Eine email an mich... der kommende Crash

Geschrieben von G.Hannich am 16.11.2006 22:02:00:

Hallo,
ich erhielt heute folgende email mit der Bitte sie hier im Forum zu veröffentlichen:
Sehr geehrter Herr Hannich,
im Geldcrashforum tun sie die aktuellen Dax-Stände wieder einmal als Spekulationsblase ab.
Leider kann man das so einfach nicht stehen lassen. Langfristig folgen die Aktienkurse immer den Gewinnen, somit lassen sich Aktienkurse fundamental sehr genau vorhersagen.
Das Problem ist nur, daß Gewinne sehr volatil sind. Zudem können Gewinne durch Fremdkapital extremst gesteigert werden, was natürlich das KGV bei reiner Betrachtung des Aktienwertes ohne Berücksichtigung der Schuldenlast optisch niedrig hält (Beispiel Daimler).
Der wichtigste Maßstab ist aber der Buchwert!
Der Buchwert hat zunächst einmal nichts mit einem inhärenten Wert zu tun (bei Liquidation sind Anlagen z.B. wertlos), sind aber eine gute Meßlatte für die Entwicklung des inneren Wertes.
Das wirkliche Geheimnis ist nämlich, daß Aktien bisher in JEDEM 20 Jahreszeitraum von 1900 bis heute 11-12% auf den Buchwert verdient haben, der in den USA mit der Inflation um ca. 4.5% pro Jahr gestiegen ist. Trotz hoher, niedriger Steuern, trotz Krieg usw.
Die Bewertung ist nun ganz simpel: Gewinn / (Renditeerwartung - dauerhafte Gewinnsteigerung).
Gewinn ist 0.11 Buchwert. Renditeerwartung 10%. Dauerhafte Gewinnsteigerung (=Inflation) 3%. 0.11 / (10%-3%) = 1.57 Buchwert
Beim Dow Jones liegt der Buchwert derzeit bei ca. 3000, KGV damit 36 (12000 geteilt durch 11% von 3000). Fairer Wert wäre 1.57*3000 = 4710 (KGV dann ca. 14).
Nun werden Sie sagen: Aber der Dow Jones hat doch ein KGV von 22? Hat er. Bei aktuell 18% Rendite auf den Buchwert. Die Gründe dafür sind eindeutig: Rausschmiss der heimischen Arbeitnehmer, Lohndrückung und Fertigung zu billigen aAsiatischen Löhnen bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der früheren Preise. Doch die Preise werden durch dei Globalisierung ebenfalls gedrückt werden. Resultat: Deflation ohne stärkeres Absinken der Löhne/Renten. Natürlich sind Löhne und Renten weiter unter Druck. Aber Renten können nicht unter das Lebensminimum sinken, Löhne nicht unter die Grenze, unter der Konsumenten und Hausbauer sowieso pleite wären, sonst fällt jeglicher Anreiz zum Arbeiten ganz weg. Kurz: Deflation auf Kosten der Unternehmen.
Wenn wir in dem 20 Jahres Zeitraum 1996 bis 2016 auf 11% durchschnittliche Rendite auf den Buchwert kommen und dieser von 1996 bis 2006 bei 18% lag.. wird die Rendite auf den Buchwert für die nächsten 10 Jahre im Schnitt auf 4% sinken!
Im Gegensatz zu den allgemeinen Annahmen sinken Aktienbewertungen nicht, sondern steigen sogar in der Deflation (Gewinn/Einkommen wird mehr wert). Ich gehe von KGVs über 30 aus. Was bei einem Buchwert von 3000 und 4% Rendite und somit 120 Indexpunkten Gewinn ein Dow Jones Stand von aktuell 3600 wäre.
Demnach wären kurzlaufende AAA Staatsanleihen gegenüber Aktien zu bevorzugen. In einer Krise könnte Gold wieder auf ein 1:2 Ratio zum Dow steigen wie 1932. Nimmt man 1.6% Produktivitätsverbesserung pro Jahr an, so liegt heute dieses Krisenratio nicht mehr bei 1:2 sondern bei1: 6.5, demnach wäre der Goldpreis in der Spitze bei $553 gegenüber dem Dow fair bewertet. Gold lohnt sich also nur in kleinen Mengen physisch zu Hause und ohne Gewinnerzielungsabsicht.
Erläutert wird das ganze auch in diesem Barron's Artikel: http://quotes.optionetics.com/optionetics/news.asp?Mode=Finance&Story=20050709/190r4968.xml
Ich wäre froh, wenn sie das geschriebene kurz im Geldcrashforum einstellen könnten (ich habe keine Lust mich wegen 1 Beitrag zu registrieren).
MfG
Claas Potthoff"
Meine Antwort darauf:
Da ich nicht mehr Foreninhaber bin, kann ich Ihren Text nur mit meinem Namen einstellen - mit Erwähnung Ihres Namens am Ende?
Ich sehe die Entwicklung nicht so sanft ablaufen wie Sie schildern. Die historische Erfahrung zeigt, daß sich Ungleichgewichte immer aufbauen und dann in einem cRash sich entladen. Insofern sehe ich auch die Aktienkurse mit einem Schlag korrigieren und nicht langsam - ähnlich 1929.
Auch muß man das Gesamtsystem sehen, in dem durch die explodierenden Schulen immer mehr Geld aus der brieten Masse herausgesogen wird - das fehlt dann in der Massenkaufkraft, womit die Umsätze zwangsläufig sinken müssen un damit auch Gewinne und Aktienkurse. Wenn ersteinmal in den USA die Nachfrage und damit die Importe dort, bzw. unsere Exporte einbrechen, dann wird sich da sehr schnell etwas ändern.
Die heutige Entwicklung halte ich jedenfalls für völlig unrealistisch überzogen.
Gruß



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