"finanzielles Niemandsland"

Geschrieben von Aquarius am 28.07.2010 20:11:51:

Trifft folgendes schon bald auf Westdeutschland zu ?
[...] Mit fortschreitender Berufslaufbahn oder mit Willen zum Sparen erreichten DDR-Sparkonten früher oder später einen Zustand, den man gewissermaßen als finanzielles Niemandsland bezeichnen könnte. Gemeint ist der Bereich, in dem den Geldmitteln keine Kaufmöglichkeiten, keine so genannten "Warenfonds" mehr gegenüber standen, aber wiederum nicht derart riesige Summen vorhanden waren, dass der Preis einer Ware bzw. eines Konsumgutes keine Rolle mehr gespielt hätte. Besonders in den 80er Jahren war dieser im Rückblick so charakteristische Zustand schnell zu erreichen.

Dabei gab es genügend Versuche der Staatlichen Plankommission und des zentral gesteuerten Einzelhandels, mit Hilfe von "Mondpreisen" für bestimmte "Luxusgüter" - wie z.B. Fernsehapparate - diesem Kaufkraftüberhang die volkswirtschaftliche und politische Sprengkraft zu nehmen. Doch wehrte sich vielfach der gesunde Menschenverstand des DDR-Bürgers, angesichts einer Monatsmiete von 50 Mark und der Schrippe (Brötchen) für 5 Pfennige horrende 6000 bis 7000 Mark für einen Farbfernseher aus einheimischer Produktion auszugeben (im Beispiel entspräche das etwa der Wohnungsmiete für 10 bis 12 Jahre). Somit blieb ein ständig wachsender Teil der Sparguthaben für die Anleger totes Kapital.
[...]

http://www.ddr-wissen.de/wiki/ddr.pl?Sparguthaben

Dann wäre das ja die Wende von der Deflation zu einer Inflation !?


Das im Text erwähnte "tote Kapital" hat sich im übrigen bei einem Zinsatz von etwa 3,25% "vermehrt";
weiteres Zitat hierzu aus dem Text: Eine weitere Sparform waren so genannte Spargirokonten. Mit ihnen wurde auch der bargeldlose Zahlungsverkehr (auch DDR-Betriebe gingen mehr und mehr zu Gehaltsüberweisungen über; Mieten, Stipendien, Kreditraten und dergleichen gingen über Girokonten)abgewickelt und die Möglichkeit, über Giroschecks zu verfügen eingeräumt. Der Zinssatz entsprach dem der Sparbücher. Er war über Jahre auf konstant 3,25% festgesetzt. Einst war er für täglich verfügbare Konten 3 % und für Konten mit längeren Kündigungsfristen 3,5 bis 4 %. Mit der Abschaffung dieser Fristen galt der einheitliche Zinssatz für alle Sparkonten.

Somit steht nun fest für die die es noch nicht wußten: Sowohl der westliche Kapitalismus als auch der Sozialismus (der ehemaligen DDR) besitzen im Grunde das gleiche Geldsystem.
Was jedoch grundlegend verschieden (sein sollte) ist die Verteilung des Geldes; im Sozialismus der DDR hatten alle weitesgehend gleich viel/wenig Geld, jetzt haben ganz wenige sehr sehr viel, und sehr viele haben ganz wenig ...
Dies spricht jedoch wieder ganz klar für erstmal (weiter) deflationäre Zustände.


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