Handel sind für um die 100 Eumel empfehlenswerte Thermo- oder Schnellkomposter mit Nagetierschutz erhältlich.





Für das revolutionäre Designmodell sind es schon fast 300 Eumel. Also je nach Gusto und Geldbeutel.





Die Holzkohle kann man mit Stampfern oder einer ausgedienten Kaffeemühle zerkleinern und ansetzen. Wie man Holzkohle selbst herstellt, sollte jedem Überlebenskünstler bekannt sein. Wer es bequemer liebt, greift halt zur ordinären Grillkohle. Mittlerweile arbeitet man an speziellen Meilern, die jegliches organisches Material zu Holzkohle verarbeiten können.

Terra preta kann man natürlich auch fertig beziehen. Hier eine Bezugsquelle, die daher sofort zu verrheingolden wäre:

http://www.triaterra.de/epages/62153231.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/62153231/Categories/%22Terra%20Preta%22

Was ist der große Gewinn bei so einer Lösung? Bis dato war die Landwirtschaft im klassischen Sinne immer auf die ergänzende Zufuhr zusätzlichen Düngers angewiesen, dessen Produktion wieder sehr stark vom Öl abhängig ist, was in einer Versorgungskrise fatale Folgen haben könnte. Durch die Terra preta-Methode kann hier eine echte Kreislaufwirtschaft entstehen. Kombiniert man diese Methode mit den von einem älteren Forumsmitglied besonders beliebten Hügelbeeten, entstehen hier besonders leistungsfähige Böden, die nicht nach mehreren Jahren neu angelegt werden müssen. Eine Kombination mit anderen alternativen Techniken bleibt auch unbenommen.

Terra preta ist auch für aride Gegenden mit äußerst fruchtbaren Böden wie zum Beispiel den Chaco in Paraguay interessant, da die Holzkohle lange Zeit Feuchtigkeit halten kann, was dort allerdings nicht das Problem mit dem Salzwasser löst, das dort manchmal schon ab 40 cm Tiefe ansteht.

So ganz nebenbei reduziert sich der Abwasseranfall durch eine Trinkwasserverschwendung ersten Ranges, nämlich die Toilettenspülung, wenn kein Grauwasser verwendet wird. Damit einher gehen die immensen Herstellungs- und Unterhaltungskosten für ein reduziertes Kanalnetz, wenn Trockentoiletten flächendeckend eingesetzt werden würden. Für die verbleibende Abwassermenge reichen leistungsstarke Pflanzenkläranlagen aus, die sich in der Praxis auch in unseren Breiten bestens bewährt haben.

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/68/Pflanzkl%C3%A4ranlage_LK_OS.JPG

In diesem Zusammenhang weise ich auch nochmals auf die natürliche Hockhaltung im Gegensatz zu der erst seit dem 18. Jahrhundert in Europa üblichen Sitzhaltung zum Defäkieren hin, deren Vorzüge und Alternativen zur Nachrüstung unserer krankmachenden Sitztoiletten auf dieser Seite dargestellt sind:

http://www.darmhilfe.de



Für Designer gibt es hier noch ein reges Betätigungsfeld, denn die üblichen Hocktoiletten, die man aus südlichen oder asiatischen Ländern kennt, sind ganz gewiß nicht der Ästhetik letzter Schluß. Auch gibt es nach meinem Kenntnisstand bis dato noch keine Hocktrockentoilette mit Fäkaltrennung. Klingt absolut lächerlich, ist aber seit den Tagen der ersten Clivus multrum kein kleiner Markt mehr. Das würde ein echtes Novum in der Sanitärtechnik als Nischenprodukt bedeuten. Also Leute, hockt Euch auf den Allerwertesten!

Gruß

Grek 1

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"Ich will, weil ich kann, was ich muß!"


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