US Kernrate und Löhne

Geschrieben von Faktenlieferant am 18.11.2006 21:11:00:

Quelle Investor's Daily vom 16. November 2006
gekürzt

Verbraucherpreise, Realeinkommen und die Angst vor einer Konsolidierung
von Jochen Steffens

Die gute Nachricht zuerst: Die Verbraucherpreise sind um 0,5 % zurückgegangen, erwartet wurde ein Rückgang um 0,3 %. Auch die Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel ist lediglich um 0,1 % angestiegen, die Erwartungen lagen bei einem Anstieg von 0,2 %.

Deutlich zu erkennen ist, dass die Verbraucherpreise und die Kernrate seit August auseinanderdriften. Die Preise sinken, während die Kernrate immer noch ansteigt. Auch hier kommt es offenbar zu einem zeitverzögerten Aspekt, wie wir ihn schon bei den Erzeugerpreisen gesehen haben.
Die beiden wichtigsten Faktoren welche diesen Wert so deutlich nach unten gezogen haben waren Energie mit einem Abschlag von 7 %, nachdem im Vormonat schon ein Abschlag von 7,2 % zu verzeichnen war und der Transport mit -3,1 % nach -4,1 %.
Auch hier zeigt sich, dass die sinkenden Rohstoffpreise, wie auch die sich abschwächende US-Wirtschaft Einfluss nimmt. Die Inflationsgefahren sinken damit weiter, die Hoffnung auf sinkende Zinsen nehmen zu. Die Wahrscheinlichkeit, dass der US-Leitzins bis Mitte nächstes Jahr gesenkt wird, sehen Marktteilnehmer mittlerweile bereits bei 75 %.
Der Markt reagierte auf diese Nachricht mit einem kleinen Freudenhüpfer, die Futures schossen zunächt nach oben und der S&P500 Future konnte sogar das Hoch vom Vortag überwinden. Schließlich können sinkende Verbraucherpreise dazu führen, dass die Konsumenten mehr Geld für den Konsum haben. Besonders wenn die Verbraucherpreise aufgrund solcher Ausgaben wie Energie sinken.
Realeinkommen steigen weiter
Weniger schön, was das Thema Inflation anbetrifft, ist, dass die Realeinkommen weiter steigen. Aber das hängt damit zusammen, dass die Löhne in der Kette der Inflationszahlen ganz weit hinten stehen, also entsprechend spät reagieren. So sind die Realeinkommen in den USA um 1,3 % gestiegen, im September war noch ein Anstieg von 1,0 % zu verzeichnen, im August ein Rückgang von 0,3 %. Auch die Wochenlöhne legten um 0,4 % zu.

Natürlich wird sich hier eine Abschwächung der US-Wirtschaft irgendwann zeitversetzt auch auf die Löhne auswirken, aber das kann dauern. Normalerweise sind die Löhne einer der Hauptfaktoren, die in einer starkem wirtschaftlichen Wachstum zu einer Inflation führen. Wenn es den Unternehmen gut geht, die Wirtschaft wächst, steigt der Bedarf an guten Arbeitskräften, so dass ein Mangel daran auftaucht. Das führt dazu, dass im Arbeitsmarkt ein Konkurrenzverhältnis zwischen den Arbeitgebern auftritt, der die Unternehmen dazu bringt, immer höhere Löhne zu zahlen. Wenn aber die Arbeitnehmer mehr Geld verdienen, kaufen Sie mehr. Wenn die Nachfrage nach Gütern zunimmt, steigt gewöhnlich der Preis (sofern das Angebot gleich bleibt oder nur verhältnismäßig langsam ansteigt). Schon befinden wir uns in einem inflationären Umfeld.
Löhne sind normalerweise ein wichtiger Indikator
Hätte es in den USA also nicht diese rohstoffgetriebene Inflation gegeben, die sich gerade abbaut, hätte man also auf diese Daten zu den Löhnen geschaut. Daran hätte man sehr genau die internen Inflationsgefahren erkennen können. Durch die Explosion der Rohstoffpreise war und ist aber eine realistische Einschätzung dieser Infaltionsgefahren kaum möglich.
Der Anstieg der Realeinkommen, der kaum im Focus der Anleger steht, ist also nicht ganz unwichtig. Und es kann sogar sein, dass dieser Anstieg den Markt im weiteren Verlauf belastet. Das hängt davon ab, ob man diese Zahl als nachlaufend betrachtet, oder aber, dieser Zahl eine aktuelle Bedeutung beimisst.
Ich sehe den Lohnanstieg mit gewisser Sorge, da die Fed darauf achten wird. Was absolut sicher ist: Bei einem solchen Lohnpreisanstieg wird es in der nächsten Sitzung am 11.12.2006 auf keinen Fall eine Zinssenkung geben. Das können wir getrost vergessen, war aber sowieso nicht erwartet worden.



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