Re: Abschiedsbrief des "Amokläufers"

Geschrieben von Otto Lidenbrock am 22.11.2006 10:24:00:

Es ist schon erstaunlich, wie schnell die Medienmaschinerie den Täter als verwirrten, ausgegrenzten Amokläufer stigmatisiert hat und gleichzeitig die Behörden alles dafür in die Wege leiten, die wirklichen Hintergründe dieser Tat zu verschleiern. Das es sich bei dem Täter um einen zutiefst verbitterten und sensiblen Einzelgänger handelt, der nicht etwa durch das Spielen brutaler und menschenverachtender Computerspiele zu einer Killermaschine mutiert ist, sondern nach vielen Jahren der versuchten, erfolglosen Anpassung an die kapitalistische Konsumgesellschaft ganz einfach seinem grenzenlosen Hass auf eben diese Gesellschaft freien Lauf gelassen hat, darf anscheinend der breiten Öffentlichkeit nicht zugemutet werden.
Das kapitalistische Geldsystem und seine in immer drastischeren Ereignissen zutage tretenden Ergebnisse werden mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln vor der Bevölkerung entweder geheim gehalten oder, wo das nicht mehr möglich ist, in ihr Gegenteil umgedeutet.
Menschen, die sich den von den Medien verbreiteten Wahrheiten entgegenstellen und es schaffen, durch das dichtgewebte Netz der Meinungsfilter zu schlüpfen, werden mittels primitiver Propaganda zu Unberührbaren gemacht. Wer erst einmal in den Köpfen der breiten Masse in der Igitt-Ecke angelangt ist, hat im Grunde keine Chance mehr, sich jemals gegen den Widerstand der Journalisten-Armeen und Chefredaktions-Bunker aus dieser Ecke zu befreien.
Selbstverständlich darf niemand die Tat dieses Jungen gutheißen. Sie ist nicht nur falsch, völlig überzogen und grenzt zum größten Teil an Wahnsinn.
Die jetzt zum wiederholten Male begonnene Diskussion über ein Verbot gewaltverherrlichender Computerspiele und die Einschränkungen der Freiheiten des Internet sind allerdings eine Nebelkerze, die vor dem Hintergrund einer immer unmenschlicher werden Gesellschaft gezündet wird, damit sich niemand darüber klar wird, wie weit auch er schon von eben dieser Gesellschaft getrieben wurde.
Otto Lidenbrock



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