Etwas über "Freigeld-Kapitalismus" gefällig ..?

Geschrieben von Beobachter-II am 05.11.2006 17:53:00:

>Eines sagen die Gegner nun kaum mehr: "Niemand wird Freigeld annehmen." Da haben schon Wära und Wörgl das Gegenteil bewiesen und jetzt tun es alle Freigeldinitiativen. Das abzustreiten, würde sie doch zu lächerlich machen.
Dafür wiederholen sie ein Argument immer wieder: "Freigeld ist Schwundgeld und kann nicht kaufkraftsabil gehalten werden, besonders dann nicht, wenn es viele Herausgeber der Gutscheine gibt."

Zunächst einmal : Ich verstehe mich nicht als Freigeldgegner, sondern im Gegenteil : Ich finde Freigeld schon in Ordnung, denn es ist prinzipiell nicht besser oder schlechter als das Inflationsgeld. Ich halte sogar viel davon, da es nur „regional gültig“ ist, und somit regionale Wirtschaftskreisläufe fördert, womit wiederum es der sog. Globalisierung (-spolitik !) entgegen wirkt. So viel, so gut. Nur, ich fordere dringend darüber hinausgehende Reformen, als das sind : die Bodenreform, und eine tiefgreifende Demokratisierung der Betriebswirtschaft. Was ich mit dem letzteren meine, kann ich bei Interesse hier gerne kundtun.

>Darauf haben die alten Freiwirte, die ein Monopolfreigeld vertreten auch keine Antwort und von den Buchgeldfreiwirten braucht man auch keine verlangen. Daher will ich nun beschreiben, wie einfach die Kaufkraftbeständigkeit der Gogogutscheine gewährleistet werden kann. Nämlich durch die Kaufkraftgarantie auf den Scheinen.

Erstens: Was für Kaufkraftgarantie meinst Du hier ? Doch wohl nicht die konkreten Warenpreise bei einem Händler !? Du meinst sicher den Preisindex eines Warenkorbes. Steht es auch auf den Scheinen, oder in den Statuten des Herausgebers geschrieben, was in dem Warenkorb drin ist ? Wo wird der aktuelle Index ausgehängt, damit die Kunden ersehen können, ob ihre Gutscheine auch „wirklich kaufkraftstabil“ sind ?

Zweitens: Außerdem, was interessiert einen Konsumenten oder Produzenten der stabile Preisindex, wenn er eigentlich Preisstabilität nur bei einigen bestimmten Waren braucht, ihm aber gerade diese durch die „Kaufkraftgarantie“ nicht zugesichert wird ? Hinter einem „stabilen Preisindex“ können sich gewaltige (gegenläufige) Preisbewegungen und -schwankungen bei allen (!) Waren verbergen.

Drittens: Ohne die Bodenreform, und damit ohne die Eindämmung von Spekulationsmärkten wird es auch mit Freigeld kein funktionierendes Währungssystem geben. Ohne diese Voraussetzung kann kein Geldsystem der Welt funktionieren. Daran hauptsächlich krankt auch das heutige Geldsystem (neben der „absichtlich falschen“ Geldpolitik der ZB), und die heutige Geldstabilität. Freigeld ohne die Bodenreform, und ohne eine Demokratisierung der Betriebswirtschaft ist völlig sinnlos - es führt lediglich zu einem Freigeld-Kapitalismus heutiger Prägung.

>Sollten also zu viel herausgegeben worden sein und es zeigt sich eine merkliche Inflationierung, würden viele Leute diese Kaufkraftgarantie in Anspruch nehmen und die Herausgeber mußten die Scheine zurückkaufen und damit würde sie vom Markt als Nachfrage verschwinden. Weniger und knappere Scheine werden dann aber wieder mehr wert. So würde sich das automatisch einpendeln. Die vielen Herausgeber werden im eigenen Interesse solche Rückkäufe auch machen. Sie wollen ja die Kaufkraft ihrer Gutscheine erhalten, weil sie selber damit etwas kaufen wollen.

Nehmen wir ein Beispiel : Beim Freigeld A steigt der Preis für Butter, Brot & Co, während der Preis für die Bohrmaschine und den Fernseher sinkt. Der Preisindex bleibt aber unverändert.
Bei Freigeld B bleiben alle Preise für Lebensmittel gleich, während die Preise für Elektrogeräte anziehen - folglich, der Preisindex steigt (Inflation). Bei Freigeld C sinkt der Index deflationär, warum auch immer.
Preisfrage : Was werden da wohl die Kunden machen - welche Ausgabe werden sie „vom Markt verschwinden“ lassen ?

>Da jeder Preis ein Knappheitspreis ist, auch der des Tauschmittels, wird diese Knappheit durch die Kaufkraftgarantie garantiert. Wenn aber mittels Freigeld die Waren auf dem Markt knapper werden, wird ihr Preis in alten Monopolgeld ausgedrückt steigen, was in anderen Worten heißt, daß dieses weniger wert werden wird. Das ist aber Inflation und die kann im Gegensatz zur Umlaufsicherung nicht kontrolliert werden.

Wieso kann die Inflationsrate beim heutigen Geld prinzipiell nicht kontrolliert werden ? Was macht denn die ZB seit Zig Jahren ? Das einzige und große Problem sind allerdings die Spekulationsmärkte, wohin das meisten frische Geld abfließt, was sowohl zu der „dynamischen Geldhortung“ als auch zu gigantischen Kreditabschreibungen (Pleiten) führt, was alles zinstreibend ist ...
Die „primären“ (ältesten) Spekulationsmärkte basieren aber allesamt (!) auf dem Privatbesitz von Grund & Boden (Immos, Bauland u.a.), auf den Bodenschätzen (Rohstoffen usw.), sowie auf der Produktivkraft des Erdbodens (Fauna & Flora). Hier liegt das Hauptproblem - Monopolgeld hin, Freigeld her.

Davon abgesehen, nicht-umlaufgesichertes Geld benötigt ganz gewiß eine mäßige Inflationsrate, exakt gleich der ULG, um prinzipiell richtig zu funktionieren. Das wissen auch die ZBänker, sie halten sich nur nicht daran - warum wohl !? Na ..? ... weil die Inflationsrate prinzipiell die gleiche Wirkung hat wie die ULG.

Solange sog. Freigeldpraktiker diese einfachen Zusammenhänge nicht (an)erkennen, werden sie kläglich versagen. Übrigens, etliche „Freigeldtheoretiker“ haben diese Zusammenhänge bereits erkannt und zugegeben ..! Sie sagen bereits klipp und klar : Freigeld ohne die Bodenreform, d.h. die Eindämmung von Spekulation mit Grund&Boden (mit allem drum, drin und drauf) funktioniert nicht. Ich sage : ... und ohne eine tiefgreifende Demokratisierung der Betriebswirtschaft (.. volle Mitbestimmung und Ergebnisbeteiligung der Arbeitskraft).

>Um auf Argument Nr.1 zurückzugehen, stimmt es schon, daß manche Initiativen Schwierigkeiten damit haben, daß ihr Freigeld akzeptiert wird, aber das liegt daran, daß sie eine viel zu hohe Umlaufsicherung berechnen und die Kaufkraftstabilität nicht garantieren.
>Es wird nie zu einem Rückkauf kommen,

Nein, das wird es in der Tat nicht, da diese Freigelder zusammen mit dem Euro verschwinden werden ... - es sei denn, daß sie vorher schon verboten werden. Die ZB ist bekanntlich per Gesetz zur Preisstabilität verpflichtet. Und auch auf eine Hyperinflation wird man es nicht ankommen lassen - es sei denn, es gibt wieder Krieg ...

Gruß, Beobachter II

>weil sich die Gogos viel schneller ausbreiten werden und durch die Umlaufsicherung auf dem Markt bleiben würden. Einige Initiativen, die ein frühzeitiges Verbot vermeiden oder unwirksam machen können und auch dafür gibt es Pläne sind alles, was notwendig ist.



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