Die größte Klage der Weltgeschichte

Geschrieben von prinz_eisenherz am 19.11.2006 13:10:00:

In der Stuttgarter Zeitung erschien am 1. September folgender Artikel von Ulrich Sahm:
Die größte Klage der Weltgeschichte
Ägypter fordert 1125 Trillionen Tonnen Gold Schadenersatz
Weil vor 5758 Jahren Juden aus Ägypten Gold entwendet haben sollen, verlangt ein Juraprofessor Wiedergutmachung. Während Israel verstimmt reagiert, toben sich im Internet die Scherzbolde aus - und bieten Moses Rechtsbeistand an.
Von Ulrich Sahm, Jerusalem
Es passierte über Nacht, dass Nabil Hilmi weltberühmt wurde. In einem Interview mit der Wochenzeitung "Al-Ahram al-Arabi" kündigte der Dekan der juristischen Fakultät der Universität Al-Zaqaziq, 100 Kilometer nordwestlich von Kairo gelegen, die größte Schadenersatzklage der Weltgeschichte an. Mit Ägyptern in der Schweiz wolle er "alle Juden der Welt" zwingen, vor 5758 Jahren gestohlenes Gold zu erstatten. Unter der Führung von Moses hätten sie über 300 Tonnen Gold aus dem Pharaonenreich mitgehen lassen. Mit fünf Prozent Zinsen pro Jahr ergebe die historische Schuld an Ägypten heute einen Wert von 1125 Trillionen Tonnen Gold.
Da selbst den vermeintlich so reichen Juden nicht zugemutet werden könne, diese Summe zusammenzutragen, macht Hilmi den pragmatischen Vorschlag, die Schuld eintausend Jahre lang in Raten abzuzahlen. Der Diebstahl sei schon in der Pharaonenzeit durch eine "polizeiliche Untersuchung" nachgewiesen worden. Ohnehin hätten die Juden in ihren heiligen Schriften den Diebstahl eingestanden. Wie sonst hätten sie zu Füßen de Berges Sinai ein goldenes Kalb gießen können, wenn nicht mit dem gestohlenen ägyptischen Edelmetall? Die Juden hätten den Ägyptern nicht nur Goldringe gestohlen, sondern auch Kochtöpfe. Und warum ausgerechnet Kochtöpfe? Ganz einfach, um vom Goldraub abzulenken. Für Hilmi ist klar, dass die "auf ihren Balkonen heulenden ägyptischen Frauen ihren Kochpötten nachweinten" und nicht dem Gold. "Der Diebstahl der Kochtöpfe zeigt, wie pervers die Juden sind."
Das kuriose Interview in der seriösen Zeitschrift wäre ohne die Übersetzung durch Memri von der Weltöffentlichkeit unbemerkt geblieben. Memri ist in den USA seit 1998 als "uneigennütziger Verein" eingetragen. Der Übersetzungsdienst will dem Westen die arabische Welt näher bringen. Der Gründer, Jigal Carmon, war israelischer Geheimdienstoffizier und diente unter Yitzhak Rabin während der Geheimverhandlungen um die Osloer Verträge als Berater der Regierung. Nach dem 11. September 2001 machte Memri Schlagzeilen, da nun den Amerikanern klar geworden war, wie wenig sie von der arabischen Welt wussten.
Memri, mit Filialen in Jerusalem und Berlin, öffnete kürzlich sogar ein Büro in Bagdad. Mitarbeiter übersetzen Predigten mit zum Teil haarsträubender antiwestlicher und antisemitischer Hetze, Zeitungsartikel, aber auch Essays arabischer Intellektueller, die sich um Demokratisierung bemühen. Doch die Auswahl der Texte verursacht Unmut. Die Offenlegung von Hass und Absurditäten in der arabischen Welt werden als gezielte Propaganda des israelischen Geheimdienstes aufgefasst. Das Interview mit Nabil Hilmi wurde übersetzt, um antisemitische Auswüchse in Ägypten aufzuzeigen.
Erwartungsgemäß löste Hilmi einen weltweiten virtuellen Lacher aus. Innerhalb weniger Tage stieg sein Ruhm im Internet von zwei auf über 500 Treffer an. Nicht nur Juden meldeten sich, um diesen "ägyptischen Exodus aus der Vernunft" zu kommentieren. Einige verlangten eine Nachzahlung des Lohnes für 400 Jahre Sklavenarbeit unter den Pharaonen. Andere meinten, dass dem jüdischen Volk Prozente aus Tourismuseinnahmen zustünden für die Pyramiden, die sie in Fronarbeit errichtet hätten. Ein israelischer Professor bot sich an, Moses vor Gericht zu verteidigen. Er will auf Verjährung plädieren.
Ein anderer argumentiert, dass die Bibel nirgendwo den Islam oder dessen Anspruch auf die Welt erwähne. "Die Ägypter behaupten, die Nachfahren der alten Ägypter zu sein. Das ist so lächerlich wie die Behauptung der Palästinenser, Nachfahren der griechischstämmigen Philister zu sein." Einer bietet Hilmi Rechtshilfe an: "Gott sollte als Hauptverschwörer mitangeklagt werden. In seinem Bestsellerbuch, der Bibel, gesteht Gott offen, den großen Raub geplant und ausgeführt zu haben. Am einfachsten wäre es, ihn vor ein belgisches Gericht zu zerren. Fraglich ist nur der Strafvollzug." Ein gewisser Robinson schlägt vor, Moses wegen der Heuschreckenplage als Kriegsverbrecher anzuklagen. Und Abiola hat nur zwei Erklärungen für so viel "Unsinn": Entweder sitzen in der Redaktion von "Al-Ahram al-Arabi" begnadete Satiriker, oder aber die ägyptische Bevölkerung leidet unter akuter Psychose.
Durchaus ernsthafte Kommentatoren bescheinigen Nabil Hilmi mangelnde Fantasie. Der Talmud berichtet von einem Gerichtsverfahren wegen dieses Goldraubes, von Alexander dem Großen im vierten vorchristlichen Jahrhundert angestrengt.
Das israelische Außenministerium "bedauert die Kampagne mit antisemitischen Elementen von ägyptischen Intellektuellen", so eine Sprecherin. Als das ägyptische Fernsehen die Verfilmung der "Protokolle der Weisen von Zion" ausstrahlte, ein antisemitisches Standardwerk, machten die Amerikaner eine diplomatische Demarche in Kairo. Der britische Außenminister Straw wies die britische Botschaft in Kairo an, eine Langzeituntersuchung durchzuführen. Wegen dieser Hetze weigere sich Premierminister Scharon, nach Kairo zu reisen, und aus diesem Grund habe der Gipfel von Akaba mit Bush, Abbas und Scharon in Jordanien und nicht in Scharm el-Scheich stattgefunden



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