Re: das Für und Wider der Kaufkraftstabilität: Kontrolle ist besser

Geschrieben von Exmatrikulator am 05.11.2006 14:43:00:

Faultier:
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>Oldy über Kaufkraftstabilität:

... Dafür wiederholen sie ein Argument immer wieder: "Freigeld ist Schwundgeld und kann nicht kaufkraftsabil gehalten werden, besonders dann nicht, wenn es viele Herausgeber der Gutscheine gibt."
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>Darauf haben die alten Freiwirte, die ein Monopolfreigeld vertreten auch keine Antwort und von den Buchgeldfreiwirten braucht man auch keine verlangen.
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>Daher will ich nun beschreiben, wie einfach die Kaufkraftbeständigkeit der Gogogutscheine gewährleistet werden kann. Nämlich durch die Kaufkraftgarantie auf den Scheinen. Sollten also zu viel herausgegeben worden sein und es zeigt sich eine merkliche Inflationierung, würden viele Leute diese Kaufkraftgarantie in Anspruch nehmen und die Herausgeber mußten die Scheine zurückkaufen und damit würde sie vom Markt als Nachfrage verschwinden. Weniger und knappere Scheine werden dann aber wieder mehr wert. So würde sich das automatich einpendeln.
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>Die vielen Herausgeber werden im eigenen Intersess solche Rückkäufe auch machen. Sie wollen ja die Kaufkraft ihrer Gutscheine erhalten, weil sie selber damit etwasn kaufen wollen.
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>Da jeder Preis ein Knappheitspreis ist, auch der des Tauschmittels, wird diese Knappheit durch die Kaufkraftgarantie garantiert. Wenn aber mittels Freigeld die Waren auf dem Markt knapper werden, wird ihr Preis in alten Monopolgeld ausgedrückt steigen, was in anderen Worten heißt, daß dieses weniger wert werden wird.
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>Das ist aber Inflation und die kann im Gegensatz zur Umlaufsicherung nicht kontrolliert werden. Um auf Argument Nr.1 zurückzugehen, stimmt es schon, daß manche Initiativen Schwierigkeiten damit haben, daß ihr Freigeld akzeptiert wird, aber das liegt daran, daß sie eine viel zu hohe Umlaufsicherung berechnen und die Kaufkraftstabilität nicht garantieren.

Faultier:

So können wir das aber nicht lassen. Dann bräuchte das Volk nämlich kein Freigeld, sondern könnte passende Stücken demontierter Oberleitungen als Tauschmittel verwenden. Auch da würden Angebot und Nachfrage den Preis ( Kurs ) machen und wenn zuviel davon da ist, einfach beim Altmetallhändler abgeben und mit den davon erlösten Euro zum nächsten Konsumtempel rennen.

Was bedeutet nun Kaufkraftgarantie?
>Idealfall: Ein Gewerbetreibender besitzt einen Warenbestand im Wert von 100.000 Euro. Dieser Warenbestand dient nicht als Sicherheit für Verbindlichkeiten. Der Gewerbetreibende gibt jetzt Bezugsscheine auf den zehnten Teil seines Warenbestandes heraus. Diese Bezugsscheine haben also zusammen den Wert von 10.000 Euro. Was der Gewerbetreibende nun persönlich zu garantieren hat, ist die ständige Verfügbarkeit von diesem einen durch die Bezugsscheine verbrieften Teil seines Warenbestandes. Normalerweise kann er das täglich und zu jeder Stunde. Für den Fall von Elementarschäden, Diebstahl ist er Versichert. Ist die Ware minderwertig, so haftet der Hersteller dafür.

Wenn der Gewerbetreibende jetzt die im Umlauf befindliche Zahl der Bezugsscheine vergrößert oder verringert, so ändern sich auf keinen Fall die Preise und somit auch nicht der Wert der Scheine, denn sie bleiben immer im selben Verhältnis an die Waren gebunden. Das ist Kaufkraftstabilität bzw. -Garantie.
>Da sich die Warenpreise in Euro dramatisch ändern können, so kann es durchaus sein, daß der Kurs eines Warenbezugsscheines zum Euro ebenfalls heftig ausschlägt. Es kann auch sein, daß wegen Knappheit der Warenbezugsscheine deren Kurs in Euro wesentlich über dem aktuellen Warenpreis in Euro liegt. Dies sind Kursschwankungen, sie ändern nichts an der Kaufkraftstabilität.


>Wie unterläuft man diese Kaufkraftgarantie?
>Der Gewerbetreibende hat noch Waren im Wert von ca. 100.000 Euro im Lager. Sie haben unterschiedliche Verfallsdaten, es ist Sommer, kein Strom für die Kühlanlagen, Chaos, Bankverbindlichkeiten belaufen sich auf 120.000 Euro und die Einnnahmen auf den Warenbestand sind die einzige gebotene Sicherheit. Nun will der Gewerbetreibende seinen Umsatz ankurbeln, indem er schnell Bezugsscheine auf seinen gesamten Warenbestand herausgibt. Weil es so gut läuft, gibt er gleich noch weitere Bezugsscheine heraus auf die Waren, die er demnächst kaufen will von dem Geld, welches er aus dem aktuellen Warenbestand zu erlösen gedenkt. Weil er aber auch noch Umtauschkosten einzuplanen hat und seine private Lebenshaltung sehr kostenintensiv ist, kauft er nur noch ein, indem er weitere auf seinen in Zukunft zu erwerbenden Warenbestand Bezugsscheine herausgibt. Es wäre ein Kreislauf ohne Ende, wenn es da nicht den Zufall gäbe. Beispielsweise könnte eine behördliche Kontrolle wegen der Lagerbedingungen und der Verfallsdaten der Waren stattfinden oder den Finanzamt fallen kleine Verbuchungsfehler auf. Auch ein Bankangestellter könnte unruhig werden oder ein Mitarbeiter der Sozialkassen hat keine Lust seine Karriere wegen der Freigeldwirtschafterei eines Gewerbetreibenden zu gefährden. Ein Körnchen rieselt und bringt eine Lawine zu Tale.

Wie wir sehen hängt die Garantie der Kaufkraft eines Zettels doch sehr stark an den Fähigkeiten und an de Seriosität des herausgebenden Gewerbetreibenden - und an den Mechanismen der Kontrolle. Betrachten wir nur die Geschichte der kleinen bundesdeutschen Wirtschaftsskandale, die alle einmal mit Gutgläubigkeit begannen, so können wir jetzt schon einen vorsichtigen Schluß auf die Zukunft der vielen regionalen Geldscheinchen wagen.


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Das Faultier


Ausgezeichnete Arbeit Faultier,ganz ohne Wirtschaftswissenschaft ,und ganz ohne Ideologieklappe,müßte eigentlich jeder Dorfdepp nachvollziehen können der über einen IQ von mindestens 60 verfügt.
Kommt sogar ohne die Verifizierung und Glorifizierung von Volatilitäten,Kapitalismus ,Kommunismus und anderer "ismen" aus.
Gruß vom Exmatrikulator



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