Monetative, Sparen & heutige Sparquote

Geschrieben von Beobachter-II am 28.07.2010 13:02:38:

>> Ja, eine Gemeinschaft bestimmter Art oder Qualität. Du darfst es aber auch Wertegemeinschaft, Gesellschaft oder Bürgerverein nennen, wenn es dir lieber ist. Ich bin da nicht begriffsstutzig - mir geht es an dieser Stelle nur um die beschrieben Zusammenhänge.
> Denn das meiste ist doch alles utopische Quasselei. Entweder du definierst, wie das praktisch auszusehen hast, ansonsten nimmt dir das keiner ab.

Du quasselst auf ein Stichwort hin einfach los, obwohl du offensichtlich das Thema dieses Threads nicht mitbekommen hast. Ich habe dem @tar nur andere Begriffe angeboten, da er sich an meinen Begriffen "Staat als Bürgergemeinschaft/-gemeinde" und "Staatseigentum als Gemeinschaftseigentum der Bürger" gestört hatte.

> Momentan haben wir eine EZB, die die Geldpolitik bestimmt.

... welche in ihren Entscheidungen formal unabhängig ist von der Regierung. Die Regierungen können sich da nicht einfach Geld abholen, ohne das ganze System zu kippen (was ja jetzt der Fall ist). Dies gilt auch in der Monetative.

> Bei Inflation spielen viele Komponenten eine Rolle. Doch nicht nur die Geldmenge. Dann hätten wir heute ja schon eine Hyperinflation.

Die Geldmenge ist eine wichtige Bedingung der Preisniveau'entwicklung. Diese Komponente mus deshalb von Jemandem reguliert werden, und zwar effektiv. Ist die ZB zu schwach aufgestellt, so kann sie das nicht .. und das ist bei der EZB der Fall. Die Monetative behebt diesen Mangel, neben anderen.

> Du glaubst doch wohl nicht im Ernst, dass du eine Presiniveausteigerung von Null % erreichen wirst mit Vollgeld?

Das glaube ich ganz im ernst - im heutigen Währungssystem ist dies jedoch unmöglich. Es werden auch noch weitere Systemoptimierungen benötigt neben Reform des Währungssystems - das habe ich dir schon mehrmals gesagt. Wir haben es hier nicht mit monokausalen Zusammenhängen zu tun.

> Das ist sogut wie gar nicht zu steuern. Und die Marktteilnehmer können am besten entscheiden, wieviel Kredite sie aufnehmen.

Die Teilnehmer entscheiden nur für sich selbst - sie denken dabei nicht volkswirtschaftlich. Letzteres aber ist die Aufgabe der ZB und des Gesetzgebers. Aber, die Teilnehmer dürfen selbst entscheiden, wieviel Geld sie bei ihrer Bank sparen/verleihen wollen, und dies entscheidet darüber, wieviel Kredite von der Bank ausgereicht werden können .. in der Monetative wohlgemerkt.

> Nun müsstest du definieren, wie die Wertegemeinschaft praktisch nun aufgestellt ist. Wieder zurück zur einzelstaatlichen Monetative ? Und was hat Bürgerverein mit Monetative zu tun. Bürger können in kleinen Kreisen Wertegemeinschaften festlegen. Ähnlich wie Kooperativen oder Genossenschaften. Aber die Monetative muss gesamtstaatlich orientiert sein. Und Staat ist nicht gleich Bürgerverein. Doch innerhalb des Staates unterscheiden sich nun mal die Ansichten, was Werte sind. Jeder hat da andere Vorstellungen von Wirtschaft und wieviel Kredite notwendig sind.

Das war/ist nicht das Thema dieses Thread. Du lenkst schon wieder ab, in gewohnter Manier, genauso wie @tar.

> Wie findet also die Kreditvergabe statt?

Ganz einfach : Der Bankkunde spart, indem er seiner Bank Kredit gibt, mit längerer Laufzeit versteht sich. Nun ist er sein Vollgeld los, und dieses Geld kann die Bank als Kredit weiterverleihen. Es ist genauso wie mit Bargeld. Es gibt Geldeingang durch Spareinlagen der Bankkunden und Geldausgang als Bankkredite, und wieder zurück.

Spareinlagen ab gewisser Laufzeit (z.B. ab 30 Tage) unterliegen bei Vollgeldregime natürlich keiner MR-Vorschrift.

> Die Banken können jederzeit Forderungen auf Vollgeld verbriefen, wenn die Marktteilnehmer das wollen. Die Vertragsfreiheit kannst du nicht verbieten. Du kannst nur Regeln festsetzen, die man dabei einhalten muss.

Richtig, "Regeln, die man einhalten muss" werden benötigt.

Gegen "Forderungen auf Vollgeld" ist nichts einzuwenden. Es gilt nur die Vorschrift "MR = 100%" für die täglich fälligen, die sich als allgemeines Zahlungsmittel (M1) etablieren wollen.

>> 3) Die Zentralbank/Monetative ist Gemeinschaftseigentum des Staates, also der Bürgergemeinde, und nicht der Regierung. Ja, sie befindet sich nicht einmal "im zeitweiligen Besitz" der Regierung.
> Nochmal: Bürgergemeinde ist nicht gleich Staatsgemeinschaft .Wo lebst du denn ?

Du verlegst dich lieber auf Begriffsstutzig, anstatt dem hier diskutierten Thema zu folgen.

> wie schon gesagt, die Monetative darf den Bürgern nicht die Vertragsfreiheit untersagen. Die Bürger haben jederzeit das Recht, auch Ansprüche auf Vollgeld, bzw GZ als Zahlung zu akzeptieren. Dass können sie frei demokratisch entscheiden, mit was sie bezahlen.

Natürlich, ich gehe demnächst von einer Demokratie aus, nicht vom Kapital'Ismus*.

*) -ismus /-istisch = bezogen auf, zentriert/orientiert an, bestimmt/kontrolliert durch, -dienlich/-verpflichtet, Primat/Diktatur des .. u.ä.

>> Ja sicher, wir brauchen auch eine Reform des politischen Systems, und andere Reformen, wie z.B. eine Bodenrecht-Reform, Erbschaftsrecht-Reform, Patentrecht-Reform, Reform des Betriebsverfassungsgesetzes usw.. Im Moment diskutieren wir aber nur das Währungssystem.
> Ja sicherlich. Wir müssen erst eine ganz neue Gesellschaft kneten, damit das neue Geldsystem funktioniert.

Nein, das müssen wir nicht. Wir müssen nur die Rolle der ZB stärken, damit sie ihre Funktion erfüllen kann. Dafür eignet sich die Gesell'sche Monetative hervorragend, aus mehreren Gründen.

> Auch bezüglich dieser ganzen Reformen gibt es unterschiedliche Ansichten in einer Gesellschaft.

Ja, die Mehrheit soll entscheiden, was sie haben will.

>> Der Unterschied ist der, dass in der Monetative die Mindestreserve auf "M1 - M0" 100% beträgt ... d.h. M0 = (M1 - M0) = (M1)/2. Hinzu kommt in der Monetative, dass die ZB keinerlei Kredite, außer u.E. direkt an den Staat/Regierung vergibt. Durch diese Maßnahmen bekommt die ZB die volle und effektive Kontrolle über die momentan umlaufende Geldmenge/Kaufkraft (M1), und damit auch über die Preisniveau'entwicklung in der Realwirtschaft.
> Preisniveauentwicklung hat nicht nur mit der hiesigen Geldmenge zu tun. Das ist nur eine Komponente

Richtig ... und diese wichtige Komponente muss wirksam reguliert werden, neben anderen. Und das geht nur mit einem Geldschöpfungs'monopol der ZB, mittels Vollgeld u.a..

> Wie schon gesagt. Auch mit Vollgeld wirst du Null nicht erreichen in einer offenen VoWi.

Eine "Offene VoWi" gibt es nicht : Entweder ist eine VoWi (relativ) geschlossen, oder sie ist keine VoWi mehr .. sondern verschmilzt mit anderen, was zur Bildung einer größeren VoWi führt, die geschlossen ist. Natürlich können aber geschlossene VoWi Außenhandel betreiben.

> Wie findet die Kreditvergabe denn nun statt?

Du stellst aber auch Fragen ! Der Bankkunde spart, indem er Kredit an seine Bank gibt, mit längerer Laufzeit. Nun ist er sein Vollgeld los, und dieses Geld kann die Bank als Kredit weiterverleihen. Es ist genauso wie mit Bargeld - nix "Kredite durch Bilanzverlängerung".

Die Vorschrift "MR = 100%" bezieht sich nur auf das Giralgeld "M1 - M0". Für Sparanlagen, ab z.B. mindestens 30 Tage Laufzeit, gilt in der Monetative "MR = 0%", damit Bankkredite möglich sind natürlich. Für Anlagen bis 30 Tage könnte man die MR niedriger ansetzen, so z.B. bei 50%. Fertig ist der Kuchen.
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Noch etwas zu der unten diskutierten "Sparquote": Zunächst einmal, es gibt 3 Formen des Sparens, wie es @Axel dankenswerterweise festgestellt hatte, nämlich

_ 1) das aktive Sparen - bezieht sich auf den regelmäßig (durchschnittlich) zurückgelegten Teil des Netto-Einkommens. Diese Sparquote, welche also durch Umschichtung aus M1 und die "M3 - M1" geschieht, stagniert seit Jahren oder ist leicht rückläufig, wie du ja festgestellt hast (.. aktuell bei ca. 11% ?).
_ 2) das passive Sparen - bezieht sich auf den Guthabenzuwachs durch Zinseszins. Dies geschieht durch Buchungen direkt innerhalb der M3 - und ist ebenfalls eher rückläufig (zumal auch der Nominalzins seit Jahren sinkt). Wir befinden uns eher bereits in einer Entspar'phase der VoWi - die Geldmenge M1 wächst deutlich überproportional zum BIP (allerdings aus mehreren Gründen), während die M3 stagniert. Dies ist mMn typisch für nachhaltige Deflation/Rezession. Und drittens
_ 3) das dynamische Sparen - bezieht sich auf die Spekulationskasse, welche sich in M1 befindet. Diese Menge nimmt überproportional zum BIP stark zu, während die Transaktionskasse der Realwirtschaft gleich bleibt oder abnimmt.

Mit Gruß, Beo2


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