Schluß mit dem Wasserwahn - hör auf Deinen Körper

Geschrieben von ghad am 08.11.2006 22:51:00:

Ich habe einen Freund, der jedes Jahr eine andere Gesundheitssau durch das Dorf getrieben hat. Eines Jahres war es auch die These: Jeden Tag drei Liter Wasser trinken.
Gegen sowas bin ich normalerweise immun. Mein Körper ist Resultat einer Jahrmillionen dauernden Entwicklung, und er meldet mir zuverlässig, wenn ich Wasser brauche. 3 Liter am Tag hatte er mir noch nie gemeldet.
(Er meldet mir auch, wenn ich das große goldene M am Horizont sehe, ob er eine Frikadelle braucht oder nicht. Hat mir bis heute nicht geschadet, auf ihn zu hören, ich bin kerngesund.)
Zurück zum Wasser. Da wurde mir wochenlang erzählt, wenn mein Jahrmillionen bewährter Körper nach Wasser verlange, dann sei es zu spät. Ich müsse früher trinken, sonst entstehe eine Wasserunterversorgung.
Kein Problem, ich habe in diesen langen Jahren auch ein denkfähiges Hirn bekommen, und konnte ab dann gemäß Anweisung immer schon kräftig trinken, bevor ich überhaupt Durst hatte. Das tat ich dann, 3 Liter am Tag. Geschmeckt hat es nicht.
Mit tun die ganze Tiere leid, die nicht so logisch denken können, und die unerträgliche Qualen erleiden müssen, weil sie immer erst trinken, wenn sie schon Durst haben.
Aber was soll ich Euch sagen?
Mein Körper hat nicht funktioniert. Nachdem ich ihn monatelang mit nicht verlangtem Wasser aufgefüllt hatte, ist es passiert.
Ich STAND, wie es meine Art ist, von Abends bis zum frühen Morgen ins Gespräch versunken auf einer Fete, und habe wie immer zu solchem Anlaß Bier statt Wasser getrunken. Irgendwann wurden mir die Schuhe zu eng, ich entledigte mich ihrer und legte ein Paar elefantöser Beine auf den Tisch.
Erschrecken bei den anderen Gästen, ganz zu schweigen von mir. Fragen nach der Herzgesundheit, Ratlosigkeit. Ab dem nächsten Tag tat auch tatsächlich das Herz weh und fing an zu stolpern. Das dürfte an einer ausgeprägten Neigung zur Suggestibilität meinerseits liegen.
Ich habe dann Wochen gebraucht, um dieses ganze Wasser wieder aus den Beinen zu kriegen. Zuerst mit winzigen, aber häufigen Spaziergängen, später langsames Steigern zum gewohnten Joggen.
Gelernt habe ich dabei, nicht auf Leute zu hören, die nach Genuß von diesen oder jenen Sachen eine Idee hatten und das dann der ganzen Menschheit aufzwängen, sondern doch lieber auf meinen Jahrmillionen erprobten Körper.
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Später wurde ich dann noch durch einen - nicht der Schulmedizin folgenden - Arzt bestätigt, nicht direkt zum übermäßigen Wasserschlucken allerdings. Er sagte mir, wenn Dein Verdauungstrakt gesund bleiben soll, hör auch mit der Unsitte, beim Essen zu trinken. Erfunden wurde diese Sitte im Altersheim, weil das Einweichen durch Getränke das sonst nicht mehr mögliche Kauen ermöglicht.
Wenn man aber ständig beim Essen trinkt, wird der zum Vorverdauen gedachte Speichel so verdünnt, daß er seine Aufgabe nicht mehr erfüllen kann - er wird verwässert. Hat doch auch eine gewisse Logik, oder?



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