Strategie für stabiles Geld

Geschrieben von Dagny Taggart am 22.11.2006 17:36:00:

Vlavio:
> Hallo,
>also noch mal der Reihe nach.
>Text in Word schreiben.
>Den Text markieren, dann kopieren oder mit Strg+C
>und dann im Forum Einbinden oder Strg+V.
>Das funktioniert immer.
>Gruß
>Flavio

mmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm
Hallo Flavio
Endlich hat mir ein EDV-Experte erklärt, daß ich den Text in notepad.exe erst abspeichern muß, erst dann gehen unliebsame Steuerzeichen aus Word verloren (die aber nicht immer in Word vorhanden sind und von Version zu Version verschieden sind).
-.-.-.-
Strategie für stabiles Geld
Nach sieben Jahren Europäischer Währungsunion stellt sich für mich die Frage, wie stabil die Gemeinschaftswährung Euro ist. Letztlich konzentriert sich die Fragestellung auf die geldpolitische Strategie der Europäischen Zentralbank (EZB) und das von ihr verkündete Ziel, stabiles Geld zu gewährleisten. Vom Standpunkt der Ordnungspolitik wären - wie Walter Eucken in seinen Grundsätzen der Wirtschaftspolitik formulierte - alle Bemühungen, eine Wettbewerbsordnung zu verwirklichen, umsonst, solange eine gewisse Stabilität des Geldwertes nicht gesichert ist. Im Vergleich mit anderen Währungen werden die Inflationsraten im Euroraum als moderat eingeschätzt.
Trotzdem gibt es immer wieder Angriffe aus der Politik gegen die EZB. Gerade die jüngst vom französischen Innenminister Nicolas Sarkozy erhobene Forderung nach Kontrolle der EZB zeigt, dass die Politik in Europa auch nach sieben Jahren Währungsunion offensichtlich ein gestörtes Verhältnis zur Unabhängigkeit der EZB hat. Preisstabilität als Voraussetzung für Wirtschaftswachstum ist aber nur mit einer unabhängigen Zentralbank zu erreichen. Deshalb wurde die Unabhängigkeit des Europäischen Systems der Zentralbanken mit der EZB an der Spitze im EG-Vertrag verankert und das Ziel Preisniveaustabilität vorgegeben.
Was er unter Preisstabilität versteht, hat der EZB-Rat vor Beginn der Währungsunion bei der Vorstellung der geldpolitischen Strategie definiert: Anstieg des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) für das Euro-Währungsgebiet von weniger als 2% gegenüber dem Vorjahr, wobei Preisstabilität mittelfristig beibehalten werden soll.
Zentralbanken stehen heutzutage generell vor dem Problem, dass sie beim Abstecken der mit Preisstabilität vereinbarten Spanne für den Anstieg des Preisniveaus einen Kompromiss zwischen den um die Entwertung ihrer Ersparnisse fürchtenden privaten Haushalten und der durch die Angst vor einem möglichen Abgleiten in die gefürchtete Deflation gebeutelten Wirtschaft machen müssen. Angesichts der Tatsache, dass ein zu Beginn der Währungsunion für das Alter zurückgelegter Euro nach sieben Jahren Währungsunion nur noch 84 Cent wert war, ist der EZB-Rat mit der 2003 vorgenommenen Präzisierung der Definition von Preisniveaustabilität - Anstieg des HVPI von unter, aber nahe 2 % in mittlerer Frist - der Wirtschaft und der Wirtschaftspolitik sehr weit entgegengekommen.
Ständiger Kritik erfreut sich auch der Zwei-Säulen-Ansatz innerhalb der Strategie der EZB. Eine Säule, als wirtschaftliche Analyse bezeichnet, dient der Beurteilung der kurz- bis mittelfristigen Risiken für die Preisstabilität. Aktuelle realwirtschaftliche Daten der gesamtwirtschaftlichen Produktion und Komponenten der Nachfrage, finanzpolitische Entwicklungen, Kapitalmarkt- und Arbeitsmarktbedingungen sowie eine breite Palette von Preis- und Kostenindikatoren werden ebenso einer Analyse unterzogen wie die Entwicklung des Wechselkurses, der Weltwirtschaft und der Zahlungsbilanz, der Finanzmärkte sowie der Bilanzpositionen von Wirtschaftssektoren des Euro-Währungsgebiets. Bei der anderen Säule, der sogenannten monetären Analyse, geht es um die Beurteilung der mittel- bis längerfristigen Risiken für die Preisstabilität, indem die Entwicklung der Geldmenge und der Kreditvergabe analysiert wird. Insbesondere die monetäre Säule ist ständig kritisiert worden.
Was wurde der EZB nicht alles vorgeworfen und unterstellt. Sie verfolge ein Geldmengenziel, oder die Geldmenge M3 eigne sich nicht für die Analyse von Inflationsrisiken. Dabei erklärte Otmar Issing bereits 1998 bei der Vorstellung der Strategie, dass es keinen mechanischen Zusammenhang zwischen Geldmengenwachstum und geldpolitischen Entscheidungen gebe - die EZB also nicht mechanistisch reagieren würde, wenn das Wachstum der Geldmenge vom Referenzwert für M3 (der kein Geldmengenziel ist) abweichen sollte. Allzu oft wird von Kritikern des Zwei-Säulen-Ansatzes übersehen, dass die beiden Säulen einander ergänzende Analyserahmen für die Gesamtbewertung der Inflationsrisiken durch den EZB-Rat darstellen. Es soll also nicht nur eine möglichst große Zahl von Einflussfaktoren erfasst werden, um der Komplexität des Inflationsgeschehens gerecht zu werden; man berücksichtigt auch den in der Inflationstheorie bekannten unterschiedlichen Zeithorizont der nichtmonetären und monetären Inflationsursachen. Während die wirtschaftliche Analyse Erkenntnisse über den kurz- bis mittelfristigen Zusammenhang zwischen angebots- und nachfragebedingten Inflationsursachen und Preisentwicklung nutzt, bezieht sich die monetäre Analyse auf Ergebnisse aus der Erforschung des längerfristigen Zusammenhangs zwischen Geldmengenwachstum und Preisentwicklung.
Die Gegenprüfung zwischen beiden Säulen erfolgt mit Hilfe des sogenannten Cross Checking. Dem Beispiel des Zwei-Säulen-Ansatzes mit unterschiedlichem Zeithorizont folgt nun auch die Bank of Japan, die in diesem Jahr ihren neuen geldpolitischen Handlungsrahmen bekannt gab. Wahrend in ihrem "Ansatz der zwei Perspektiven" die erste Perspektive die Beurteilung der geldpolitischen Ausrichtung mit Blick auf die erwartete Konjunktur- und Inflationsentwicklung über einen Zeithorizont von ein bis zwei Jahren betone, stelle die zweite Perspektive die längerfristigen Risiken in den Vordergrund, die größere geldpolitische Flexibilität erfordern könnten.
Die Bedeutung der monetären Analyse hat besonders Otmar Issing stets betont. Neuere empirische Studien der EZB, der Deutschen Bundesbank, der Schweizerischen Nationalbank und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich bestätigen: Auf längere Sicht ist Inflation ein monetäres Phänomen - über längere Zeitspannen wird die Inflation durch die Entwicklung der Geldmenge bestimmt.
Indem die EZB bei der monetären Analyse nicht nur die Entwicklung der Geldmenge M3, sondern auch die Entwicklung der einzelnen Geldmengenkomponenten von M3, der Gegenposten und Veränderungen der sektoralen Zusammensetzung untersucht, filtert sie inflationsrelevante Geldmengenbewegungen heraus. Zusätzlich ist die monetäre Analyse in den letzten Jahren erweitert und vertieft worden - sie schließt die Entwicklung der Kredite und der Vermögenspreise ein. Letztere werden von der EZB; nicht nur im Rahmen der Inflationsprognose berücksichtigt, Vermögenspreisen wird vorausschauend auch bei der Analyse der Geldmenge und der Kredite Rechnung getragen.
Die EZB hat in den vergangenen Jahren mehrere Instrumente entwickelt, die wie das Konzept der Geldlücke" Rückschlüsse auf überschüssige Liquidität in Euroland erlauben und mögliche Inflationsrisiken signalisieren. Die Verfeinerung der monetären Analyse durch neue Verfahren erlaubt es der EZB seit einiger Zeit, die Entwicklung der Geldmenge um Portfolioumschichtungen zu bereinigen. Das ermöglicht ihr wiederum, auf monetären Indikatoren beruhende Inflationsprognosen zu erstellen.

Dagny Taggart



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