von der Crashtheorie zur Überlebenspraxis

Geschrieben von Faultier am 18.11.2006 11:50:00:

Mit Freude nehme ich zur Kenntnis, daß das Thema Vermögen ( Crash; Vermögensrettung u. -Vermehrung ) noch ein gewisses Interesse findet. Der Oldy benutzt es, um daraus seine Argumente für das anarchistische Freigeld zu zaubern und G.Hannich schreibt geschwindt einen neuen Bestseller davon. Für einige ist dieses Thema jedoch existenzbestimmend. Im weiteren möchte ich an die folgenden Beiträge anknüpfen:
e-mail an mich
von breitem Interesse ? Immobilien ?
Beginnen wir mit einer weit verbreiteten Herangehensweise(1):

Claas Potthoff:

...Beim Dow Jones liegt der Buchwert derzeit bei ca. 3000, KGV damit 36 (12000 geteilt durch 11% von 3000). Fairer Wert wäre 1.57*3000 = 4710 (KGV dann ca. 14).
Nun werden Sie sagen: Aber der Dow Jones hat doch ein KGV von 22? Hat er. Bei aktuell 18% Rendite auf den Buchwert. Die Gründe dafür sind eindeutig: Rausschmiss der heimischen Arbeitnehmer, Lohndrückung und Fertigung zu billigen asiatischen Löhnen bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der früheren Preise. Doch die Preise werden durch dei Globalisierung ebenfalls gedrückt werden. Resultat: Deflation ohne stärkeres Absinken der Löhne/Renten. Natürlich sind Löhne und Renten weiter unter Druck. Aber Renten können nicht unter das Lebensminimum sinken, Löhne nicht unter die Grenze, unter der Konsumenten und Hausbauer sowieso pleite wären, sonst fällt jeglicher Anreiz zum Arbeiten ganz weg. Kurz: Deflation auf Kosten der Unternehmen.
vgl.:e-mail an mich

Faultier:

Erinnern wir uns einmal an Hannich's Lohn-Preis-Spirale oder an Oldy's Waage. Sie haben mit diesem Szenario eine Gemeinsamkeit: es sind 'mechanische' Modelle, die eine lebendige Gesellschaft(2) erklären sollen. Machen sie aber nicht, weil nämlich die Hauptakteure und deren wirtschaftliche Interessen fehlen.
Ich möchte nur drei Gruppen von Hauptakteuren nennen:

  • die Finnazoligarchie, die daran arbeitet, die Weltherrschaft zu übernehmen,
  • die Staatsaristokraten, deren Macht sinkt und die deswegen versuchen, im neuen Machtsystem ihren Platz zu erobern,
  • die restliche Menschheit, die als Arbeitskräfte, Steuersklaven und Konsumenten im globalen Umverteilungssystem dienen sollen und die darum kämpfen, nicht in's gesellschaftliche Abseits hinabzufallen.

Wenn wir also im weiteren über die Haltbarkeit und Gewinnchancen von Vermögensklassen debattieren wollen, so möchten wir diese im Zusammenhang mit den Interessen und dem Wirken der stärksten Gruppen der Finanzoligarchie sehen. Die wollen und werden eine Weltwirtschaft organisieren, in der sie die uneingeschränkte Macht haben und aus der sie die Gewinne erzielen. Um dies zu erreichen, erobern sie die entscheidenden Technologien, die wichtigsten Rohstoffquellen und die bedeutendsten Märkte. Sie haben längst damit begonnen, mit ihrem Geld die knappen und wertvollen Güter zu kaufen.

Jetzt ist es Zeit, sich einmal gemütlich zurückzulehnen, die Augen zu schließen und die verschiedenen Vermögensklassen vorbeiziehen zu lassen. Überlassen wir es einfach einmal unserer Phantasie, um zu sehen, was passiert, wenn alle nacheinander in das Interessenfeld der Oligarchien geraten. Man kann es ja recht bildhaft machen. Das Unterbewußtsein hilft vielleicht sogar, wichtige Informationen dazu zu aktivieren.

Geld: Altpapier
Anleihen: Politikum
Aktien: leere Hoffnung
Rohstoffe: wertvolles Gut
Land: knappes Gut
Gebäude und Produktionsanlagen: Wirtschaftsgüter
Derivate: Wetten
Rechte, Forderungen: Rechtsstreit

Vielleicht kann man erahnen, daß ein Kleinbürger mit dem mittleren Bereich gut bedient ist. Dazu gehören Rohstoffe, Acker, Wald, Bauland, Wohnhäuser, Gewerbeobjekte oder eine eigene Firma. Er hat damit moderate Gewinnchancen bei vertretbarem Aufwand und Risiko. Die Papiere können schnell wertlos werden, Rechte und Forderungen können schnell einen gefährlichen Bumerangeffekt(3) entwickeln.

Nicht von der Hand zu weisen sind die Argumente, die eine sich weiter verschlechternde wirtschaftliche Situation mit der Wertentwicklung von Immobilien in Verbindung bringen. Wir werden also in Zukunft Leerstand, Brache, Zwangsversteigerungen, Ruinen und Abriss sehen. Was wird aber darauf folgen? Irgendwann einmal ist der schlimmste Niedergang zu Ende. Dann werden diejenigen auf der Gewinnerseite stehen, die den Niedergang zum Erwerb und zur Sanierung genutzt haben und die dabei schon interessante Vermarktungsstrategien(4) entwickelt haben.

Das ist der Grund, warum ich jetzt schon den Einstieg mache. Es ist die Zeit des Zweifels. Die beste Zeit, etwas aufzubauen. Hier im Forum wäre es die Zeit, gute Ideen zu entwickeln. Diese kann dann jeder nach eigenem Ermessen nutzen.

Nähern wir uns nun dem Problem von einer anderen Seite:
Wie könnten die Herren Oligarchen vorgehen, wenn sie ein Stück Weltwirtschaft erbauen wollen und dabei ihre Macht und ihren Reichtum überproportional steigern wollen? Ganz einfach: sie benutzen die Mittel von heute, um die Machtmittel von morgen zu kaufen. Also machen sie Schulden in den heutigen Währungen, um mit übermächtiger Finanzkraft die strategischen Ressourcen für die Zukunft in ihren Besitz zu bringen. Ist dies vollbracht, so werden sie den Zusammenbruch des Finanzsystems ruhig erwarten bzw. ihn sogar noch vorantreiben. Ist das halbwegs eindeutig? Das Papierzeug wird irgendwann einmal nicht mehr gebraucht und einer Entwertung unterzogen. Was wird vermutlich seinen Wert behalten? Die Dinge, die die Oligarchen besitzen - und das sind: Sachwerte, Produktionsanlagen, Beziehungen. Eine solche grobe dreiteilige Vermögensstruktur kann der Kleinbürger auch entwickeln. Wichtig ist nur, damit begonnen zu haben, bevor die Medien den Crash oder die große Reform(5) verkündet haben.

Das Faultier


Anmerkungen:

( 1 ) Herangehensweise:
darüber werden wir auch noch einmal ausführlichst zu debattieren haben, denn an der Uni lernt man das heute wahrscheinlich nicht mehr. Vielleicht wird es noch an den sogenannten Elite-Unis gelehrt und nennt sich dann Logik, Dialektik oder Problemmanagment. Hier im Forum macht sich vermutlich niemand Gedanken darüber. Am wenigsten der Oldy. Er schreibt munter drauflos, wenn ihm seine praktische Beratertätigkeit inspiriert.
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( 2 ) lebendige Gesellschaft:
das ist wie in der Natur auch: es wirken nicht nur Kräfte, sondern es entwickeln sich Quantitäten, es bauen sich Widersprüche auf und es kommt zu deren Lösung, sehr oft durch Vernichtung des gesamten vorherigen Zustandes, der nur ein kurzzeitiges oder scheinbares Gleichgewicht darstellte ( etwa so, als ob man die Waage vom Tisch schmeißt oder die Spirale bricht ).
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( 3 ) Bumerangeffekt:
Ich gehe davon aus, daß Recht nur so recht ist, wie es sein Besitzer zu verteidigen mag. Daraus folgt, daß z.B. der Besitzer eines bedeutenden Patents oder einer interessanten Internetdomain einiges an Problemen zu bewältigen hat. Kann er dies nicht, so wird die Gier seiner Gegner sein wertvolles Recht nehmen und dabei sein gesamtes Vermögen, sein Einkommen und seine Existenz vernichten. Selbiges denke ich auch über Immobilien mit einem spekulativen Wert.
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( 4 ) Vermarktungsstrategien:
die braucht man übrigens für jeden Vermögensteil. Wertpapiere wollen ja auch verkauft werden, damit sich die Kurssteigerung in Form von Lebensstandard bezahlt macht. Rohstoffe und Produkte wollen zu guten Preisen verkauft werden und Immobilien wollen rentabel vermietet, verpachtet oder bewirtschaftet werden. Ich bin der Meinung, daß Vermögensteile, deren Vermarktung in den Händen anderer Leute liegen, zu einem relativen Vermögensverlust wegen Interessenverwaschung führen.
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( 5 ) große Reform:
Dies halte ich für wahrscheinlicher und wirksamer, als den immer wieder heraufbeschworenen Crash. Dies schließt jedoch nicht aus, daß die Reform durch einen oder mehrere kleine Crash's eingeleitet wird, d.h. sie sind der Anlaß für die Reform. Auch das Vorhandensein von unüberschaubar vielen Regiowährungen könnte einen medienwirksamen Anlaß hergeben, um den Euro vom Finanzmarkt zu nehmen und den Weg frei zu machen für den Weltdollar.
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